Geld und Glauben (Teil 7)

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Ein Beitrag von Magnus und dem Nachtwächter

Vorwort

In den bisher veröffentlichten Teilen 1 bis 6 dieser Beitragsserie wurde das Weltgeschehen seit der Zeitenwende bis zum ausgehenden Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation betrachtet und mit zahlreichen Fragen und Antworten tiefergehend ausgeleuchtet. Zuletzt wurde das Augenmerk auf die Zeit bis zum Wiener Kongress des Jahres 1815 und die damit verbundenen großen Veränderungen der politischen, monarchischen und gesellschaftlichen Landschaft in Europa gelegt. Die Zeit der großen Schlachten war vorerst vorbei, doch erhöhte sich der gesellschaftliche Druck der bürgerlichen Stände innerhalb der Fürstentümer und Königreiche, was maßgebliche Veränderungen in Gang setzte, welche sich bis in die Jetztzeit auswirken.

Sollte der geneigte Leser die Mühe scheuen, sich mit allen Teilen der Beitragsserie auseinanderzusetzen, so ist dennoch angeraten, sich wenigstens mit den Teilen 4 bis 6 eingehender zu beschäftigen, da diese die Grundlage zum Verständnis des in der Folge geschilderten Weltgeschehens bilden:

Geld und Glauben (Teil 1)
(Zeitenwende bis 12. Jahrhundert)
Fragen und Antworten GuG Teil 1

Geld und Glauben (Teil 2)
(12. Jahrhundert bis 15. Jahrhundert)
Fragen und Antworten GuG Teil 2

Geld und Glauben (Teil 3)
(Entdeckung der „Neuen Welt“ bis zur Reformation)
Fragen und Antworten GuG Teil 3

Geld und Glauben (Teil 4)
(30-jähriger Krieg bis Mitte 18. Jahrhundert)
Fragen und Antworten GuG Teil 4

Geld und Glauben (Teil 5)
(Revolutionen in Amerika und Frankreich
bis zur Niederlegung der Kaiserkrone)
Fragen und Antworten GuG Teil 5

Geld und Glauben (Teil 6)
(Napoléons Herrschaft über Europa bis zum Wiener Kongress)
Fragen und Antworten GuG Teil 6


Staatsgründung und kontinentale Erschließung in Übersee

Ab dem Ende des 15. Jahrhunderts lief ein regelrechtes Wettrennen zwischen den europäischen Mächten um die koloniale Landnahme des amerikanischen Kontinents. Obwohl Amerika ursprünglich zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt worden war, hatten die beiden Länder zu begrenzte Kapazitäten und konzentrierten sich folglich auf Süd- und Mittelamerika. Daher nahmen sich vornehmlich die Niederlande, Großbritannien und Frankreich des Nordteils des Kontinents an.

In Zeiten der größten Ausdehnung zu Beginn des 18. Jahrhunderts umfasste die französische Kolonie Neufrankreich etwa ein Drittel Nordamerikas. Die Ostküste war dagegen weitestgehend unter britischer Kontrolle und die Rivalität der beiden Länder fand mit dem Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763, welcher sowohl in Europa, als auch in den Kolonien geführt wurde, seinen Höhepunkt. Nachdem Frankreich bereits 1762 die Kolonie Lousiana westlich des Mississippi an Spanien abgetreten hatte, büßte es mit dem Frieden von Paris des Jahres 1763 auch die östlich des Flusses gelegenen Gebiete sowie fast alle seine sonstigen Kolonialgebiete weltweit ein. Großbritannien wurde zur vorherrschenden Macht in Nordamerika.

Im Rahmen der Unabhängigkeitserklärung der 13 Kolonien des Jahres 1776 und des damit einhergehenden Krieges um die Loslösung von Großbritannien, welcher maßgeblich von Seiten Frankreichs zugunsten der Kolonialisten unterstützt wurde, kam es zum Pariser Frieden des Jahres 1783 und das gesamte Gebiet bis zum Mississippi fiel den neu gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika zu.

Aufgrund des massiven Drucks des napoléonischen Frankreichs auf Spanien wurde im Jahre 1800 im Zuge des Dritten Vertrags von San Ildefonso das westlich des Mississippi gelegene Louisiana an Frankreich zurückgegeben. Nur drei Jahre später kam es zum Lousiana Purchase, dem größten Landverkauf der bekannten Geschichte, mit welchem das Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika etwa verdoppelt wurde. Zudem erwarben die USA damit die wichtige Handelsroute über den Mississippi bis zu der den Schiffsverkehr kontrollierenden Hafenstadt New Orleans am Golf von Mexiko.

Es folgten Expeditionen Richtung Westen, um die weitere Erschließung des Kontinents vorzubereiten. Das vereinnahmte Territorium wuchs stetig durch den Beitritt weiterer Gebiete zur Union und durch Annexion. Aufgrund der Spannungen in Europa zwischen Frankreich und Großbritannien und der daraus folgenden Blockade von US-Häfen, britischen Übergriffen auf US-Handelsschiffe und der Zwangsrekrutierung von US-Amerikanern, erklärte US-Präsident James Madison am 18. Juni 1812 den Briten den Krieg.

Die mehrmaligen Versuche der Amerikaner, maßgebliche Erfolge im britischen Kanada zu erzielen, schlugen trotz vielfacher Überlegenheit fehl und die Briten erreichten erhebliche Geländegewinne in Schlachten an der Nordost-Küste, in deren Zuge auch Washington D.C. verwüstet und das Weiße Haus sowie das Kapitol zerstört wurden. Der Krieg endete im Dezember 1812 mit dem Frieden von Gent, in welchem der Vorkriegszustand wiederhergestellt wurde.

Die USA betrieben im Verlauf der folgenden Jahre und Jahrzehnte kriegerische Landnahme in Richtung Westen und erschlossen auf diesem Weg weite Teile des nordamerikanischen Kontinents, wobei die Ureinwohner großteils aufgerieben oder vertrieben wurden. Mit dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg der Jahre 1846 bis 1848, aus welchem die USA siegreich hervorgingen, wurde sowohl die Landnahme bis zur Pazifikküste als auch die Grenzziehung mit Mexiko besiegelt. 1890 wurde Nordamerika als vollständig erschlossen erklärt. Die Loslösung der südlichen Staaten von der Union führte zum Sezessionskrieg der Jahre 1861 bis 1865, welcher mit der Niederlage der Südstaaten endete und die Bindung der Bundesstaaten an die Zentralregierung in Washington endgültig zementierte.

254. Welchen Anteil hatten “Deutsche“ am Unabhängigkeitskrieg in Übersee?
255. Welche Rolle spielte die Eisenbahn bei der Erschließung des Westens Nordamerikas?
256. Was ist die Monroe-Doktrin?
257. Was ist der “Residence Act“?
258. Wann wurde Washington D.C. zur Hauptstadt der USA?
259. Welchen Status hat Washington D.C. bis heute?
260. Was ist der “Act of 1871“?

Europa nach Napoléon

Was einst ein Zusammenschluss von weitestgehend freien und selbstbestimmten mitteleuropäischen Fürsten- und Herzogtümern war und dennoch zugleich ein Großreich gebildet hatte, war mit dem Reichsdeputationshauptschluss des Jahres 1803 bereits maßgeblich umgestaltet worden. Durch das Wirken Napoléons wurde auch diese kurzfristige Papier-Ordnung nachhaltig zerstört und die neu zusammengefassten Gebiete in französisch dominierten Königreichen auf deutschem Boden sollten, nach Napoléons Niederlage und der nachfolgenden Abdankung als “Kaiser der Franzosen“ im April 1814, abermals neu geordnet werden.

Mit dem Wiener Kongress der Jahre 1814 bis 1815 hatte sich die europäische Landkarte folglich erneut in vielen Bereichen erheblich verändert. Einige der Königreiche “von Napoléons Gnaden“ behielten ihren Status, Frankreich behielt seinen im Ersten Frieden von Paris festgelegten Stand von 1792 und die Gebiete des ehemaligen großdeutschen Kaiserreichs wurden in langwierigen Verhandlungen zu eigenständigen Königreichen Herzog- und Fürstentümern konsolidiert.

Österreich erhielt maßgebliche Gebiete zugesprochen, wie Galizien, Illyrien und Teile Oberitaliens, wohingegen es sich aus dem Westen und Norden zurückzog. Die Österreichischen Niederlande fielen an das neu entstandene Vereinigte Königreich der Niederlande, wie auch das Großherzogtum Luxemburg an das Haus Oranien-Nassau ging. Preußen dehnte sein Territorium bis an den Niederrhein aus, der nördliche Teil Sachsens wurde dem Königreich zugeschlagen und es erhielt Posen und Danzig zurück. Das neu entstandene Königreich von Hannover unterstand erneut in Personalunion Großbritannien, Franken ging im Tausch gegen Tirol an das Königreich Bayern. Das Königreich Württemberg konnte, wie die anderen verbliebenen Fürstentümer, weitestgehend seinen Gebietsstand aus der Zeit des Rheinbundes behaupten.

Auf Grundlage des Pariser Friedens von 1814 wurde zugleich der Deutsche Bund geschaffen, eine eher lose Vereinigung deutscher Staaten zum Zwecke der inneren und äußeren Sicherheit und unter Beteiligung des britischen Königreichs, des Kaiserreichs Österreich sowie der Königreiche Dänemark und Niederlande. Trotz teils großer Differenzen unter den Teilnehmern des Wiener Kongresses, wurde – nicht zuletzt durch Napoléons kurzzeitige Rückkehr und seine “Herrschaft der 100 Tage“ – das Hauptziel erreicht, die Eroberungen Frankreichs rückgängig zu machen und zugleich ein Kräftegleichgewicht auf dem Kontinent wiederherzustellen.

261. Welche Bedeutung hatte das Königreich von Hannover für Preußen?
262. Was war die Heilige Allianz und welche Bedeutung hatte diese?
263. Welche Rolle spielte Graf von Metternich beim “Gleichgewicht der Kräfte“?
264. Was war die Ursache für den Deutschen Dualismus?

Restauration

Die auf den Wiener Kongress folgenden Jahre führten für die Königreiche, Herzog- und Fürstentümer zu einer weitestgehenden außenpolitischen Friedenszeit und, durch die bereits zaghaft einsetzende Industrialisierung, zum unterschiedlich starken wirtschaftlichen Aufblühen der Staaten in Europa. Zugleich wurde das Ständeprinzip zunehmend infrage gestellt und es entwickelte sich eine bürgerliche Opposition, welche nationalstaatliche Gedanken unterstützte wie auch die durch die französische Revolution idealisierte Liberalisierung und den aufkommenden bürgerlichen Anspruch auf umfassende Mitbestimmung.

Am 12. Juni 1815 kam es in Jena zur Gründung der “Urburschenschaft“, einer studentischen Gruppierung, welche nationalen, christlichen und freiheitlichen Ideen Auftrieb gab und die “staatsbürgerliche Verantwortung“ als Gegenpol zur monarchischen Herrschaft begründete. Im Nachgang des von der Jenaer Burschenschaft veranstalteten Wartburgfestes am 18. Oktober 1817, mit teilnehmenden Studenten aus fast allen Staaten des Deutschen Bundes, wurde ein Programm mit Forderungen nach Freiheit und nationaler Einheit unter einer konstitutionellen Monarchie erstellt, welches unter anderem auch die Gleichstellung der gesellschaftlichen Klassen, die Rede- und Pressefreiheit sowie die allgemeine Wehrpflicht anstelle stehender Heere einforderte.

In der Folge kam es zur Gründung der “Allgemeinen Deutschen Burschenschaft“, welche jedoch angesichts der von der Obrigkeit als radikal eingeschätzten Forderungen sowie der sich durch die Karlsbader Beschlüsse des Jahres 1819 ergebenden politischen Verfolgungen im Jahre 1822 zerfiel. Der Höhepunkt der bürgerlichen Opposition gegen die monarchischen Herrscher zur Zeit der Restauration im Deutschen Bund und zugleich eine gesellschaftlich-politische Folge der Julirevolution im Frankreich des Jahres 1830, war das Hambacher Fest des Jahres 1832 mit in der Spitze rund 30.000 Teilnehmern.

265. Welche Rolle spielte der Code Civil nach dem Wiener Kongress des Jahres 1815?
266. Was war die Ursache für das Aufkommen der Burschenschaften?
267. Was waren die erklärten Motive und Ziele der Studentenbewegungen?
268. Welche Herkunft hat “Schwarz-Rot-Gold“ und welche Rolle spielten diese Farben ursprünglich?
269. Welcher Unterschied findet sich zwischen der Urburschenschaft und der neu entstandenen Burschenschaft des Jahres 1827?

Die Julirevolution

Nach der Entmachtung Napoléons in Frankreich 1814 und endgültig 1815 war das Haus Bourbon mit Ludwig XVIII. wieder an die Macht gekommen. Nach dessen Tod 1824 übernahm dessen “ultraroyalistischer“ Bruder Karl X. die Krone, was den fortgesetzten Widerstand der inzwischen starken liberalen Kräfte innerhalb Frankreichs weiter verstärkte. Die Anordnung des Königs zur Auflösung der Abgeordnetenkammer, die gleichzeitige Einführung der Pressezensur und die Einschränkung des Wahlrechts für das Bürgertum, waren der unmittelbare Auslöser der Julirevolution des Jahres 1830, welche ihn zum Rücktritt zwangen und Louis Phillipe von Orléans zum neuen “Bürgerkönig“ machten.

Das Bürgertum revoltiert

Der Erfolg der Julirevolution in Frankreich sowie die belgische Revolution 1830 und der Novemberaufstand 1830/1831, des seit dem Wiener Kongress unter zaristischer Hoheit stehenden Polens, ermutigte auch das deutsche Bürgertum zum Aufbegehren gegen ihre monarchischen Herrscher. Das Gedankengut der nationalen Vereinigung der deutschen Länder wurde vor allem in den Burschenschaften und Vereinen weitergetragen und nährte revolutionäre nationale Bestrebungen innerhalb des Deutschen Bundes.

Im Kurfürstentum Hessen gab Kurfürst Wilhelm II. dem Druck aus dem Bürgertum nach und gestattete die Ausarbeitung einer Verfassung durch die Kurhessische Ständeversammlung. Auch das Königreich Sachsen war nach der Julirevolution in Frankreich von Unruhen erschüttert, gegen welche militärisch vorgegangen wurde. König Anton und sein Mitregent Friedrich August mussten letztlich Zugeständnisse machen und im September 1831 trat die Sächsische Verfassung in Kraft.

Im Herzogtum Braunschweig wurde der Regent Karl II. im Zuge eines Volksaufstands im Jahre 1830 zur Flucht in die Schweiz gezwungen und in der Folge wurde 1832 auch hier eine Landesverfassung eingeführt. Am 3. April 1833 scheiterte der Frankfurter Wachensturm kläglich und die scharfen staatlichen Maßnahmen, welche zum vorläufigen Rückzug der Burschenschaften aus der Politik führten, schürten fortgesetzte, wenn auch geheime Widerstände des unterdrückten Bürgertums gegen die Obrigkeit. In Göttingen wurden 1837 sieben Professoren – darunter auch die Gebrüder Grimm – ihrer Ämter enthoben, welche es gewagt hatten, gegen die von König Ernst August I. verkündete Aufhebung des 1833 im Königreich Hannover eingeführten Staatsgrundgesetzes zu protestieren.

270. Wie und von wem wurden die “Verfassungen“ der betreffenden Bundesstaaten in Kraft gesetzt?
271. Was ist ein Staatsgrundgesetz?
272. Welcher Besonderheit unterlag das Staatsgrundgesetz im Königreich Hannover?
273. Was war der Deutsche Zollverein?
274. Was war das “Metternichsche System“?

Lied der Deutschen

Der “Flickenteppich“ des Deutschen Bundes und die bürgerlichen Bestrebungen der nationalen Einheit und Stärke gegen französische Gebietsansprüche auf das Rheinland bildeten den Rahmen für den berühmten und heute teil-verschmähten Liedtext, welchen August Heinrich Hoffmann von Fallersleben am 26. August 1841 auf der seinerzeit britischen Insel Helgoland zu der von Joseph Haydn bereits 1797 für Kaiser Franz II. komponierten Melodie der Kaiserhymne gedichtet hatte:

“Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt –
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt!

Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang –
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang!

Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland!“

275. Warum sind die ersten beiden Strophen des Liedtextes in der BRiD „verboten“? (eher eine rhetorische Frage …)

Vormärz

Obgleich Artikel 13 der Deutschen Bundesakte des Deutschen Bundes bereits im Jahr 1815 die Erstellung einer Verfassung für jeden Bundesstaat bestimmte, hatten sowohl der preußische König Friedrich Wilhelm III. als auch sein Nachfolger König Friedrich Wilhelm IV. über drei Jahrzehnte erfolgreich auf Zeit gespielt und das Königreich Preußen ohne Verfassung und entsprechende Beteiligung der Stände regiert. In den 1840er Jahren wurde die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation jedoch zunehmend schwierig. Die Landwirtschaft, das städtische Handwerk, die Heimarbeiter und auch das Finanzwesen gerieten unter erheblichen Druck, welcher zunächst nur regionales Aufbegehren zur Folge hatte. Dennoch wurden revolutionäre deutsch-nationale Bestrebungen auch in Preußen immer lauter, welche sich, nach dem Sturz Metternichs in Österreich und der Februarrevolution in Frankreich, im März 1848 entluden.

Es kam zu Volksversammlungen Oppositioneller in Berlin, welche zu tödlichen Auseinandersetzungen zwischen dem Militär und den sich verbarrikadierten Bürgern führte. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. sah sich letztlich gezwungen, das Militär abzuziehen dem Bürgertum Zugeständnisse zu machen. So kam er der Forderung nach, seinen Hut zu ziehen, als seine Bürger ihm rund 150 Opfer des Aufstands im Hof seines Schlosses vorführten und wenige Tage später stellte er sich öffentlich auf die Seite der nationalen Bewegung, als er mit einer schwarz-rot-goldenen Schärpe durch die Stadt ritt und eine gleichfarbige Fahne vorwegtragen ließ.

In der Folge kam es zur Bildung der Preußischen Nationalversammlung, welche die Aufgabe hatte, eine Verfassung für das Königreich Preußen auszuarbeiten. Der dem König im Juli 1848 vorgelegte Entwurf stieß auf Ablehnung und am 5. Dezember 1848 löste Friedrich Wilhelm IV. die Nationalversammlung auf und erließ die erste Preußische Verfassung, welche angesichts der Übernahme einiger liberaler Forderungen die Ruhe im Königreich wiederherstellte.

276. Wie sah das Finanzwesen in der Zeit von nach dem Wiener Kongress bis Mitte des 19. Jahrhunderts aus?
277. Von welchem Gedankengut wurden die bürgerlichen Revolutionen angetrieben?
278. Wie und von wem wurden die Revolutionen bezahlt?
279. Welchen gesellschaftlichen Wert hatte die Preußische Verfassung von 1848?

Deutsche Revolution

Neben Preußen war es auch in Österreich zu revolutionären Aufständen gekommen, welche jedoch blutig niedergeschlagen wurden. Dennoch hatte insbesondere die Märzrevolution in Berlin die vom Bürgertum erzwungenen Märzkabinette zur Folge, welche über den Bundestag des Deutschen Bundes zur verfassungsgebenden Nationalversammlung in der Paulskirche der seinerzeit freien Stadt Frankfurt führten. Am 28. März 1849 wurde die Frankfurter Reichsverfassung verabschiedet und 28 der im Deutschen Bund zusammengefassten Fürsten- und Herzogtümer nahmen die Paulskirchenverfassung an. Verweigert wurde die Annahme von den mächtigen Königreichen Österreich, Preußen, Bayern, Sachsen, Hannover und Württemberg, wobei in Letzterem ein drohender Volksaufstand den König noch zur Annahme bewegte.

In einer gemeinschaftlichen Note wurde König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen zum Anschluss aufgerufen, welcher von der Frankfurter Nationalversammlung bereits am 28. März 1849 zum Reichsoberhaupt als “Kaiser“ gewählt worden war. Damit verbunden war ihm die Kaiserkrone und der Titel “Kaiser der Deutschen“ angeboten worden, doch der preußische König lehnte nur einen Monat später, am 28. April 1849 sowohl die Kaiserkrone als auch die Paulskirchenverfassung ab und entzog den preußischen Abgeordneten des Bundestages ihr Mandat – ein Schritt, welchem andere Staaten folgten. Ein Rumpfparlament floh nach Stuttgart, wurde jedoch am 18. Juni von württembergischen Truppen aufgelöst.

Im Mai 1849 kam es, getragen vom Centralmärzverein, zu revolutionären Aufständen in verschiedenen Ländern des Deutschen Bundes. Mit der Reichsverfassungskampagne erhoben sich nationalstaatlich gesinnte Bürger in Dresden, der Pfalz, in Iserlohn, Prüm, Elberfeld und in Baden, es brachen bürgerkriegsähnliche Zustände aus, welche militärisch niedergeschlagen wurden und erst mit dem Fall der Burg Rastatt am 23. Juli 1849 ihr letztliches Ende fanden. Mit dem Ende der Badischen Revolution war der Versuch des Bürgertums den deutschen Nationalstaat zu erzwingen gescheitert.

280. Warum lehnte Friedrich Wilhelm IV. den Titel “Kaiser der Deutschen“ ab?
281. Woran scheiterten die revolutionistischen Bestrebungen?
282. Wer oder was waren die “Forty Eighters“?

Österreichische Revolution

Auch im Vielvölkerstaat Österreich kam es nach der französischen Februarrevolution zu bürgerlichen Aufständen, beginnend mit dem Sturm auf das Ständehaus am 13. März 1848 in Wien. Noch am selben Abend trat der im Volk aufgrund seiner Ablehnung freiheitlicher Bestrebungen des Bürgertums unbeliebte Staatskanzler Fürst von Metternich zurück und floh ins Exil nach England. Kaiser Ferdinand I. war zu Zugeständnissen gezwungen und legte Ende April 1848 die Pillersdorfsche Verfassung vor, welche jedoch aufgrund der Ablehnung und des revolutionären Drucks wieder zurückgenommen wurde.

In den österreichischen Kronländern kam es in der Folge zu Sezessionsbestrebungen. Im Juni 1848 schlugen österreichische Truppen den Pfingstaufstand im böhmischen Prag gewaltsam nieder, in Ungarn kam es zur Revolution und in der Folge zum Unabhängigkeitskrieg, welcher erst im August 1849 mit der Niederschlagung durch die Unterstützung der Österreicher durch die russische Armee sein Ende fand. Auch in den italienischen Provinzen wurde die Gelegenheit für eine Wiedervereinigung Italiens gesehen, was zum Unabhängigkeitskrieg führte, welcher von österreichischen Truppen siegreich beendet wurde.

In Wien hatte sich derweil bereits im Juli 1848 der österreichische Reichstag konstituiert und die Führungsschwäche Kaiser Ferdinand I. wurde immer offensichtlicher. Die Ereignisse in Ungarn hatten zu dem Versuch aufständischer Arbeiter und Studenten sowie meuternder Truppen geführt, den Abmarsch österreichischer Truppen nach Ungarn mit Barrikaden zu verhindern. Es kam zu Gefechten und Straßenkämpfen in deren Zuge der Kriegsminister von Aufständischen gelyncht und das kaiserliche Zeughaus eingenommen wurde, was zum Abmarsch des kaiserlichen Militärs und zur Flucht des Kaisers führte.

Wien war somit kurzzeitig in den Händen der Revolution, anrückende kaiserliche Truppen begannen jedoch Ende Oktober nach der Einkreisung der Stadt mit Beschuss und am 31. Oktober 1848 wurde Wien gestürmt und der Aufstand beendet. Am 2. Dezember 1848 übergab Kaiser Ferdinand I. die Krone an seinen erst 18-jährigen Neffen Franz Joseph I., welcher das Kaisertum zum zentralistischen Absolutismus zurückführte.

Der Kirchenstaat nach dem Wiener Kongress

Mit Abschluss der monatelangen Verhandlungen zur Herstellung einer neuen Ordnung in Europa wurde auch der Kirchenstaat, welcher zur Zeit der napoléonischen Herrschaft über weite Teile besetzt oder inexistent war, in den Grenzen von 1797 wiederhergestellt. Nach dem Tode Papst Pius VII. im Jahre 1823, welcher unter anderem das schwierige Gleichgewicht gegenüber Napoléon mit dessen Kaiserkrönung bezahlt und dennoch die Wiederherstellung des katholischen Staates erwirkt hatte, verfiel der Kirchenstaat zunehmend der Korruption und Misswirtschaft. Ein Polizeistaat kirchlicher Ordnung entstand und es wurde sich aktiv gegen die Aufklärung gestellt. Im Anschluss an die Italienischen Unabhängigkeitskriege des Jahres 1848 musste Papst Pius IX. im November 1848 aus Rom fliehen. Erst das Eingreifen Frankreichs ermöglichte 1850 die Rückkehr des Papstes.

Nachwirkungen der Revolutionen in Europa

Die vornehmlich in den Staaten des Deutschen Bundes offenen Bestrebungen des liberal-nationalen Bürgertums zur Wiedervereinigung in Form eines Deutschen Reiches, zunehmend stärker geforderte bürgerliche Ideale in der Art des Sozialismus‘ sowie der deutsch-österreichische Gegensatz dürfen als Kernursachen des Kampfes um die Macht und den jeweiligen Machterhalt der Könige und Fürsten in Europa angesehen werden. Nach dem Wiener Kongress währte die Zeit des Friedens nur wenige Jahre, bis die dem Bürgertum vorgetragenen, neuen Ideen einer gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung in zumeist brutal niedergeschlagenen Aufständen und Bürgerkriegen mündete.

Die “Alte Ordnung“ war nachhaltig geschädigt und sollte in dieser Form auch nicht wiederkommen. Vielmehr war bereits Mitte des 19. Jahrhunderts absehbar, dass die Könige und Fürsten irgendeiner Form der nationalen Einigung sowie der Mitsprache des Volkes kaum länger aus dem Wege gehen konnten. Neue Konflikte kündigten sich bereits an und die zumindest vorläufig endgültige Klärung der teils propagandistisch bewusst geschürten Gegensätze sollte in den kommenden Jahrzehnten zu einer Situation führen, welche für mehrere Jahrzehnte tatsächlichen Frieden und Wohlstand in bisher unbekannter Form nach sich zogen.

Diese entscheidende Epoche, von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur kleindeutschen Lösung “Deutsches Reich“ des Jahres 1871, bildet den abschließenden Rahmen dieser Beitragsserie im 8. Teil.

Anmerkungen der Autoren

Dieser siebte Teil der Beitragsserie “Geld und Glauben“ baut auf die in den ersten sechs Teilen dargelegten Grundlagen auf, dies nicht nur bei der Betrachtung der weiterführenden Geschichte, sondern auch in Bezug auf die Hintergründe der Geschehnisse.

Wir begrüßen auch zu diesem Beitrag ausdrücklich die Unterstützung der Leser bei der Beantwortung der Fragen und danken ausdrücklich für die Mitarbeit bei der Herausarbeitung und Verknüpfung der Zusammenhänge. Antworten aus dem Forum auf die Fragen dieses siebten Teils werden hier begleitend eingepflegt:

Fragen und Antworten (Teil 7)

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