Geld und Glauben (Teil 7)

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Ein Beitrag von Magnus und dem Nachtwächter

Vorwort

In den bisher veröffentlichten Teilen 1 bis 6 dieser Beitragsserie wurde das Weltgeschehen seit der Zeitenwende bis zum ausgehenden Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation betrachtet und mit zahlreichen Fragen und Antworten tiefergehend ausgeleuchtet. Zuletzt wurde das Augenmerk auf die Zeit bis zum Wiener Kongress des Jahres 1815 und die damit verbundenen großen Veränderungen der politischen, monarchischen und gesellschaftlichen Landschaft in Europa gelegt. Die Zeit der großen Schlachten war vorerst vorbei, doch erhöhte sich der gesellschaftliche Druck der bürgerlichen Stände innerhalb der Fürstentümer und Königreiche, was maßgebliche Veränderungen in Gang setzte, welche sich bis in die Jetztzeit auswirken.

Sollte der geneigte Leser die Mühe scheuen, sich mit allen Teilen der Beitragsserie auseinanderzusetzen, so ist dennoch angeraten, sich wenigstens mit den Teilen 4 bis 6 eingehender zu beschäftigen, da diese die Grundlage zum Verständnis des in der Folge geschilderten Weltgeschehens bilden:

Geld und Glauben (Teil 1)
(Zeitenwende bis 12. Jahrhundert)
Fragen und Antworten GuG Teil 1

Geld und Glauben (Teil 2)
(12. Jahrhundert bis 15. Jahrhundert)
Fragen und Antworten GuG Teil 2

Geld und Glauben (Teil 3)
(Entdeckung der „Neuen Welt“ bis zur Reformation)
Fragen und Antworten GuG Teil 3

Geld und Glauben (Teil 4)
(30-jähriger Krieg bis Mitte 18. Jahrhundert)
Fragen und Antworten GuG Teil 4

Geld und Glauben (Teil 5)
(Revolutionen in Amerika und Frankreich
bis zur Niederlegung der Kaiserkrone)
Fragen und Antworten GuG Teil 5

Geld und Glauben (Teil 6)
(Napoléons Herrschaft über Europa bis zum Wiener Kongress)
Fragen und Antworten GuG Teil 6


Staatsgründung und kontinentale Erschließung in Übersee

Ab dem Ende des 15. Jahrhunderts lief ein regelrechtes Wettrennen zwischen den europäischen Mächten um die koloniale Landnahme des amerikanischen Kontinents. Obwohl Amerika ursprünglich zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt worden war, hatten die beiden Länder zu begrenzte Kapazitäten und konzentrierten sich folglich auf Süd- und Mittelamerika. Daher nahmen sich vornehmlich die Niederlande, Großbritannien und Frankreich des Nordteils des Kontinents an.

In Zeiten der größten Ausdehnung zu Beginn des 18. Jahrhunderts umfasste die französische Kolonie Neufrankreich etwa ein Drittel Nordamerikas. Die Ostküste war dagegen weitestgehend unter britischer Kontrolle und die Rivalität der beiden Länder fand mit dem Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763, welcher sowohl in Europa, als auch in den Kolonien geführt wurde, seinen Höhepunkt. Nachdem Frankreich bereits 1762 die Kolonie Lousiana westlich des Mississippi an Spanien abgetreten hatte, büßte es mit dem Frieden von Paris des Jahres 1763 auch die östlich des Flusses gelegenen Gebiete sowie fast alle seine sonstigen Kolonialgebiete weltweit ein. Großbritannien wurde zur vorherrschenden Macht in Nordamerika.

Im Rahmen der Unabhängigkeitserklärung der 13 Kolonien des Jahres 1776 und des damit einhergehenden Krieges um die Loslösung von Großbritannien, welcher maßgeblich von Seiten Frankreichs zugunsten der Kolonialisten unterstützt wurde, kam es zum Pariser Frieden des Jahres 1783 und das gesamte Gebiet bis zum Mississippi fiel den neu gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika zu.

Aufgrund des massiven Drucks des napoléonischen Frankreichs auf Spanien wurde im Jahre 1800 im Zuge des Dritten Vertrags von San Ildefonso das westlich des Mississippi gelegene Louisiana an Frankreich zurückgegeben. Nur drei Jahre später kam es zum Lousiana Purchase, dem größten Landverkauf der bekannten Geschichte, mit welchem das Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika etwa verdoppelt wurde. Zudem erwarben die USA damit die wichtige Handelsroute über den Mississippi bis zu der den Schiffsverkehr kontrollierenden Hafenstadt New Orleans am Golf von Mexiko.

Es folgten Expeditionen Richtung Westen, um die weitere Erschließung des Kontinents vorzubereiten. Das vereinnahmte Territorium wuchs stetig durch den Beitritt weiterer Gebiete zur Union und durch Annexion. Aufgrund der Spannungen in Europa zwischen Frankreich und Großbritannien und der daraus folgenden Blockade von US-Häfen, britischen Übergriffen auf US-Handelsschiffe und der Zwangsrekrutierung von US-Amerikanern, erklärte US-Präsident James Madison am 18. Juni 1812 den Briten den Krieg.

Die mehrmaligen Versuche der Amerikaner, maßgebliche Erfolge im britischen Kanada zu erzielen, schlugen trotz vielfacher Überlegenheit fehl und die Briten erreichten erhebliche Geländegewinne in Schlachten an der Nordost-Küste, in deren Zuge auch Washington D.C. verwüstet und das Weiße Haus sowie das Kapitol zerstört wurden. Der Krieg endete im Dezember 1812 mit dem Frieden von Gent, in welchem der Vorkriegszustand wiederhergestellt wurde.

Die USA betrieben im Verlauf der folgenden Jahre und Jahrzehnte kriegerische Landnahme in Richtung Westen und erschlossen auf diesem Weg weite Teile des nordamerikanischen Kontinents, wobei die Ureinwohner großteils aufgerieben oder vertrieben wurden. Mit dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg der Jahre 1846 bis 1848, aus welchem die USA siegreich hervorgingen, wurde sowohl die Landnahme bis zur Pazifikküste als auch die Grenzziehung mit Mexiko besiegelt. 1890 wurde Nordamerika als vollständig erschlossen erklärt. Die Loslösung der südlichen Staaten von der Union führte zum Sezessionskrieg der Jahre 1861 bis 1865, welcher mit der Niederlage der Südstaaten endete und die Bindung der Bundesstaaten an die Zentralregierung in Washington endgültig zementierte.

254. Welchen Anteil hatten “Deutsche“ am Unabhängigkeitskrieg in Übersee?
255. Welche Rolle spielte die Eisenbahn bei der Erschließung des Westens Nordamerikas?
256. Was ist die Monroe-Doktrin?
257. Was ist der “Residence Act“?
258. Wann wurde Washington D.C. zur Hauptstadt der USA?
259. Welchen Status hat Washington D.C. bis heute?
260. Was ist der “Act of 1871“?

Europa nach Napoléon

Was einst ein Zusammenschluss von weitestgehend freien und selbstbestimmten mitteleuropäischen Fürsten- und Herzogtümern war und dennoch zugleich ein Großreich gebildet hatte, war mit dem Reichsdeputationshauptschluss des Jahres 1803 bereits maßgeblich umgestaltet worden. Durch das Wirken Napoléons wurde auch diese kurzfristige Papier-Ordnung nachhaltig zerstört und die neu zusammengefassten Gebiete in französisch dominierten Königreichen auf deutschem Boden sollten, nach Napoléons Niederlage und der nachfolgenden Abdankung als “Kaiser der Franzosen“ im April 1814, abermals neu geordnet werden.

Mit dem Wiener Kongress der Jahre 1814 bis 1815 hatte sich die europäische Landkarte folglich erneut in vielen Bereichen erheblich verändert. Einige der Königreiche “von Napoléons Gnaden“ behielten ihren Status, Frankreich behielt seinen im Ersten Frieden von Paris festgelegten Stand von 1792 und die Gebiete des ehemaligen großdeutschen Kaiserreichs wurden in langwierigen Verhandlungen zu eigenständigen Königreichen Herzog- und Fürstentümern konsolidiert.

Österreich erhielt maßgebliche Gebiete zugesprochen, wie Galizien, Illyrien und Teile Oberitaliens, wohingegen es sich aus dem Westen und Norden zurückzog. Die Österreichischen Niederlande fielen an das neu entstandene Vereinigte Königreich der Niederlande, wie auch das Großherzogtum Luxemburg an das Haus Oranien-Nassau ging. Preußen dehnte sein Territorium bis an den Niederrhein aus, der nördliche Teil Sachsens wurde dem Königreich zugeschlagen und es erhielt Posen und Danzig zurück. Das neu entstandene Königreich von Hannover unterstand erneut in Personalunion Großbritannien, Franken ging im Tausch gegen Tirol an das Königreich Bayern. Das Königreich Württemberg konnte, wie die anderen verbliebenen Fürstentümer, weitestgehend seinen Gebietsstand aus der Zeit des Rheinbundes behaupten.

Auf Grundlage des Pariser Friedens von 1814 wurde zugleich der Deutsche Bund geschaffen, eine eher lose Vereinigung deutscher Staaten zum Zwecke der inneren und äußeren Sicherheit und unter Beteiligung des britischen Königreichs, des Kaiserreichs Österreich sowie der Königreiche Dänemark und Niederlande. Trotz teils großer Differenzen unter den Teilnehmern des Wiener Kongresses, wurde – nicht zuletzt durch Napoléons kurzzeitige Rückkehr und seine “Herrschaft der 100 Tage“ – das Hauptziel erreicht, die Eroberungen Frankreichs rückgängig zu machen und zugleich ein Kräftegleichgewicht auf dem Kontinent wiederherzustellen.

261. Welche Bedeutung hatte das Königreich von Hannover für Preußen?
262. Was war die Heilige Allianz und welche Bedeutung hatte diese?
263. Welche Rolle spielte Graf von Metternich beim “Gleichgewicht der Kräfte“?
264. Was war die Ursache für den Deutschen Dualismus?

Restauration

Die auf den Wiener Kongress folgenden Jahre führten für die Königreiche, Herzog- und Fürstentümer zu einer weitestgehenden außenpolitischen Friedenszeit und, durch die bereits zaghaft einsetzende Industrialisierung, zum unterschiedlich starken wirtschaftlichen Aufblühen der Staaten in Europa. Zugleich wurde das Ständeprinzip zunehmend infrage gestellt und es entwickelte sich eine bürgerliche Opposition, welche nationalstaatliche Gedanken unterstützte wie auch die durch die französische Revolution idealisierte Liberalisierung und den aufkommenden bürgerlichen Anspruch auf umfassende Mitbestimmung.

Am 12. Juni 1815 kam es in Jena zur Gründung der “Urburschenschaft“, einer studentischen Gruppierung, welche nationalen, christlichen und freiheitlichen Ideen Auftrieb gab und die “staatsbürgerliche Verantwortung“ als Gegenpol zur monarchischen Herrschaft begründete. Im Nachgang des von der Jenaer Burschenschaft veranstalteten Wartburgfestes am 18. Oktober 1817, mit teilnehmenden Studenten aus fast allen Staaten des Deutschen Bundes, wurde ein Programm mit Forderungen nach Freiheit und nationaler Einheit unter einer konstitutionellen Monarchie erstellt, welches unter anderem auch die Gleichstellung der gesellschaftlichen Klassen, die Rede- und Pressefreiheit sowie die allgemeine Wehrpflicht anstelle stehender Heere einforderte.

In der Folge kam es zur Gründung der “Allgemeinen Deutschen Burschenschaft“, welche jedoch angesichts der von der Obrigkeit als radikal eingeschätzten Forderungen sowie der sich durch die Karlsbader Beschlüsse des Jahres 1819 ergebenden politischen Verfolgungen im Jahre 1822 zerfiel. Der Höhepunkt der bürgerlichen Opposition gegen die monarchischen Herrscher zur Zeit der Restauration im Deutschen Bund und zugleich eine gesellschaftlich-politische Folge der Julirevolution im Frankreich des Jahres 1830, war das Hambacher Fest des Jahres 1832 mit in der Spitze rund 30.000 Teilnehmern.

265. Welche Rolle spielte der Code Civil nach dem Wiener Kongress des Jahres 1815?
266. Was war die Ursache für das Aufkommen der Burschenschaften?
267. Was waren die erklärten Motive und Ziele der Studentenbewegungen?
268. Welche Herkunft hat “Schwarz-Rot-Gold“ und welche Rolle spielten diese Farben ursprünglich?
269. Welcher Unterschied findet sich zwischen der Urburschenschaft und der neu entstandenen Burschenschaft des Jahres 1827?

Die Julirevolution

Nach der Entmachtung Napoléons in Frankreich 1814 und endgültig 1815 war das Haus Bourbon mit Ludwig XVIII. wieder an die Macht gekommen. Nach dessen Tod 1824 übernahm dessen “ultraroyalistischer“ Bruder Karl X. die Krone, was den fortgesetzten Widerstand der inzwischen starken liberalen Kräfte innerhalb Frankreichs weiter verstärkte. Die Anordnung des Königs zur Auflösung der Abgeordnetenkammer, die gleichzeitige Einführung der Pressezensur und die Einschränkung des Wahlrechts für das Bürgertum, waren der unmittelbare Auslöser der Julirevolution des Jahres 1830, welche ihn zum Rücktritt zwangen und Louis Phillipe von Orléans zum neuen “Bürgerkönig“ machten.

Das Bürgertum revoltiert

Der Erfolg der Julirevolution in Frankreich sowie die belgische Revolution 1830 und der Novemberaufstand 1830/1831, des seit dem Wiener Kongress unter zaristischer Hoheit stehenden Polens, ermutigte auch das deutsche Bürgertum zum Aufbegehren gegen ihre monarchischen Herrscher. Das Gedankengut der nationalen Vereinigung der deutschen Länder wurde vor allem in den Burschenschaften und Vereinen weitergetragen und nährte revolutionäre nationale Bestrebungen innerhalb des Deutschen Bundes.

Im Kurfürstentum Hessen gab Kurfürst Wilhelm II. dem Druck aus dem Bürgertum nach und gestattete die Ausarbeitung einer Verfassung durch die Kurhessische Ständeversammlung. Auch das Königreich Sachsen war nach der Julirevolution in Frankreich von Unruhen erschüttert, gegen welche militärisch vorgegangen wurde. König Anton und sein Mitregent Friedrich August mussten letztlich Zugeständnisse machen und im September 1831 trat die Sächsische Verfassung in Kraft.

Im Herzogtum Braunschweig wurde der Regent Karl II. im Zuge eines Volksaufstands im Jahre 1830 zur Flucht in die Schweiz gezwungen und in der Folge wurde 1832 auch hier eine Landesverfassung eingeführt. Am 3. April 1833 scheiterte der Frankfurter Wachensturm kläglich und die scharfen staatlichen Maßnahmen, welche zum vorläufigen Rückzug der Burschenschaften aus der Politik führten, schürten fortgesetzte, wenn auch geheime Widerstände des unterdrückten Bürgertums gegen die Obrigkeit. In Göttingen wurden 1837 sieben Professoren – darunter auch die Gebrüder Grimm – ihrer Ämter enthoben, welche es gewagt hatten, gegen die von König Ernst August I. verkündete Aufhebung des 1833 im Königreich Hannover eingeführten Staatsgrundgesetzes zu protestieren.

270. Wie und von wem wurden die “Verfassungen“ der betreffenden Bundesstaaten in Kraft gesetzt?
271. Was ist ein Staatsgrundgesetz?
272. Welcher Besonderheit unterlag das Staatsgrundgesetz im Königreich Hannover?
273. Was war der Deutsche Zollverein?
274. Was war das “Metternichsche System“?

Lied der Deutschen

Der “Flickenteppich“ des Deutschen Bundes und die bürgerlichen Bestrebungen der nationalen Einheit und Stärke gegen französische Gebietsansprüche auf das Rheinland bildeten den Rahmen für den berühmten und heute teil-verschmähten Liedtext, welchen August Heinrich Hoffmann von Fallersleben am 26. August 1841 auf der seinerzeit britischen Insel Helgoland zu der von Joseph Haydn bereits 1797 für Kaiser Franz II. komponierten Melodie der Kaiserhymne gedichtet hatte:

“Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt –
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt!

Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang –
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang!

Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland!“

275. Warum sind die ersten beiden Strophen des Liedtextes in der BRiD „verboten“? (eher eine rhetorische Frage …)

Vormärz

Obgleich Artikel 13 der Deutschen Bundesakte des Deutschen Bundes bereits im Jahr 1815 die Erstellung einer Verfassung für jeden Bundesstaat bestimmte, hatten sowohl der preußische König Friedrich Wilhelm III. als auch sein Nachfolger König Friedrich Wilhelm IV. über drei Jahrzehnte erfolgreich auf Zeit gespielt und das Königreich Preußen ohne Verfassung und entsprechende Beteiligung der Stände regiert. In den 1840er Jahren wurde die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation jedoch zunehmend schwierig. Die Landwirtschaft, das städtische Handwerk, die Heimarbeiter und auch das Finanzwesen gerieten unter erheblichen Druck, welcher zunächst nur regionales Aufbegehren zur Folge hatte. Dennoch wurden revolutionäre deutsch-nationale Bestrebungen auch in Preußen immer lauter, welche sich, nach dem Sturz Metternichs in Österreich und der Februarrevolution in Frankreich, im März 1848 entluden.

Es kam zu Volksversammlungen Oppositioneller in Berlin, welche zu tödlichen Auseinandersetzungen zwischen dem Militär und den sich verbarrikadierten Bürgern führte. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. sah sich letztlich gezwungen, das Militär abzuziehen dem Bürgertum Zugeständnisse zu machen. So kam er der Forderung nach, seinen Hut zu ziehen, als seine Bürger ihm rund 150 Opfer des Aufstands im Hof seines Schlosses vorführten und wenige Tage später stellte er sich öffentlich auf die Seite der nationalen Bewegung, als er mit einer schwarz-rot-goldenen Schärpe durch die Stadt ritt und eine gleichfarbige Fahne vorwegtragen ließ.

In der Folge kam es zur Bildung der Preußischen Nationalversammlung, welche die Aufgabe hatte, eine Verfassung für das Königreich Preußen auszuarbeiten. Der dem König im Juli 1848 vorgelegte Entwurf stieß auf Ablehnung und am 5. Dezember 1848 löste Friedrich Wilhelm IV. die Nationalversammlung auf und erließ die erste Preußische Verfassung, welche angesichts der Übernahme einiger liberaler Forderungen die Ruhe im Königreich wiederherstellte.

276. Wie sah das Finanzwesen in der Zeit von nach dem Wiener Kongress bis Mitte des 19. Jahrhunderts aus?
277. Von welchem Gedankengut wurden die bürgerlichen Revolutionen angetrieben?
278. Wie und von wem wurden die Revolutionen bezahlt?
279. Welchen gesellschaftlichen Wert hatte die Preußische Verfassung von 1848?

Deutsche Revolution

Neben Preußen war es auch in Österreich zu revolutionären Aufständen gekommen, welche jedoch blutig niedergeschlagen wurden. Dennoch hatte insbesondere die Märzrevolution in Berlin die vom Bürgertum erzwungenen Märzkabinette zur Folge, welche über den Bundestag des Deutschen Bundes zur verfassungsgebenden Nationalversammlung in der Paulskirche der seinerzeit freien Stadt Frankfurt führten. Am 28. März 1849 wurde die Frankfurter Reichsverfassung verabschiedet und 28 der im Deutschen Bund zusammengefassten Fürsten- und Herzogtümer nahmen die Paulskirchenverfassung an. Verweigert wurde die Annahme von den mächtigen Königreichen Österreich, Preußen, Bayern, Sachsen, Hannover und Württemberg, wobei in Letzterem ein drohender Volksaufstand den König noch zur Annahme bewegte.

In einer gemeinschaftlichen Note wurde König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen zum Anschluss aufgerufen, welcher von der Frankfurter Nationalversammlung bereits am 28. März 1849 zum Reichsoberhaupt als “Kaiser“ gewählt worden war. Damit verbunden war ihm die Kaiserkrone und der Titel “Kaiser der Deutschen“ angeboten worden, doch der preußische König lehnte nur einen Monat später, am 28. April 1849 sowohl die Kaiserkrone als auch die Paulskirchenverfassung ab und entzog den preußischen Abgeordneten des Bundestages ihr Mandat – ein Schritt, welchem andere Staaten folgten. Ein Rumpfparlament floh nach Stuttgart, wurde jedoch am 18. Juni von württembergischen Truppen aufgelöst.

Im Mai 1849 kam es, getragen vom Centralmärzverein, zu revolutionären Aufständen in verschiedenen Ländern des Deutschen Bundes. Mit der Reichsverfassungskampagne erhoben sich nationalstaatlich gesinnte Bürger in Dresden, der Pfalz, in Iserlohn, Prüm, Elberfeld und in Baden, es brachen bürgerkriegsähnliche Zustände aus, welche militärisch niedergeschlagen wurden und erst mit dem Fall der Burg Rastatt am 23. Juli 1849 ihr letztliches Ende fanden. Mit dem Ende der Badischen Revolution war der Versuch des Bürgertums den deutschen Nationalstaat zu erzwingen gescheitert.

280. Warum lehnte Friedrich Wilhelm IV. den Titel “Kaiser der Deutschen“ ab?
281. Woran scheiterten die revolutionistischen Bestrebungen?
282. Wer oder was waren die “Forty Eighters“?

Österreichische Revolution

Auch im Vielvölkerstaat Österreich kam es nach der französischen Februarrevolution zu bürgerlichen Aufständen, beginnend mit dem Sturm auf das Ständehaus am 13. März 1848 in Wien. Noch am selben Abend trat der im Volk aufgrund seiner Ablehnung freiheitlicher Bestrebungen des Bürgertums unbeliebte Staatskanzler Fürst von Metternich zurück und floh ins Exil nach England. Kaiser Ferdinand I. war zu Zugeständnissen gezwungen und legte Ende April 1848 die Pillersdorfsche Verfassung vor, welche jedoch aufgrund der Ablehnung und des revolutionären Drucks wieder zurückgenommen wurde.

In den österreichischen Kronländern kam es in der Folge zu Sezessionsbestrebungen. Im Juni 1848 schlugen österreichische Truppen den Pfingstaufstand im böhmischen Prag gewaltsam nieder, in Ungarn kam es zur Revolution und in der Folge zum Unabhängigkeitskrieg, welcher erst im August 1849 mit der Niederschlagung durch die Unterstützung der Österreicher durch die russische Armee sein Ende fand. Auch in den italienischen Provinzen wurde die Gelegenheit für eine Wiedervereinigung Italiens gesehen, was zum Unabhängigkeitskrieg führte, welcher von österreichischen Truppen siegreich beendet wurde.

In Wien hatte sich derweil bereits im Juli 1848 der österreichische Reichstag konstituiert und die Führungsschwäche Kaiser Ferdinand I. wurde immer offensichtlicher. Die Ereignisse in Ungarn hatten zu dem Versuch aufständischer Arbeiter und Studenten sowie meuternder Truppen geführt, den Abmarsch österreichischer Truppen nach Ungarn mit Barrikaden zu verhindern. Es kam zu Gefechten und Straßenkämpfen in deren Zuge der Kriegsminister von Aufständischen gelyncht und das kaiserliche Zeughaus eingenommen wurde, was zum Abmarsch des kaiserlichen Militärs und zur Flucht des Kaisers führte.

Wien war somit kurzzeitig in den Händen der Revolution, anrückende kaiserliche Truppen begannen jedoch Ende Oktober nach der Einkreisung der Stadt mit Beschuss und am 31. Oktober 1848 wurde Wien gestürmt und der Aufstand beendet. Am 2. Dezember 1848 übergab Kaiser Ferdinand I. die Krone an seinen erst 18-jährigen Neffen Franz Joseph I., welcher das Kaisertum zum zentralistischen Absolutismus zurückführte.

Der Kirchenstaat nach dem Wiener Kongress

Mit Abschluss der monatelangen Verhandlungen zur Herstellung einer neuen Ordnung in Europa wurde auch der Kirchenstaat, welcher zur Zeit der napoléonischen Herrschaft über weite Teile besetzt oder inexistent war, in den Grenzen von 1797 wiederhergestellt. Nach dem Tode Papst Pius VII. im Jahre 1823, welcher unter anderem das schwierige Gleichgewicht gegenüber Napoléon mit dessen Kaiserkrönung bezahlt und dennoch die Wiederherstellung des katholischen Staates erwirkt hatte, verfiel der Kirchenstaat zunehmend der Korruption und Misswirtschaft. Ein Polizeistaat kirchlicher Ordnung entstand und es wurde sich aktiv gegen die Aufklärung gestellt. Im Anschluss an die Italienischen Unabhängigkeitskriege des Jahres 1848 musste Papst Pius IX. im November 1848 aus Rom fliehen. Erst das Eingreifen Frankreichs ermöglichte 1850 die Rückkehr des Papstes.

Nachwirkungen der Revolutionen in Europa

Die vornehmlich in den Staaten des Deutschen Bundes offenen Bestrebungen des liberal-nationalen Bürgertums zur Wiedervereinigung in Form eines Deutschen Reiches, zunehmend stärker geforderte bürgerliche Ideale in der Art des Sozialismus‘ sowie der deutsch-österreichische Gegensatz dürfen als Kernursachen des Kampfes um die Macht und den jeweiligen Machterhalt der Könige und Fürsten in Europa angesehen werden. Nach dem Wiener Kongress währte die Zeit des Friedens nur wenige Jahre, bis die dem Bürgertum vorgetragenen, neuen Ideen einer gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung in zumeist brutal niedergeschlagenen Aufständen und Bürgerkriegen mündete.

Die “Alte Ordnung“ war nachhaltig geschädigt und sollte in dieser Form auch nicht wiederkommen. Vielmehr war bereits Mitte des 19. Jahrhunderts absehbar, dass die Könige und Fürsten irgendeiner Form der nationalen Einigung sowie der Mitsprache des Volkes kaum länger aus dem Wege gehen konnten. Neue Konflikte kündigten sich bereits an und die zumindest vorläufig endgültige Klärung der teils propagandistisch bewusst geschürten Gegensätze sollte in den kommenden Jahrzehnten zu einer Situation führen, welche für mehrere Jahrzehnte tatsächlichen Frieden und Wohlstand in bisher unbekannter Form nach sich zogen.

Diese entscheidende Epoche, von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur kleindeutschen Lösung “Deutsches Reich“ des Jahres 1871, bildet den abschließenden Rahmen dieser Beitragsserie im 8. Teil.

Anmerkungen der Autoren

Dieser siebte Teil der Beitragsserie “Geld und Glauben“ baut auf die in den ersten sechs Teilen dargelegten Grundlagen auf, dies nicht nur bei der Betrachtung der weiterführenden Geschichte, sondern auch in Bezug auf die Hintergründe der Geschehnisse.

Wir begrüßen auch zu diesem Beitrag ausdrücklich die Unterstützung der Leser bei der Beantwortung der Fragen und danken ausdrücklich für die Mitarbeit bei der Herausarbeitung und Verknüpfung der Zusammenhänge. Antworten aus dem Forum auf die Fragen dieses siebten Teils werden hier begleitend eingepflegt:

Fragen und Antworten (Teil 7)

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Wilhelm Tell er Miene
Wilhelm Tell er Miene
24. Okt. 2020 12:29

Werter N8w!

Bitte um eine Berichtigung! Die ersten beiden Strophen sind nicht „verboten“, sie sind in den Ohren der Span-Ferkel nicht gern gehört aber nicht „verboten“! Wäre ja unser Kamerad Heino schon lange um ein schönen Jutube-Auftritt beschnitten worden.

Heil&Segen

Zuletzt bearbeitet vor 1 Monat von Wilhelm Tell er Miene
Claus
Claus
26. Okt. 2020 15:53

Hintergrund zur ersten Strophe:

„Der konkrete Anlass für Hoffmann, das Lied zu verfassen, waren französische Gebietsansprüche auf das Rheinland in der Rheinkrise. Diese Ansprüche wies er mit dem Lied zurück, wie es auch mit anderen deutschen Rheinliedern dieser Zeit geschah. Er ergänzte dies mit weiteren Gedanken, vor allem mit dem der deutschen Einigkeit, die allein die Voraussetzung für Abwehr feindlicher Angriffe jeder Größenordnung bieten könne.“

Und weiter:

„Nach 1945 kam es zu Diskussionen über die weitere Verwendung des Liedes, bis 1952 ein offizieller Briefwechsel zwischen Bundespräsident Theodor Heuss (FDP) und Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) dahingehend entschied, dass Das Lied der Deutschen insgesamt die Nationalhymne blieb, zu offiziellen Anlässen jedoch nur die dritte Strophe gesungen werden sollte. Nach der Wiedervereinigung wurde im Jahr 1991 nach einem weiteren Briefwechsel zwischen Bundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU) und Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) die dritte Strophe zur Nationalhymne Deutschlands erklärt.“

Das Lied der Deutschen [de.wikipedia.org]

Von einem Verbot kann man also in der Tat nicht sprechen. Die Frage bleibt, warum man uns das so (aus meiner Erinnerung heraus) gelehrt hat.

Edit: Ach, ich sehe gerade, das mit der Rheinkrise, steht ja auch oben im Beitrag. 😉

Zuletzt bearbeitet vor 1 Monat von Claus
Wilhelm Tell er Miene
Wilhelm Tell er Miene
26. Okt. 2020 21:41
Antwort an  Claus

Werter Claus,

wenn man den Text dieser beiden Strophen nimmt und sich dazu einen Atlas zu Gemüte zieht, dürfte sich Deine Frage eigentlich als beantwortet zeigen. Wenn man die wahre Herkunft der letzten 4 Kanzleretten bzw. Vizekanzlerdarsteller betrachtet, wird einem richtig warm ums Herz.

Ich habe mal im Netz die Zeitrafferdarstellung der Grenzen des Deutschen Reichs in den Jahren von 1000 bis heute gesehen! Köstlich, was wir noch für einen Vorgarten haben. Und dazu noch die Aussage, dass wir die Kriegstreiber sind …

Allein deshalb sollte es jedem, der noch ein wenig Nationalstolz in sich trägt, ein Bedürfniss sein, die Nationalhymne mit allen drei Strophen zu singen!

„Heino Das Lied der Deutschen“ bei der JUTUbe und der Sonntag ist gerettet!

Heil&Segen

Kleiner Eisbär
Kleiner Eisbär
27. Okt. 2020 20:50

Siehe auch hier:

  • 1952: Das gesamte Lied wird Hymne des deutschen Teilstaates, der Bundesrepublik Deutschland. In einem Briefwechsel zwischen dem ersten Bundespräsidenten,Theodor Heuss, und Bundeskanzler Konrad Adenauer wurde das Hoffmann-Haydn’sche Lied wieder als Nationalhymne anerkannt. Ausdrücklich bilden alle drei Strophen die Hymne. Bei staatlichen Veranstaltungen soll jedoch nur die dritte Strophe gesungen werden. Gerade ihr Text – „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland“ – konnte die Lage des gespaltenen Deutschlands lange Zeit eindrucksvoll bewußt machen.
  • 1989: Beim Eintreffen der Nachricht vom Fall der Berliner Mauer wurde es spontan im Deutschen Bundestag gesungen, nur einige Abgeordnete der Grünen flüchteten verstört aus dem Plenarsaal.

Lied der Deutschen [de.metapedia.org]

Sailor
Sailor
24. Okt. 2020 20:15

Herzlichen Dank, werter Magnus und werter Nachtwächter für Eure tolle Arbeit.
Man kann eigentlich nur erahnen, wieviel wertvolle Zeit und Arbeit Ihr in diese 7. GuG Ausgabe investiert habt!

Ich steige einfach einmal mittendrin ein 🙂

Zu 256. Was ist die Monroe-Doktrin?

Mit der Monroe-Doktrin stellte US-Präsident Monroe im Dezember 1823 die Weichen für eine langfristige Außenpolitik, in der Tradition von Präsident Jefferson und somit auch für eine nicht umkehrbare Unabhängigkeit der Staaten auf dem amerikanischen Doppelkontinent gegenüber den europäischen Mächten/der Alten Welt.

Eine Existenz von 2 Spheres (2 Spheren), die auf dem Prinzip der Nichteinmischung. dem Ende von Kolonialisierungsbestrebungen und Eingreifen, wenn diese Grundlagen missachtet werden, beruhen.

„Amerika den Amerikanern“, bezog sich ebenso auf die südamerikanischen Staaten und beinhaltete zu einem späteren Zeitpunkt auch das Vebot des Transfers von kolonialem Besitztum an andere Mächte.

Quelle: Wikipedia Monroe-Doktrin [de.wikipedia.org]

Destin Faroda
Destin Faroda
25. Okt. 2020 16:47
Antwort an  Sailor

256. Was ist die Monroe-Doktrin?

Die Monroe-Doktrin entstammt einer Rede zur Lage der Nation des gleichnamigen US-Präsidenten aus dem Jahr 1823 und skizzierte den Grundriss einer neuen Außenpolitik, die in der Tradition Jeffersons stand. Ab sofort unterteilten die USA die Welt in zwei Sphären, betonte das Prinzip der Nichteinmischung und forderte das Ende der Kolonialisierungsmaßnahmen in der westlichen Hemisphäre.

Diese Doktrin entstand als Reaktion auf die Heilige Allianz (Russland, Österreich und Preußen) in Europa, die gegen republikanische und liberale Ideen sowie Bewegungen vorging. Die Heilige Allianz hatten in Europa die vom Volk errichtete konstitutionelle Monarchie (Trienio Liberal, 1820-1823) in Spanien mittels militräischer Gewalt stürzen lassen.

Monroe-Doktrin [de.wikipedia.org]

Korih im Wald
Korih im Wald
24. Okt. 2020 20:25

Es ist zwar hier keine Antwort auf eine der konkreten Fragen, passt aber in die Zeit:

Weiß jemand von Euch, was mit der Stiftung ist, die Kaiser Wilhelm I. zu Gunsten des Deutschen Volkes ins Leben gerufen haben soll (Kaiser Wilhelms Spende)? Die soll seit 2006 der AXA gehören (?) – viel mehr ist dazu leider schriftlich nicht zu finden. (Oder ich verwende nicht die richtigen Suchbegriffe – kann auch sein …)

Unter welchen Umständen würden wir da wieder in die Begünstigung kommen können?

Zuletzt bearbeitet vor 1 Monat von Korih im Wald
Claus
Claus
26. Okt. 2020 16:08
Antwort an  Korih im Wald

Da wird es keine Möglichkeit geben.

Nach der völligen Entwertung ihres Vermögens in der Inflation von 1914 bis 1923 und einer teilweisen, späteren staatlichen Anerkennung des Goldmarkwertes ihrer Verbindlichkeiten in der neuen Renten- und dann Reichsmarkwährung (RM) fusionierte die Kaiser-Wilhelms-Spende 1929 mit der Lebensversicherungsanstalt für die Armee und Marine und der Preußischen Rentenversicherungsanstalt zur Deutschen Beamten-Versicherung öffentliche Lebens- und Renten-Versicherungsanstalt (DBV). Diese gehörte seit 1997 der Credit Suisse Group, dann der Winterthur Group, welche 2006 vom französischen Versicherungskonzern AXA übernommen wurde.

Kaiser-Wilhelms-Spende [de.wikipedia.org]

Wilhelm Tell er Miene
Wilhelm Tell er Miene
26. Okt. 2020 21:52
Antwort an  Korih im Wald

Werte Korih im Wald,

als Ergänzung zu Claus, nix, null komma nix! Du bist wie wir alle Goym! Du darfst fleißig Steuern, Abgaben, Bußen Spenden, Soli, Beiträge, Verschwendungszulagen, Politikergehälter, Politikerrenten, Fachkräfteaufenthalte, Asylantenaufenthalte bezahlen, äh, habe ich was vergessen? Ja, EU finanzieren, unsere Schutzmächte finanzieren, Häftlingsentschädigungen für die leidgeprüften Lagerinsassen abdrücken. Noch was? Fällt bestimmt noch was ein. Also, was willst Du, reich werden?

Heil&Segen

Korih im Wald
Korih im Wald
27. Okt. 2020 13:02

Werter Wilhelm Tell er Miene,

die Antwort bezüglich dieser Stiftung ist für mich noch nicht befriedigend, daher werde ich wohl in Kürze selber noch mal etwas intensiver suchen – notfalls vielleicht auch mal in einer Bibliothek. Ging es dabei nicht auch um das Recht auf Bodennutzung? Ich hatte vor Jahren mal etwas darüber gelesen oder gehört. Ich meine mich zu erinnern, dass bei Reaktivierung des Deutschen Reiches die Deutschen auch wieder die Begünstigten bezüglich dieser Stiftung sein sollen. Aber ist zu lange her, um das aus der Erinnerung mit Sicherheit behaupten zu können.

Was und wer ich bin …, ja …, das frage ich mich selbst und meinen Schöpfer im inneren Zwiegespräch auch des öfteren mal – und zwar ganz ernsthaft. (Sollte jeder machen, ist nämlich eine ganz wichtige Frage!) Aber die Antworten, die ich da kriege, stimmen so ganz und gar nicht mit der obigen Beschreibung eines Goym-Zahl-Sklaven überein! (lach)

Und meine Autoritätenliste, wer darüber zu bestimmen hat, ist auch schon ganz eindeutig in Rangfolge besetzt! Auf dieser Liste steht absolut niemand, der mich als einen Goym o.ä. betrachtet – aber wer das außerhalb dieser Liste gerne tun möchte, dem sei dies unbenommen. Jedem seine Betrachtungsweise, kann er gerne behalten – ich brauche die nicht, ich habe ja meine eigene! 😉

Ob ich reich sein will? Na klar! Aber ich bin es ja auch schon! Und ich werde täglich reicher, ohne jemandem was wegnehmen zu müssen! Übrigens: Mein Reichtum ist sogar absolut diebstahlsicher und überall, wo ich bin, (ohne EC-Karte) sofort verfügbar … – mancher Dollar-Milliardär würde mich wohl durchaus darum beneiden!

Wer glaubt, reich zu sein, nur weil er so ein paar Zettelchen in der Hand hat oder ein paar Zahlen auf dem Konto einer Bank ihm unter bestimmten Bedingungen zum Spielen zur Verfügung gestellt werden, kann durchaus ein sehr armer Wicht sein. (Schmunzel)

Da haben wir es doch: Geld und Glauben!

Wer glaube ich zu sein? Wer bin ich wirklich?
Was glaube ich zu besitzen? Was besitze ich wirklich?
Was ist wirklicher Reichtum?

Das sind sehr wichtige Fragen (auch in meinem Leben)!

Alles Liebe,
Korih

Wilhelm Tell er Miene
Wilhelm Tell er Miene
28. Okt. 2020 15:55
Antwort an  Korih im Wald

Ja fein, bei all den Zombies, Michels und Totalverweigerer da draußen mal wieder mit Menschen kommunizieren zu können, die wissen, wer sie sind und sich nicht fremdbestimmen lassen.

Heil&Segen

Sailor
Sailor
24. Okt. 2020 20:53

zu 257. Was ist der “Residence Act“?

Der „Residence Act“ von Juli 1790 ermächtigte Präsident George Washington nach zahlreichen Unstimmigkeiten in den Jahren zuvor, den Standort für die Hauptstadt zu bestimmen und den Dezember 1800 als Termin für die Fertigstellung festzulegen. Philadelphia wurde für die Zwischenzeit zur vorübergehenden Hauptstadt gewählt. Washington hatte die Befugnis, Bevollmächtigte zu bestimmen und den Bau der Regierungsgebäude in Washington, D.C. zu leiten.

Quelle: Wikipedia Residence Act [de.wikipedia.org]

Ein weiterer interessanter Beitrag zu 257, zu dem ich leider den Netzverweis nicht mehr finde …:

Das Residenzgesetz wurde am 6. Juli 1790 verabschiedet und übertrug Präsident Washington die Aufgabe, die Hauptstadt auf den Potomac zu legen. Die Städte Georgetown, Alexandria und andere kleinere Siedlungen wie Carrollsburg, Hamburg und Tennally’s Town fielen in das neue Hauptstadtterritorium. Der Kongress erkannte an, dass Washingtons Familie viel Besitz in und in der Nähe von Alexandria besaß. Es war verboten, im neuen Distrikt Bundesgebäude auf ehemals zum Bundesstaat Virginia (eigentlich dem Commonwealth) gehörendem Land zu errichten. Dies geschah in der Hoffnung, Interessenkonflikte zu verringern …

Quelle: What Does DC Mean in Washington

zu 258. Wann wurde Washington D.C. zur Hauptstadt der USA?

Am 11. Juni 1800 wurde Washington ständige Hauptstadt der Vereinigten Staaten.

Quelle: Washington [de.wikipedia.org]

zu 259. Welchen Status hat Washington D.C. bis heute?

District: Der District of Columbia oder Washington, D.C., ist Bundesdistrikt, Regierungssitz und seit 1800 die Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Der Distrikt ist kein Bundesstaat und gehört auch zu keinem, er ist vielmehr dem Kongress der Vereinigten Staaten direkt unterstellt.

Quelle: Washington, D.C. – Gliederung [de.wikipedia.org]

Ulrich
Ulrich
25. Okt. 2020 12:55

273. Was war der deutsche Zollverein?

Der Deutsche Zollverein wurde am 22. März 1833 gegründet und war ab dem 1. Januar 1834 eine rechtsfähige Organisation mit zunächst 18 Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes. Die Zielvorstellung galt zum einen dem Abbau zwischenstaatlicher Zölle und anderer Handelshemmnisse und zum anderen der Schaffung eines funktionierenden Binnenmarktes. Außerdem wurde das System der Ein- und Ausfuhrzölle gegenüber Nichtmitgliedsstaaten vereinheitlicht.

Nach den USA und Großbritannien stellte der Zollverein die drittgrößte Wirtschaftsmacht dar. Er bestand bis zur Reichsgründung im Jahre 1871. Die Situation vor der Gründung des Zollvereins war geprägt durch eine enorme Anzahl von Zollgrenzen innerhalb Deutschlands, von denen es gegen Ende des 18. Jahrhunderts zwischen 1.500 und 2.000 gegeben haben soll. Infolge der stagnierenden Entwicklung kam es in Preußen zu einer Wiederauflage der bereits um 1806 begonnenen Bemühungen zu dem Handels- und Zollgesetz von 1818. Damit erreichte Preußen für sich und seine weiteren Staatsteile ein einheitliches Zollgebiet. Im Jahre 1828 wurde dann mit Hessen-Darmstadt ein Zollverein gegründet.

In den Jahren von 1819 bis 1834 schlossen sich dann nach und nach fast alle Staaten des Deutschen Bundes der preußischen Zollvereinigung an; Nur Österreich blieb außen vor, weil es nicht einem von Preußen initiierten Zollverein beitreten wollte. Der Zusammenschluss erbrachte einen wesentlichen Aufschwung für die Industriegebiete an Rhein und Ruhr, eine verstärkte Einfuhr ausländischer Waren sowie eine Zunahme der Ausfuhr inländischer Produkte.

Hier sind Parallelen erkennbar zum Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen [geschichte-wissen.de], welches gut einhundert Jahre später die Welthandelsordnung neu regelte. In dieser neuen Ordnung wurde versucht, Handelshemmnisse zu beseitigen und allgemein verbindliche Zollsenkungen durchzusetzen. Insgesamt galten die Bemühungen der Liberalisierung des internationalen Handels.

Die Mitte des 19. Jahrhunderts, etwa von 1835 bis 1878 ist durch liberale Handels- und Zollpolitik gekennzeichnet und wird als Epoche des Kapitalismus bezeichnet.

Quelle: geschichte-wissen.de

Siegfried Hermann
Siegfried Hermann
26. Okt. 2020 18:22
Antwort an  Ulrich

Ergänzend hierzu: Schaut Euch mal die „Ländergrenze“ des Zollvereins an! Sie erinnert stark an den Machtbereich der Stauferkönige, sprich die Glanzzeiten des Römischen Reiches Deutscher Nation. Und wer jetzt noch ins Jahr 1942 zurückgeht, wird unweigerlich erstaunt sein, wie das Kabinett Hitler sich das Groß-Deutsche Reich in einer Nachkriegsordnung vorgestellt hat, auszusehen gehabt hätte. Die Parallelen sind unübersehbar.

Tja. Friedrich Barbarossa als Urvater „Nazi“. Wer hätte das gedacht!? 😉

Destin Faroda
Destin Faroda
25. Okt. 2020 16:09

254. Welchen Anteil hatten “Deutsche“ am Unabhängigkeitskrieg in Übersee?

Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1775 bis 1783) kämpften deutsche Soldaten und Offiziere auf beiden Seiten.

Britische Alliierte:

Fast 30.000 Söldner aus folgenden deutschen Ländern dienten unter den Briten:

  • Landgrafschaft Hessen-Kassel
  • Herzogtum Braunschweig-Lüneburg
  • Fürstentum Hessen-Hanau
  • Fürstentum Ansbach-Bayreuth
  • Fürstentum Waldeck-Pyrmont und
  • Fürstentum Anhalt-Zerbst.

Amerikanische Alliierte:

  • Viele ausgewanderte Deutsche kämpften für ihre jeweilige Kolonie
  • Etliche deutsche Offiziere und Soldaten dienten im französischen Fremdenregiment „Royal Deux-Ponts“, welches in Nordamerika gegen die Briten kämpfte und ihnen Yorktown entriss.
  • Der ehemalige preußische Offizier Friedrich Wilhelm von Steuben zog in die USA, um die Kontintentalarmee auszubilden. Er verwandelte die Kolonisten in eine schlagkräftige und disziplinierte Truppe. Ihm zu Ehren wird jährlich die Steubenparade in New York City abgehalten.
  • Johann de Kalb, ein französischer Offizier aus Bayern, diente als General in der Kontinentalarmee
  • Preußen unter Friedrich dem Großen unterstützte anfangs die USA, indem es der „Koalition der bewaffneten Neutralität“ beitrat. Friedrich II. war sehr an direkten Handelsbeziehungen mit den USA interessiert und versprach, diese gleich nach Frankreich als Nation anzuerkennen. Er gestattete es US-Agenten, Waffen in Preußen zu kaufen. Zudem untersagte er es den Subsidientruppen Anhalt-Zerbsts, durch preußisches Gebiet zu marschieren, wodurch diese zu spät in den USA ankamen. Auch behinderte Preußen britische Anwerbeversuche in Russland. Als der Bayerische Erbfolgekrieg ausbrach, zog Friedrich II. seine Unterstützung zurück und erkannte die USA erst nach dem Pariser Frieden 1783 an. Laut seiner Ansicht seien die USA zu groß für eine Republik, weswegen sie sich wieder Großbritannien anschließen sollten.

Quelle: Deutsche Beteiligung am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg [de.wikipedia.org]

Andrea
Andrea
26. Okt. 2020 19:54
Antwort an  Destin Faroda

„Geschichtliche Ereignisse werden nur dann richtig begriffen, wenn man sie im Lichte und Geiste ihrer Zeit betrachtet.“

Meine Leseempfehlung des Buches von 1874 von Friedrich Kapp – Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika [PDF | archive.org]

Als Ergänzung zu verstehen.

Destin Faroda
Destin Faroda
2. Nov. 2020 21:57
Antwort an  Destin Faroda

In der Serie „Turn“ kommen hessische Söldner vor. Die Serie dreht sich hauptsächlich um den berühmten Culper-Spionagering.

Turn [moviepilot.de]

Destin Faroda
Destin Faroda
3. Nov. 2020 22:17
Antwort an  Destin Faroda

Ich habe da was entdeckt:

Die Flagge der East India Company:

Bilddatei [upload.wikimedia.org]

Die heutige US-Flagge:

Bilddatei [upload.wikimedia.org]

Es geht immer wieder das Gerücht um, die heutige US-Fahne sei die Kriegsflagge. Die zivile Flagge soll so aussehen:

Bilddatei [upload.wikimedia.org]

Destin Faroda
Destin Faroda
25. Okt. 2020 17:13

260. Was ist der “Act of 1871“?

Der „District of Columbia Organic Act of 1871“ wurde vom US-Kongress erlassen und erschuf eine neue territoriale Regierung für den District of Columbia. Dieses Gesetz annulierte die Gründungsurkunden (charter) der Städte Washington und Georgetown. Beide wurden mit Washington County zu einer neuen territorialen Regierung für den gesamten District of Columbia verschmolzen. Ab sofort herrschten ein Gouverneur, ein 11-köpfiger Rat und eine 22-köpfige Versammlung über dieses Gebiet.

Der Act etablierte keine neue Stadt oder Stadtregierung innerhalb des Distrikts. Bezüglich einer Stadt wird erwähnt, dass the District of Columbia be, and is hereby, declared to be the successor of said corporations (Washington and Georgetown)

Im Jahre 1874 ersetzte der Kongress die territoriale Regierung durch ein dreiköpfiges Board of Commissioners. Somit unterstand der District of Columbia direkt dem Kongress, was sich im Jahre 1973 durch den District of Columbia Home Rule Act etwas lockerte.

Quelle: District of Columbia Organic Act of 1871 [de.wikipedia.org]

Amelie
Amelie
25. Okt. 2020 17:29

Zu 260, von Conrebbi:

Der Akt von 1871- Die USA ist eine Aktiengesellschaft [conrebbi.wordpress.com]

(Ich denke es hat hier ein paar Rechtschreibfehler drin, die ich aber mal so stehen lasse um den Text nicht eigenmächtig zu verändern.)

Durch das Gesetz von 1871 sind die USA eine Aktiengesellschaft namens THE UNITED STATES. Die Unternehmen, die von den ausländischen Interessen aus den USA EIGENTUM zog und schob den ursprünglichen Verfassung in den Mülleimer. Mit dem Gesetz von 1871 war die organische Verfassung unkenntlich gemacht, sabotiert, schon alleine durch das Ersetzen des Wortes „für“ durch „von“ im Titel.

DIE VERFASSUNG DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA wurde durch Umgestaltungen der Begriffe so verfasst, das seitdem der wirtschaftliche Aspekt, und die damit verdundenen wirtschaftlichen Kapazitäten verwendet wurden, um die Menschen zu täuschen, da sie denken, es handelt sich um die Republik- was nicht der Fall ist. Es ist nicht ein juristisches Dokument. Diese scheinbar „kleine“ Änderung hat einen großen Einfluss auf jede der nachfolgenden Generation von US- Amerikanern. Das Gesetz von 1871 war ein völlig neues Dokument, eine Verfassung für die Regierung der District of Columbia, und diese begünstigt.

Danke an N8waechter und Magnus.

LG
Amelie

Destin Faroda
Destin Faroda
25. Okt. 2020 18:03

255. Welche Rolle spielte die Eisenbahn bei der Erschließung des Westens Nordamerikas?

Im Jahre 1850 wurde Kalifornien ein US-Bundesstaat. Um dieses Gebiet mit dem Osten zu verbinden, genehmigte Präsident Lincoln im Jahre 1862, also noch während des Amerikanischen Bürgerkrieges, den Bau einer Eisenbahnstrecke nach Kalifornien. Erst im Jahre 1865 konnte ersthaft mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Eisenbahn ermöglichte den zügigen Transport von Passagieren, Waren und Militär zwischen den weitflächigen US-Bundesstaaten. Von Omaha aus begann die Union Pacific Railway mit den Bauarbeiten Richtung Westen und von Sacramento aus die Central Pacific Railroad Richtung Osten.

Um die Bauarbeiten zu beschleunigen, gewährte der Kongress Zuschüsse an die Eisenbahnunternehmen und schenkte ihnen sogar Unmengen an Land entlang der neuen Strecke. Aus diesem Grund wurde nicht immer die effizienteste Route gewählt. Aufgrund der harten Arbeiten und Streitigkeiten mit Indianern starben hunderte Arbeiter. Die Central Pacific Railroad musste aufgrund von Arbeitermangel sogar 15.000 Chinesen anwerben. Am 10. Mai 1869 trafen beide Unternehmen in Promontory Summit in der Nähe des großen Salzsees in Utah aufeinander und vollendeten die Gleisbauarbeiten.

Vizepräsident der Union Pacific Railroad zur damaligen Zeit war Doktor Thomas Clark Durant, ein Banker, Arzt und Finanzier. Dieser legte den Grundstein für den Crédit Mobilier Skandal. Die Geschäftsführer der Union Pacific Railroad gründeten die betrügerische Firma Crédit Mobilier, um die Kosten für den Eisenbahnbau in die Höhe zu treiben (94 statt 50 Millionen Dollar). Der Skandal gelangte 1872 durch die New York Sun an die Öffentlichkeit.

Die Central Pacific Railroad wurde von den „Big Four“ geleitet: Collis P. Huntington (Finanzierung), Mark Hopkins (Schatzmeister), Charles Crocker (Bauleiter) und Leland Stanford (Präsident).

Quellen:

Central Pacific Railroad [de.wikipedia.org]
Union Pacific Railroad [de.wikipedia.org]
1860–1880 Erschließung des Westens [de.wikipedia.org]

Destin Faroda
Destin Faroda
2. Nov. 2020 21:54
Antwort an  Destin Faroda

Serienempfehlung:

Hell on Wheels [moviepilot.de]

Diese Serie befasst sich mit dem Bau der transkontinentalen Eisenbahn aus der Sicht eines ehemaligen Südstaatensoldatens. Sie thematisiert die Zustände damals, die Gefahren und natürlich auch die Korruption.

Destin Faroda
Destin Faroda
25. Okt. 2020 18:36

262. Was war die Heilige Allianz und welche Bedeutung hatte diese?

Die Heilige Allianz war ein Bündnis, welches Russland, Österreich und Preußen am 26. September 1815, also nach dem Sieg über Napoléon, in Paris ins Leben riefen. 1818 trat Frankreich dem Bündnis bei. Gründungserklärung:

„Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreieinigkeit! Ihre Majestäten, der Kaiser von Österreich, der König von Preußen und der Zar von Russland haben infolge der großen Ereignisse, die Europa in den letzten drei Jahren erfüllt haben, und besonders der Wohltaten, die die göttliche Vorsehung über die Staaten ausgegossen hat, deren Regierungen ihr Vertrauen und ihre Hoffnungen auf sie allein gesetzt haben, die innere Überzeugung gewonnen, dass es notwendig ist, ihre gegenseitigen Beziehungen auf die erhabenen Wahrheiten zu begründen, die die unvergängliche Religion des göttlichen Erlösers lehrt. Sie erklären daher feierlich, dass die gegenwärtige Vereinbarung lediglich den Zweck hat, vor aller Welt ihren unerschütterlichen Entschluss zu bekunden, als die Richtschnur ihres Verhaltens in der inneren Verwaltung ihrer Staaten sowohl als durch in den politischen Beziehungen zu jeder anderen Regierung alleine die Gebote der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens, die, weit entfernt, nur auf das Privatleben anwendbar zu sein, erst recht die Entschließung der Fürsten direkt beeinflussen und alle ihre Schritte lenken sollen, damit sie so den menschlichen Einrichtungen Dauer verleihen und ihren Unvollkommenheiten abhelfen.“

Das Bündnis verpflichtete sich, einen „Ewigen Frieden“ durch Selbstverpflichtung zur christlichen Nächstenliebe aufrechtzuerhalten. Die Unterzeichner bekannten sich zum Gottesgnadentum. An alle anderen Nationen Europas ergingen Aufforderungen, sich diesem Bündnis anzuschließen, welcher diese auf Folge leisteten. Der Vatikanstaat trat dem Bündnis aufgrund der Mitgliedschaft protestantischer Nationen nicht bei, dem Osmanischen Reich blieb der Beitritt verwehrt und Großbritannien vermisste reale Verpflichtungen und winkte ab. Dies galt nicht für das Königreich Hannover, welches der Heiligen Allianz beitrat.

Fürst Metternich benutzte die Heilige Allianz, um gegen nationale und liberale Bewegungen vorzugehen. Das Vollzugsorgan der Heiligen Allianz war die Quadrupelallianz, bestehend aus Russland, Österreich, Preußen und Großbritannien.

Die Heilige Allianz begann schon 1820 zu zerbrechen. Grund hierfür waren Zerfürnisse zwischen den europäischen Herrscherhäusern wegen des Freiheitskampfs in Griechenland und Belgien.

Quelle: Heilige Allianz [de.wikipedia.org]

Zuletzt bearbeitet vor 1 Monat von Destin Faroda
Ortrun
Ortrun
25. Okt. 2020 19:00

Danke für diesen großartigen Abriss der Geschichte vom 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts! Es ist sehr erhellend, die Entwicklung in den USA, Europa und Deutschland im Zusammenhang zu sehen, da man erkennt, wie alles ineinandergreift.

Dazu ein sehr preußenfreundlicher Beitrag zu dieser Geschichtsepoche, der das Positive an Preußen hervorhebt und auch zeigt, wie politisch Luther eigentlich war, auch wenn er keine Revolution anführte.

Mir ist schon klar, dass es so ideal – wie hier dargestellt – nicht war, da monarchistisch/fürstliche Strukturen immer Pferdefüße enthalten und auch immer die uns mittlerweile bekannten destruktiven Strukturen von außen einwirkten (Finanzmacht, Vatikan).

Aber einen Befreiungsakt im großen Rahmen (das gesamte Reich betreffend) hat Preußen auch mit seiner späteren Reichsgründung 1870/71 schon bewirkt. Wären die bürgerlichen Kräfte mit Parlament und Parteien vielleicht nicht schon viel früher am Ende gewesen – unterminiert und gesteuert wie die später ach so hochgelobte „Demokratie“, das Spielfeld der Ratten?

Vatikan und das Kaiserreich. Wissen ist eine Holschuld! Teil 10 vertont. [YT]

mimi c.
mimi c.
25. Okt. 2020 19:05

274. Was war das “Metternichsche System“?

Der Zeitraum zwischen 1815 und 1848 ist als „System Metternich“ in die Geschichtsbücher eingegangen. In diesen Jahren wurde die Politik im Deutschen Bund maßgeblich von Österreichs Staatskanzler Fürst Metternich bestimmt. Als Leitbild der Restauration versuchte er nationale und liberale Forderungen aus dem Volk mit allen Mitteln zu unterdrücken.

Das „System Metternich“ [geschichte-abitur.de]

Als metternichsches System bezeichnet man hauptsächlich die, in den Jahren nach dem Wiener Kongress 1814/1815 nach Vorschlägen des österreichischen Außenministers und späteren Staatskanzlers Klemens von Metternich, von den europäischen Herrschern getroffenen Schritte zur Restauration der politischen Verhältnisse in Europa. Ihren Abschluss und ihre Absicherung fand diese „Neugestaltung (des alten) Europas“ mit der Gründung der Heiligen Allianz.

Metternich wurde in der Folgezeit eine der tragenden Figuren im europäischen Mächtekonzert und bestimmte das politische Geschehen wesentlich mit. Vor allem seine politischen Gegner, denen Metternich als alles dominierende Figur erschien, die quasi im Alleingang die Richtung der europäischen Politik bestimmte, prägten den Begriff Metternich’sches System, der bis heute als Inbegriff von Verfolgung und Unterdrückung von Demokratie, Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit gilt.

Die Beschlüsse beinhalteten vor allem Maßnahmen gegen liberale und nationale Tendenzen in der Bevölkerung (vor allem Studenten und Lehrer der höheren Bildungsgänge) und die Strafverfolgung bekannter Liberaler als sogenannte Demagogen. (So wurde zum Beispiel Friedrich Ludwig Jahn („Turnvater Jahn“) 1819 wegen des Aufrufes zur nationalen Erhebung ohne Prozess fünf Jahre lang inhaftiert.) Professoren, welche liberale Lehren vertraten, wurden vom Dienst suspendiert und durften im ganzen Deutschen Bund keine neue Stelle ergreifen.

Eine weitere Folge der Karlsbader Beschlüsse war die Zensur der Presse in allen Mitgliedstaaten des Deutschen Bundes. Das System baute auf drei Hauptsäulen auf: Legitimität, Monarchistische Autorität, Stabilität.

Es wurde versucht, diese Säulen zu stützen durch: sog. Gleichgewicht der Mächte innerhalb Deutschlands, Anspruch auf alleinige politische Machtausübung durch den Adel, Verhinderung der gewaltsamen Machtergreifung durch oppositionelle Gruppen mit allen Mitteln, strikte Ablehnung einer Verfassung, Wiederherstellung der vorrevolutionären Zustände.

Metternichsches System [de.wikipedia.org]

Sailor
Sailor
25. Okt. 2020 20:36

Zu 261. Welche Bedeutung hatte das Königreich von Hannover für Preußen?

Auf dem Wiener Kongress erklärte sich das von Napoléon I. aufgelöste Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg („Kurhannover“) am 12. Oktober 1814 selbst zum Königreich Hannover. Das Königreich Hannover war Mitglied des Deutschen Bundes seit dessen Gründung 1815. Hannover trat zunächst nicht dem Deutschen Zollverein bei, sondern bildete 1834 zusammen mit dem Herzogtum Braunschweig den Steuerverein und wurde erst 1854 Mitglied im Zollverein.

Im Ergebnis des Deutschen Krieges zwischen Preußen und Österreich verlor das Königreich Hannover 1866 seine Unabhängigkeit … Die hannoversche Armee musste nach anfänglichen Erfolgen in der Schlacht bei Langensalza gegenüber den preußischen Truppen am 29. Juni 1866 kapitulieren. Preußen entthronte die Welfen, annektierte das Königreich Hannover und machte es zur Provinz Hannover.

Das Privatvermögen der Welfen wurde von Bismarck als so genannter Reptilienfonds zur Beeinflussung von Presseberichten und des immer geldbedürftigen bayerischen Königs Ludwig II. genutzt, ohne darüber dem Reichstag Rechenschaft abzulegen. Nach Sebastian Haffner erhielt Ludwig II. für seine Privatschatulle 4.720.000 Goldmark aus dem Welfenfonds für die Zustimmung des Königreichs Bayern zur Gründung des Deutschen Reiches 1871.

Quelle: Königreich Hannover [de.wikipedia.org]

Ergänzend:

Preußen annektierte das Land und der letzte Welfen-König ging ins Exil nach Wien. Durch den Frieden von Prag, am 23. August 1866, fiel Hannover an das Königreich Preußen. Georg V. protestierte vergebens, am 3. Oktober 1866 erfolgte die Annexion Hannovers und am 1. Oktober 1866 trat die preußische Verfassung in Kraft. Nach dem Tod Georgs V., am 12. Juni 1878, hielt sein Sohn Ernst August, Herzog von Cumberland, die Thronansprüche auf Hannover aufrecht.

Quelle: Königreich Preußen Provinz Hannover [deutsche-schutzgebiete.de]

KW
KW
26. Okt. 2020 10:42
Antwort an  Sailor

Interessant. Was Preußen 1866 dem Königreich Hannover antat, die Annexion und das Weiterverschenken des Privatvermögens an 3., in diesem Falle Bayern, erinnert mich teuflisch an die Handhabe der Alliierten gegenüber dem deutschen Reich nach WK I und II.

Sailor
Sailor
26. Okt. 2020 20:54
Antwort an  KW

Werte KW,

schon interessant, aber auch ziemlich „heftig“, ich stimme überein. 🙂 Ich denke, dies geschah aus strategischen Gründen …:

Bismarck vereitelte 1863 im Deutschen Bund den großdeutschen Bundesreformplan Österreichs. 1864 setzte er den gemeinschaftlichen Krieg Preußens und Österreichs gegen Dänemark (Deutsch-Dänischer Krieg) durch, der den Gewinn Schleswig-Holsteins, aber auch neuen Streit mit Österreich zur Folge hatte.

Im Konflikt zwischen dem Königreich Preußen mit dem Deutschen Bund stimmte das Königreich Hannover unter Georg V. in der Bundestagssitzung vom 14. Juni 1866 für den österreichischen Mobilmachungsantrag (Deutscher Krieg). Auf das nun folgende preußische Ultimatum vom 15. Juni reagierte man in Hannover mit Ablehnung.

Und so verlief es weiter, nun etwas abseits von der eigentlichen Frage 261 … Auszüge:

1865 wurde Bismarck in den erblichen Grafenstand erhoben. Der Deutsche Krieg von 1866 bewirkte das Ausscheiden Österreichs aus Deutschland und die Gründung des Norddeutschen Bundes, dessen Bundeskanzler Bismarck 1867 wurde.

Nachdem es Bismarck gelungen war, die französischen Interventions- und Kompensationsgelüste jahrelang zurückzuweisen, brachte der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 dem deutschen Volk die politische Einheit unter dem erblichen Kaisertum der Hohenzollern. 1871 wurde Bismarck, inzwischen in den erblichen Fürstenstand erhoben, gleichzeitig Reichskanzler des Deutschen Reichs.

Erwähnenswert auch:

Sein scharfes Vorgehen gegen die Sozialdemokratie (Sozialistengesetz 1878) und ein erbitterter Kampf mit diesen.< Quelle: Otto von Bismarck [deutsche-schutzgebiete.de]

Destin Faroda
Destin Faroda
25. Okt. 2020 21:20

280. Warum lehnte Friedrich Wilhelm IV. den Titel “Kaiser der Deutschen“ ab?

Die Annahme einer Kaiserkrone aus den Händen des Volkes hätte die anderen deutschen Herrscher brüskiert, insbesondere Österreich. Friedrich Wilhelm IV. hegte noch die Hoffnung, dass das Heilige Römische Reich Deutscher Nation wiederauferstehen könnte und dazu gehörte seiner Ansicht nach die österreichischen Lande. Zudem war der preußische König ein Anhänger des Monarchischen Legitimationsprinzips. Er wollte von Fürsten und Freien Städten gewählt werden. Eine Wahl durch Volksvertreter war in seinen Augen eine wünschenswerte Ergänzung, mehr aber auch nicht.

Die Kaiserdeputation der Frankfurter Nationalversammlung, die dem preußischen König die Kaiserkrone anbieten wollten, durften das Berliner Stadtschloss nur durch den Lieferanteneingang betreten. Der König verlas eine vom Ministerpräsidenten Brandenburg verfasste Rede, die eine bedingte Annahme der Kaiserkrone enthielt, dies aber so kompliziert formulierte, dass die Deputation von einer Ablehnung ausging. In einem Brief an König Ernst August I. von Hannover bezeichnete der preußische König die Kaiserkrone der Nationalversammlung als „Hundehalsband“.

Quelle: Friedrich Wilhelm IV. – Die Revolution von 1848/1849 [de.wikipedia.org]

Korih im Wald
Korih im Wald
28. Okt. 2020 21:55
Antwort an  Destin Faroda

Ergänzung zu 280:

Bezüglich des monarchischen Legitimationsprinzips möchte ich gerne näher darauf hinweisen, dass hier auch das Gottesgnadentum eine große Rolle spielte! Der Herrscher sah sich hierbei als Mittler zwischen Gott und dem Volk – und war dementsprechend natürlich weder kritisierbar noch legitim durch Volkes Wille absetzbar.

Gottesgnadentum [de.wikipedia.org]

Zuletzt bearbeitet vor 1 Monat von Korih im Wald
Korih im Wald
Korih im Wald
29. Okt. 2020 19:53
Antwort an  Korih im Wald

Weitere Ergänzung zu Punkt 280:

Irgendwie hatte ich gestern schon das Gefühl, dass noch etwas Wichtiges bei meiner Ergänzung bezüglich des Gottesgnadentums fehlen würde. Und jetzt wird mir gerade auch klar, warum mir die Erwähnung dieses Aspektes wirklich in der Tiefe so wichtig war:

Weil das ganze Geschichtswissen nichts nutzt, wenn man aus der Geschichte nichts lernt. Daher stellt sich natürlich auch für heute die Frage:

Wem hat unser Schöpfer/die Schöpferkraft eigentlich die Gnade erwiesen, über unser Leben – im Rahmen natürlicher/göttlicher Gesetze – bestimmen zu dürfen? Und welche Voraussetzungen muss jemand erfüllen, dem wir uns hier im Weltlichen freiwillig unterordnen wollen?

Diese Frage muss wohl letztlich jeder für sich selbst beantworten. Für mich würde ich diese Frage jetzt ganz spontan und ohne wirklich schon tiefgründig darüber in mich gegangen zu sein, wohl ungefähr so beantworten:

1. Mein Recht, zu leben und mein Leben entsprechend meinem Seelenplan/meiner Bestimmung entfalten zu dürfen, habe ich wie jeder Mensch vom Schöpfer höchstselbst.

2. Im gesellschaftlichen Umgang miteinander sollte der Idealfall angestrebt werden, nach dem kategorischen Imperativ Kants zu leben (vereinfacht ausgedrückt: „Was Du nicht willst, das man Dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu.“).

3. Eine (Staats-)Führung, der wir uns unterordnen, sollte aus meiner Sicht die Voraussetzung erfüllen, sich in erster Linie der Einhaltung der natürlichen/göttlichen Gesetze verpflichtet zu fühlen und sich selber (ähnlich wie Friedrich II.) als ersten Diener im Staate zu sehen.

Die Ausrichtung aller Entscheidungen und Handlungen auf das Gemeinwohl in voller Achtung des oben erwähnten göttlichen Rechts, das jeder einzelne Mensch als Individuum in sich trägt, ergibt sich daraus ebenso, wie die Achtung aller anderen Völker und ein sorgsamer, verantwortungsvoller Umgang mit der gesamten Schöpfung (Tiere, Pflanzen, Ressourcen, usw.) sowie mit allem zur Verfügung stehendem Wissen.

Dies hat natürlich enorme Konsequenzen – und ist in unserer jetzigen Situation in keinem einzigen der aufgeführten Punkte erfüllt, wie mir gerade auffällt.

Zuletzt bearbeitet vor 1 Monat von Korih im Wald
Destin Faroda
Destin Faroda
25. Okt. 2020 21:28

275. Warum sind die ersten beiden Strophen des Liedtextes in der BRiD „verboten“?

Die erste Strophe beinhaltet Gebietsansprüche, die diejenigen, die jetzt auf diesem Gebiet hausen, provozieren könnten.

Die zweite Strophe beinhaltet die Zeilen „Sollen in der Welt behalten Ihren alten schönen Klang“. Diese Worte könnte man eventuell als Rückbesinnung auf alte Werte auffassen, woran die „Okkupationsverwaltung“ BRiD (Originalton Fjodorow, russischer Staatsrat) natürlich kein Interesse hat.

Lena
Lena
29. Okt. 2020 11:51
Antwort an  Destin Faroda

Werter Destin Faroda!

Nicht „verboten“ … eher „verpönt“ und weil (((jene))) wahnsinnige Angst vor unseren Werten haben. Ihre Angst ist nicht unbegründet.

Wir mit Gott!
Lena

Destin Faroda
Destin Faroda
25. Okt. 2020 22:44

263. Welche Rolle spielte Graf von Metternich beim “Gleichgewicht der Kräfte“?

„Gleichgewicht der Kräfte“ beschreibt einen Zustand zwischen souveränen Ländern, in dem sich kleinere Länder durch Bündnisse mit anderen gegen größere Mächte verteidigen können. Theoretisch sollte dies konstante Kriege verhinden.

Klemens Wenzel Lothar von Metternich war ein österreichischer Staatsmann, Diplomat und Politiker. Auf dem Wiener Kongress (September 1814 – Juni 1815), welcher zwecks Neordnung Europas nach den napoléonischen Kriegen veranstaltet wurde, erwies er sich als dominierende Person. Er lehnte eine Schwächung Frankreichs ab, welches er als Gegengewicht zu Russland betrachtete. Somit wurde Frankreich zu einem Partner der Neuordnung.

Desweiteren plante Metternich einen deutschen und einen italienischen Staatenbund unter Führung Österreichs. Von der Installation eines deutschen Erbkaisertums musst er absehen, da dies Preußen erzürnt hätte. Einen Verfassungsentwurf für Deutschland, vorgelegt von den preußischen Politiker von Freiherr Karl von und zum Stein und Wilhelm von Humboldt für Deutschland strich Metternich zusammen. Seiner Meinung nach war der deutsche Bund nur als lockerer Rahmen geplant, der später erweitert werden könne.

Grenzstreitigkeiten zwischen Russland, Preußen, Sachsen und Polen sorgten für Spannungen. Nach Vermittlung des englischen Abgesandten Castlereaghs löste der Kongress dieses Problem durch die Schaffung Kongresspolens, die Teilung Sachsens und der Westverschiebung Preußens.

Die Schaffung eines italienischen Staatenbundes scheiterte, aber Österreich sicherte sich die Vorherrschaft über Italien. In Deutschland hingegen glückte die Gründung des Deutschen Bundes mit Österreich als Präsidialmacht. Die Bundesakte entsprach dem Wunsch Metternichs nach einem provisorischen Grundgerüst.

Als Napoléon endgültig besiegt worden war, erneuerten Metternich und Castlereagh die Quadrupelallianz zwischen Österreich, Russland, Preußen und Großbritannien.

Der Wiener Kongress vermochte es letztlich nicht, die vorrevolutionäre Ordnung wiederherzustellen, aber es gelang Metternich, die republikanischen und liberalen Tendenzen zurückzudrängen und für ein Gleichgewicht der Mächte in Europa zu sorgen. Auch innenpolitisch war Metternich stramm Konservativ und darauf bedacht, die bestehende Ordnung eisern zu verteidigen.

Quellen:
Klemens Wenzel Lothar von Metternich – Wiener Kongress [de.wikipedia.de]
Deutscher Bund [de.wikipedia.de]
Wiener Kongress [de.wikipedia.de]

Destin Faroda
Destin Faroda
25. Okt. 2020 23:16

264. Was war die Ursache für den Deutschen Dualismus?

Ursprünglich war Österreich die dominante Macht in Deutschland. Jahrundertelang stellten sie immer wieder Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und pflegten gute Beziehungen zu den katholischen, süddeutschen Reichen. Allerdings erlitt Österreich durch Zulassung der Annektion Elsass-Lothringens durch Frankreich einen Prestigeverlust.

Das protestantische Preußen hingegen gewann im Laufe der Jahrhunderte an Macht dazu und verstand sich gut mit den norddeutschen Ländern. Im Gegensatz zu Österreich vertrat Preußen rein deutsche Interessen, während Österreich auch Interessen hinsichtlich Italien und den Balkan berücksichtigen musste. Auch vergangene Konflikte, wie der Streit um Schlesien zwischen Friedrich II. und Kaiser Maria Theresia trugen nicht zur Freundschaft zwischen den beiden Reichen bei.

Als 1815 der Deutsche Bund ins Leben gerufen wurde, waren Preußen und Österreich die beiden größten Mächte, welche um die Vormachtstellung auf deutschem Boden rangen. Während der 48er-Revolution und in der Herbstkrise 1850 diskutierten die Rebellen darüber, ob Österreich überhaupt zu einem geeinigten Deutschland dazugehören sollte. Preußen begrüßte eine kleindeutsche Lösung, Österreich die großdeutsche.

Während der Herbstkrise 1850 setzte sich Österreich durch, aber Preußen gewann an Wohlstand und Stärke. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864, in welchem der Deutsche Bund die beiden deutschen Herzogtümer Schleswig und Holstein Dänemark entriss, besetzte Preußen das von Österreich verwaltete Holstein. Dies führte zu einem Konflikt mit Österreich, welcher 1866 in der Schlacht von Königgrätz mündete. Dank der neuen Zündnadelgewehre (Hinterlader) und Moltkes Plan konnten die Preußen den Sieg erringen.

Auf preußischer Seite kämpften vor allem die norddeutschen Länder im Bunde mit Italien, auf österreichischer die süddeutschen Staaten. Dies führte zu einer Abspaltung der norddeutschen Länder unter Führung Preußens, welche den Norddeutschen Bund formten. Der Deutsche Bund wurde aufgelöst.

Mit dem Prager Frieden wurde die preußische Vorherrschaft über Deutschland zementiert. Dies beendete den Deutschen Dualismus. Mit dem Verzicht auf eine Demütigung oder Dezimierung Österreichs, welche der damalige preußische Ministerpräsident Bismarck forcierte, gewann Preußen in Österreich sogar einen treuen Bündnispartner.

Quelle: Deutscher Dualismus [de.wikipedia.de]

mimi c.
mimi c.
26. Okt. 2020 12:54

265. Welche Rolle spielte der Code Civil nach dem Wiener Kongress des Jahres 1815?

Nach der Niederlage Napoléons galt der Code in vielen deutschen Gebieten (insbesondere am linken Rheinufer) zunächst fort. In Preußen wurde das ALR [preußisches Allgemeines Landrecht] lediglich in den rechtsrheinischen altpreußischen Gebieten zum 1. Januar 1815 wieder eingeführt (nicht jedoch im linksrheinischen altpreußischen Teil des Herzogtums Kleve und in der altpreußischen Grafschaft Moers). Aufgrund der Empfehlung einer sog. Rheinischen Immediat-Justiz-Kommission verordnete 1818 Friedrich Wilhelm III., dass die in den Rheinprovinzen bestehende Gesetzgebung im Wesentlichen beibehalten werden sollte.

Während des 19. Jahrhunderts galt der Code in Deutschland als sogenanntes „Rheinisches Recht“ daher weiter, insbesondere: im linksrheinischen und bergischen preußischen Rheinland, ab 1850 fünfter („Rheinischer“) Zivilsenat, in der Pfalz, in Rheinhessen, ab 1816 Obergericht Mainz, ab 1818 Kassationsgerichtshof Darmstadt, ab 1832 Ober-Appellations- und Kassationsgericht Darmstadt, ab 1879 Oberlandesgericht Darmstadt), in hessen-homburgischen Oberamt Meisenheim (Ober-Appellations- und Kassationsgericht Darmstadt, ab 1866 preußisches Ober-Appellationsgericht Kassel, im sachsen-coburg-saalfeldischen bzw. ab 1826 sachsen-coburg und gothaschen Fürstentum Lichtenberg (Appellationsgericht Gotha, ab 1834 preußisch)
als „Badisches Landrecht“ in Baden (Badisches Oberhofgericht Mannheim, später in Karlsruhe).

Als 1843 eine preußische Strafrechtsreform anstand, vereinigten sich Bürger der Rheinprovinz im Köln-Düsseldorfer Verbrüderungsfest und demonstrierten ihr Interesse an der Beibehaltung des Rheinischen Rechts. Ab 1871 kam als Geltungsgebiet das Reichsland Elsass-Lothringen (Obergericht Colmar) hinzu. Nach 1871 gehörte etwa ein Sechstel des Reichsgebiets zum Anwendungsbereich des „rheinischen Rechts“. Beim Reichsgericht in Leipzig galt ab 1879 der zweite Zivilsenat als „Rheinischer Senat“.

Code Civil [de.wikipedia.org]

Claus
Claus
26. Okt. 2020 16:49

268. Welche Herkunft hat “Schwarz-Rot-Gold“ und welche Rolle spielten diese Farben ursprünglich?

Das scheint ein weites Feld zu sein. Ich versuche es dennoch.

„In Zusammenhang mit der Idee eines deutschen Nationalstaates traten die drei Farben erstmals während der Befreiungskriege (1813–1815) gegen Napoléon I. in Erscheinung. Sie entstammen den Farben der Uniformen des Lützowschen Freikorps, einer Freiwilligeneinheit des preußischen Heeres unter Führung von Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow. Die Truppe trug schwarze Uniformen mit roten Vorstößen und goldfarbenen Messingknöpfen. Für diese Farbwahl führen Historiker ganz pragmatische Gründe an: Die Angehörigen des Freikorps, darunter viele Studenten und Akademiker, waren sogenannte Selbstversorger, d. h., sie empfingen keinen Sold und rüsteten sich selbst aus. Sie waren deshalb darauf angewiesen, mitgebrachte Bekleidung zur Uniform umzufärben, und das war mit Schwarz als Grundfarbe am leichtesten. Goldfarbene Messingknöpfe waren weit verbreitet und leicht erhältlich. Rot war die Abzeichenfarbe für Aufschläge und Vorstöße.“

Schwarz-Rot-Gold [de.wikipedia.org]

Erenion
Erenion
14. Nov. 2020 20:35
Antwort an  Claus

Hier noch eine Ergänzung zu diesem Thema:

Im Flaggenlexikon [flaggenlexikon.de] finden sich noch folgende Hinweise:

Die Farbkombination Schwarz, Rot und Gold geht weit in die Geschichte des Deutschen Reiches zurück. Das Wappen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zeigte einen schwarzen Adler auf goldenem Grund, dessen Fänge und Schnabel ab dem 13./14. Jahrhundert rot eingefärbt wurden. Ältestes Zeugnis dafür ist die um 1300 geschaffene „Heidelberger Liederhandschrift Manesse“.³

Bereits im Jahre 1184, auf dem Hoftag zu Mainz, sollen die Farben Schwarz, Rot und Gold als die „Deutschen Farben“ bezeichnet worden sein.³

Als der Staufer Friedrich I. „Barbarossa“ im Jahre 1152 in Frankfurt zum Deutschen König gekrönt wurde, soll der Weg zum Ort der Krönung auf Wunsch der Staufer mit einem eigens dafür angefertigten Teppich in Schwarz, Rot und Gold ausgelegt worden sein. Nach der Krönung soll der Teppich in kleine Teile zerschnitten und als Andenken im Volk verteilt worden sein.³

Im Jahre 1212 krönte Erzbischof Siegfried III. von Epstein im Dom zu Mainz den Staufer Friedrich II. zum Deutschen König. Dabei trug Friedrich einen Krönungsmantel in den Farben Rot, Schwarz und Gold. Dieser Mantel wurde für die meisten Krönungen der Deutschen Könige und Kaiser bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (1806) verwendet.³

Im Deutschen Bauernkrieg, einer antifeudalen Erhebung in den Jahren 1524/1525, versammelte sich in der Landgrafschaft Stühlingen im Schwarzwald eine Schaar von 800 Bauern zum Kampf unter eine Fahne in den Farben Schwarz, Rot und Gold.³

Ich kenne außerdem noch eine andere Möglichkeit. Danach soll Schwarz für Preußen stehen, Rot für die Hanse und Gold für Österreich.

Heil und Segen,
Erenion

Claus
Claus
26. Okt. 2020 16:54

282. Wer oder was waren die “Forty Eighters“?

„Mit dem Begriff Forty-Eighters (engl. für ‚Achtundvierziger‘) werden in den USA und in Australien die Einwanderer bezeichnet, die sich infolge der Niederschlagung der bürgerlich-demokratischen Europäischen Revolutionen von 1848/49 – insbesondere der Märzrevolution in den Staaten des Deutschen Bundes – gezwungen sahen, aus Europa zu fliehen, und die in der „Neuen Welt“ Aufnahme fanden. Ihr Exil wurde vielfach auf Dauer mit einer geänderten Staatsbürgerschaft zu einer neuen Heimat.

Die Vereinigten Staaten von Amerika und Australien waren zwei der Länder, in denen es damals noch keine Einwanderungsbeschränkungen gab. Die meisten Flüchtlinge, die nach 1848 den europäischen Kontinent verließen, wanderten in die USA aus. Ein oft beschworenes Motto der Auswanderer war: Ubi libertas, ibi patria‚ Wo die Freiheit ist, dort ist mein Vaterland‘.“

Forty Eighters [de.wikipedia.org]

Siegfried Hermann
Siegfried Hermann
26. Okt. 2020 18:15

265. Welche Rolle spielte der Code Civil nach dem Wiener Kongress des Jahres 1815?

Das ist wohl die wichtigste Neuerung und nachhaltigste Aktion von Napoléon und hat mehr bewirkt, als alle seine Kriege zusammen!

Der Code Napoléon wurde überall in den französisch besetzten Gebieten und Kolonien in der Verwaltung durchgesetzt und betrifft das Zivilrecht für Bürger. Wichtigster Bestandteil war, gemäß der Französischen Revolution, das „alle“ vor dem Recht/Gericht gleich sind und faktisch Adel und Kirche auf die Stufe von Bürgern stellte und damit abgeschafft war. Der Code Civil war Vorläufer unseres BGBs und vor allem in vielen frankophonen Ländern Grundlage deren Zivilrechts. Ohne den Code Civil wäre eine bürgerlich-industrielle Revolution, wie sie nach 1815 einsetze, nicht möglich gewesen.

Weiteres auf wiki.

Destin Faroda
Destin Faroda
26. Okt. 2020 19:01

278. Wie und von wem wurden die Revolutionen bezahlt?

Schwierig. Die altbekannten Finanziers halten sich ja gerne bedeckt und bevorzugen es, ihr Puppen spielen zu lassen. Wenn ich mir die Parlamentarier so ansehe, dann begegnen mir etliche Adlige, Juristen und Freimaurer.

Hier mal ein paar bedeutende Namen:

Carl Joseph Anton Mittermaier (Jurist), Johann Adam von Itzstein (Jurist, Fallersleben widmete ihm das „Itzstein-Lied“), Friedrich Christoph Dahlmann (Historiker), Sylvester Jordan (Jurist und Freimaurer), Robert Blum (Publizist, kurzzeitig Freimaurer, mit Todt befreundet), Carl Gotthelf Todt (Jurist und Freimaurer), Karl Braun (Jurist), Friedrich Hecker (Jurist, Forty-Eighter),
Gustav Struve (Jurist, Forty-Eighter, früher Vegetarier)

Mehr fällt mir momentan nicht dazu ein.

Destin Faroda
Destin Faroda
26. Okt. 2020 19:20

282. Wer oder was waren die “Forty Eighters“?

Forty-Eighters nannte man in den USA die deutschen Einwanderer, die vor Repressionen aus Deutschland infolge ihrer Beteiligung an den Märzrevolutionen flohen. Die USA waren das beliebteste Auswanderungsland, gefolgt von Australien, die beide keine Einwanderungsbeschränkungen kannten. Motto der Auswanderer: Ubi libertas, ibi patria = Wo die Freiheit ist, dort ist mein Vaterland

USA: Viele Forty-Eighters setzten ihre politische Tätigkeit in den USA fort, indem sie für die Abschaffung der Sklaverei eintraten und daher den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Abraham Lincoln unterstützten. Auch im Amerikanischen Bürgerkrieg waren die Forty-Eighters aktiv. Die meisten schlossen sich den Unionstruppen an, es gab aber auch einige, die für den Süden zur Waffe griffen.

Australien: Forty-Eighters in Australien konzentrierten sich vor allem auf den Weinbau und die Gründung lutherischer Kirchen.

Quelle: Forty Eighters [de.wikipedia.org]

Destin Faroda
Destin Faroda
2. Nov. 2020 22:02
Antwort an  Destin Faroda

Serienempfehlung:

Lenz oder die Freiheit [moviepilot.de]

Der fiktive Dichter Andreas Lenz schließt sich der badischen Revolution an und flieht nach der Niederlage der Aufständischen in die USA.

kph
kph
26. Okt. 2020 20:40

Werter Magnus und werter Nachtwächter,

danke für Eure umfangreiche Arbeit. Diesen Teil 7 habt Ihr trotz vieler anderen Anstregungen, welche Ihr Euch auferlegt habt (u.a.Telegram), doch ins Ziel gebracht. Da will ich doch gleich zum Thema kommen …:

281. Woran scheiterten die revolutionistischen Bestrebungen?

Die Verfassung des deutschen Reiches vom 28. März 1849 war die Verfassung für einen deutschen Bundesstaat. Erarbeitet wurde sie von der Frankfurter Nationalversammlung für das in der Zeit der Revolution von 1848/1849 entstehende Deutsche Reich. 28 deutsche Regierungen folgten in der Note der Achtundzwanzig dieser Auffassung.

Allerdings erkannten die größten deutschen Staaten die Verfassung nicht an. Stattdessen bekämpften sie die Verfassung und die Nationalversammlung aktiv. Ihrer Meinung nach musste eine deutsche Verfassung mit ihnen vereinbart werden (Verfassungsvereinbarung). Außerdem fanden viele konservative Regierungen die Frankfurter Reichsverfassung zu liberal. Im Hintergrund spielte auch der Machtkampf zwischen Preußen und Österreich mit: Gerade die süddeutschen Königreiche bevorzugten einen Staatenbund unter Einschluss von Österreich.

Die Reichsverfassung sah ein politisches System im Sinne der konstitutionellen Monarchie vor: Ein erblicher Kaiser, der selbst „unverletzlich“ war, ernannte verantwortliche Reichsminister. Außerdem konnte der Kaiser Gesetze aufschieben. Das hauptsächliche Gesetzgebungsorgan, der Reichstag, hatte zwei Kammern. Davon sollte das Volkshaus nach allgemeinem Wahlrecht gewählt werden (Frankfurter Reichswahlgesetz), die Mitglieder des Staatenhauses sollten zur Hälfte von den Landesregierungen und zur Hälfte von den Landesparlamenten eingesetzt werden. Die Grundrechte des deutschen Volkes waren von den Bürgern vor einem Reichsgericht einklagbar.

Die FRV war die erste gesamtdeutsche und demokratische Verfassung Deutschlands. Die Erfurter Unionsverfassung von 1849/50 stellte weitgehend eine Kopie dar, die allerdings konservativer und föderalistischer war. Damit sollte sie für die Mittelstaaten annehmbarer werden. Auch diese Verfassung wurde schließlich von den großen Staaten nicht angenommen.

Paulskirchenverfassung [de.wikipedia.org]

Heil und Segen
kph

kph
kph
27. Okt. 2020 13:27

281. Woran scheiterten die revolutionistischen Bestrebungen?

Nach der Ablehnung der von der Kaiserdeputation der Nationalversammlung angebotenen Kaiserkrone durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. und der zögerlichen Annahme der Reichsverfassung durch die Staaten des Deutschen Bundes war die Arbeit der Frankfurter Nationalversammlung praktisch gescheitert. Die größeren Monarchien wie Preußen, Österreich, Bayern und Sachsen, aber auch das Königreich Hannover beriefen ihre Abgeordneten widerrechtlich ab. Viele gemäßigt liberale Abgeordnete, die hinter dem Konzept einer konstitutionellen Monarchie gestanden hatten, legten ihr Mandat auch wegen der gewaltsamen Aufstände nieder. Am 26. Mai musste die Nationalversammlung aufgrund der dauerhaft geringen Präsenz ihre Beschlussfähigkeitsgrenze auf 100 Abgeordnete absenken. In der Paulskirche in Frankfurt verblieben im Laufe des Mai 1849 großteils linke und dazu einige konservative Abgeordnete. Dies wiederum führte dazu, dass die Stadt Frankfurt auf preußischen Druck die Ausweisung der restlichen Abgeordneten aus der Stadt vorbereitete.

In Stuttgart tagten die 154 verbliebenen Abgeordneten der württembergischen Ständekammer. Zum neuen Präsidenten des Parlaments wurde Wilhelm Loewe (Calbe) gewählt, da der bisherige Präsident Theodor Reh sein Abgeordnetenmandat niedergelegt hatte. Da Reichsverweser Erzherzog Johann das Stuttgarter Rumpfparlament nicht anerkannte, wurden die gesamte Provisorische Zentralgewalt von den Abgeordneten für abgesetzt erklärt. Stattdessen proklamierte das Rumpfparlament eine provisorische Reichsregentschaft.

Wichtigster Ausschuss war der nach der Anzahl der Delegierten benannte Fünfzehnerausschuss, der den Ausschuss zur Durchsetzung der Reichsverfassung ersetzte. Der neue Tagungsort und die Reichsregentschaft konnten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Rumpfparlament nicht nur ohne reale Macht war, sondern auch die tatsächliche Legitimation sowie die Verankerung mit dem politischen Geschehen in Deutschland kaum mehr vorhanden war.

Angesichts der revolutionären Unruhen im Rahmen der Reichsverfassungskampagne mit den nahen Brandherden in Baden und der Pfalz bereute die württembergische Regierung die nicht mit ihr abgestimmte Einladung an das Parlament schon nach wenigen Tagen, insbesondere da sich das Rumpfparlament und die Reichsregentschaft immer mehr radikalisierten und zur Steuerverweigerung sowie zum militärischen Widerstand gegen die Nichtanerkennung der Verfassung durch die Bildung eines Reichsheeres aufriefen.

Gleichzeitig fürchtete die württembergische Regierung ein Eingreifen der nach Baden vorrückenden preußischen Truppen aufgrund der Anwesenheit des Rumpfparlaments in Stuttgart.

Römer legte sein Abgeordnetenmandat bereits in der ersten Sitzung nieder, nachdem die neue provisorische Reichsregentschaft dem eigenen Verständnis als Reichsregierung folgend, aber ohne politischen Realitätssinn, die Hoheit über alle Bundesstaaten des Deutschen Bundes beansprucht hatte und so auch die württembergische Autonomie beeinträchtigte. Bereits nach der Sitzung vom 8. Juni musste das Parlament die Ständekammer verlassen und sich einen provisorischen Tagungsort suchen.

Am 17. Juni teilte Römer dem Parlamentspräsidenten abends mit, „dass die württembergische Regierung sich in der Lage befindet, das Tagen der hierher übersiedelten Nationalversammlung und das Schalten der von ihr am 6. dieses Monats gewählten Reichsregentschaft in Stuttgart und Württemberg nicht mehr länger dulden zu können.“ Am 18. Juni besetzte württembergisches Militär vor Sitzungsbeginn den Tagungsort, das Fritz’sche Reithaus. Der von den noch 99 in Stuttgart befindlichen Abgeordneten daraufhin improvisierte Demonstrationszug in Richtung des Sitzungssaales wurde durch das Militär schnell und ohne Blutvergießen aufgelöst, die nicht-württembergischen Abgeordneten wurden des Landes verwiesen.

Die Reichsregentschaft um Raveaux floh über Freiburg im Breisgau nach Baden-Baden, wo sie am 22. Juni eintraf, um sich anschließend mit einigen Abgeordneten nach Karlsruhe an den Sitz der badischen Revolutionsregierung zu begeben und die Nationalversammlung dort weiterzuführen. Bereits am Tag zuvor hatten die badischen Revolutionäre im Gefecht bei Waghäusel jedoch eine entscheidende Niederlage zu verzeichnen und befanden sich im teilweise ungeordneten Rückzug, insbesondere, da eine zweite preußische Armee bei Germersheim den Rhein überschritten hatte. Daraufhin wandte sich die Reichsregentschaft wieder nach Freiburg, wo sie ab dem 24. Juni ihren Sitz nahm. Am 30. Juni floh sie vor den heranrückenden Truppen in die Schweiz.

Rumpfparlament (Deutschland) [de.wikipedia.org]

Heil und Segen
kph

Destin Faroda
Destin Faroda
27. Okt. 2020 14:11

277. Von welchem Gedankengut wurden die bürgerlichen Revolutionen angetrieben?

Die bürgerlichen Revolutionen entstanden als Antwort auf die Restaurationsbestrebungen der Heiligen Allianz. Generell forderten die Revolutionäre mehr Freiheiten, Rechte und Teilhabe an der Politik. Auch die Einigung Deutschlands spielte eine wichtige Rolle im Zuge der Aufstände.

Zu den Revolutionären zählten nicht nur liberale und freiheitlich-demokratische Kreise, sondern auch Frühsozialisten und Anarchisten. Letztere wirkten eher außerparlamentarisch. Es gab auch Aufständische, die der Fremdherrschaft entkommen wollten. So wünschten sich z.B. Bevölkerungsteile in Ungarn, Galizien und Oberitalien den Abzug der Habsburger, und die polnischen Bürger in der preußischen Provinz Posen die Angliederung ihrer Provinz an Polen.

Aufgrund der Vielzahl der Bewegungen gab naturgemäß abweichende bzw. sogar stark entgegengesetzte Meinungen zu Themen wie Politik, Bürgerrechte, Soziales, Wirtschaft, Nation etc. England, Russland, Spanien, die Niederlande und Belgien blieben von den Aufständen so gut wie verschont.

Quelle: Deutsche Revolution 1848/1849 [de.wikipedia.org]

Destin Faroda
Destin Faroda
27. Okt. 2020 14:45

266. Was war die Ursache für das Aufkommen der Burschenschaften?

An den napoléonischen Befreiungskriegen hatten auch viele Studenten als Kriegsfreiwillige teilgenommen, so z.B. im berühmten Lützower Freikorps. Nach dem Sieg über Napoléon und im Zuge der reaktionären Bestrebungen Metternichs schlossen sich viele Studenten zu Burschenschaften zusammen, um dagegen vorzugehen. Die Studenten hatten ihr Leben für die Befreiung ihrer Länder aufs Spiel gesetzt und waren nun nicht bereit, auf Freiheiten zu verzichten.

Nicht nur pflegten diese Burschenschaften nationales, christliches und freiheitliches Gedankengut, sondern sie stellten auch konkrete politische Forderungen, wie z.B. die Beendigung der deutschen Kleinstaaterei sowie die Einführung einer konstitutionellen Monarchie.

Quelle: Burschenschaft [de.wikipedia.org]

Destin Faroda
Destin Faroda
27. Okt. 2020 15:45

269. Welcher Unterschied findet sich zwischen der Urburschenschaft und der neu entstandenen Burschenschaft des Jahres 1827?

Die Urburschenschaft trat den Versuch an, die landsmannschaftlichen Zusammenschlüsse an den Universitäten abzuschaffen und diese in einer „Allgemeinen Burschenschaft“ zusammenzuführen. Landsmannschaften fassten an einer Universität die Studenten gleicher regionaler Herkunft zusammen und spiegelten den deutschen Flickenteppich wider. Schikanen gegenüber Jüngeren und Duelle standen an der Tagesordnung.

Die neue Burschenschaft hingegen sollte alle deutschen Studenten ansprechen, das studentische Zusammenleben regulieren und strenge Mensurregeln aufstellen. Sie trat 1817 auf dem Wartburgfest erstmals öffentlich auf. Zu den Verfechtern dieser Idee zählten Friedrich Ludwig Jahn, Ernst Moritz Arndt, Johann Gottlieb Fichte, Jakob Friedrich Fries und Heinrich Luden. Motto: Freiheit, Ehre, Vaterland.

Anfangs unterstützten die Universitäten die als Reformbewegung wahrgenommene Burschenschaft. Diese strebte nach der Einigung Deutschlands und demokratischen Reformen. Im Jahre 1819 jedoch ermordete der Theologiestudent Karl Ludwig Sand den angeblichen russischen Agenten August von Kotzebue. Dieses gab Metternich den willkommenen Anlass, die Burschenschaften mittels der Karlsbader Beschlüsse zu verbieten.

1822 zerfiel die Allgemeine Deutsche Burschenschaft aufgrund der konstanten Verfolgung durch die Obrigkeit. 1827, auf dem Bamberger Burschentag, spaltete sich die burschenschaftliche Bewegung in einen radikal-republikanischen nationalen Teil (Germania) und in einen freidenkerisch-liberalen Teil (Arminia). Germania betrieb politischen Aktivismus (z.B. den Frankfurter Wachensturm), während sich Arminia auf eine Verinnerlichung des burschenschaftlichen Lebens beschränkte. 1829 wurden die arminischen Burschenschaften aus dem Dachverband ausgeschlossen.

Urburschenschaft [de.wikipedia.org]
Burschenschaft [de.wikipedia.org]
Burschentag [de.wikipedia.org]

kph
kph
28. Okt. 2020 17:41

267. Was waren die erklärten Motive und Ziele der Studentenbewegungen?

(Bursche war die zeitgenössische Bezeichnung für Student) Die Aufgaben sollten in der Stärkung des deutschen Sinnes, der moralischen Verbesserung und Vorbereitung der deutschen Befreiung und Einigung liegen. Die Ideen fanden starken Anklang an den deutschen Universitäten. Als in Preußen zur Zeit der Befreiungskriege die Bildung von Freiwilligenverbänden zugelassen wurde, traten viele Studenten – viele waren später Gründungsmitglieder der Urburschenschaft – in das Lützowsche Freikorps ein, wo sie mit den Gedanken der Jahn-Friesenschen Burschenordnung in Kontakt kamen. Nach der siegreichen Rückkehr aus Frankreich kam es 1814 mit der Gründung einer „Wehrschaft“ in Jena, der „Teutonia“ in Halle (die bereits stark burschenschaftlich geprägt war und den Wahlspruch „Freiheit, Ehre, Vaterland!“ hatte) und in Gießen („Gießener Schwarze“ oder „Unbedingte“) zu den ersten burschenschaftlichen Vereinigungen.

Urburschenschaft [de.wikipedia.org]

Sailor
Sailor
28. Okt. 2020 19:01

Zu 281: Danke für die „Vorarbeit“, werter kph, und ein weiterer Vorschlag: 🙂

Möglicherweise entstanden einige Unstimmigkeiten im Rahmen des Erbrechts …

Erbrecht – Nach römischem Recht war es möglich, im Rahmen einer Stiftung, genannt Familienfideikommiss, einen Teil seines Vermögens der römisch-rechtlichen Eigentumsordnung zu entziehen. So entstanden neben den Stammgütern die Familienfideikommisse (Stiftungen).

Gem. preußischem Edikt vom 9. Oktober 1807 wurde die Auflösung eines Familienfideikommisses durch Familienbeschluss zugelassen. Somit konnte die Familie eines Erblassers dessen Anordnungen bezüglich seiner gewünschten Stiftung wieder rückgängig machen.

In den durch Napoléon I. besetzten deutschen Landesteilen wurde das Familienfideikommiss gänzlich abgeschafft oder sehr stark eingeschränkt. Seit dem Wiener Kongress waren aber Familienfideikommisse wieder zugelassen worden.

Auszug:

Bereits die Paulskirchenverfassung von 1848 forderte die Auflösung der Familienfideikommisse. Mit Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches zum 1. Januar 1900 wurde die bürgerliche Rechtseinheit in den deutschen Gebieten, die das Kaiserreich umfasste, eingeführt. Nach Art. 59 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch blieben das Recht der Bundesstaaten über die Familienfideikommisse unberührt. Seit Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfassung setzte man sich die Abwicklung des gebundenen Vermögens erneut als Ziel. Nach der Novemberrevolution wurden die Vorrechte des Adels abgeschafft. Auch die Familienfideikommisse sollten gemäß Art. 155 Weimarer Verfassung 1919 beseitigt werden.

Quelle: Familienfideikommiss – Deutschland [de.wikipedia.org]
Quelle: Familienfideikommiss [rechtslexikon.net]

Korih im Wald
Korih im Wald
28. Okt. 2020 21:46
Antwort an  Sailor

Ergänzende Überlegungen zu 281: Woran scheiterten die revolutionistischen Bestrebungen?

Mein erster und stärkster Gedanke war, dass zu wenig Bereitschaft bestand, sich wirklich aus den alten Verhältnissen zu lösen. Dadurch blieben die Revolutionäre auf dem Spielfeld der alten Machtinhaber und mussten auch weiterhin nach deren Spielregeln spielen und mit den von diesen vorgegebenen „Waffen“ kämpfen. Das konnte nicht klappen! Hierbei waren sie dann aus verschiedenen Gründen unterlegen (zu geringe militärische Stärke, Uneinigkeit innerhalb der unterschiedlichen revolutionären Lager bzgl. der Zielsetzung, Unwille des Königs, der unbedingt eingebunden bleiben sollte, etc.)

Eigentlich ging es am Ende eher um eine Reform als um eine revolutionäre Umwandlung. Der Hauptfehler war meiner Meinung nach das Festhalten an der monarchistischen Struktur und die Einbindung deren adliger Vertreter, indem man sich von denen ja geradezu die „Erlaubnis“ zu Änderungen zu erbetteln suchte (Einverständnis mit der neu erarbeiteten Verfassung).

Erinnert mich ein wenig an das heutige „Betteln“ um die Erlaubnis, protestieren zu dürfen gegen die C-Maßnahmen (Demonstrationsanmeldung), wobei man zusagt, sich an die Vorgaben (Maske und Abstand) halten zu wollen, obwohl man dies durch den Protest gerade abstellen will. Grotesk!

Folgerung:

Es braucht klare Zielvorstellungen darüber, was erreicht werden soll, klare Vorstellungen darüber, wie es erreicht werden kann. Und unbedingte Richtlinie muss dabei sein, was man als grundsätzlich richtig erkannt hat. Man kann also nicht auf jede (am Alten festhaltende) Meinung Rücksicht nehmen, da oft genug nur von eigenen Interessen geprägt, nicht aber vom Interesse am Wohl des Ganzen!

Wichtig ist auch zu verstehen, dass man nicht die Spielregeln des Gegners akzeptieren darf, wenn man ein neues System errichten will, sondern eigene Regeln (basierend auf den als richtig erkannten Werten) haben muss, an denen man sich orientiert.

Hauptgrundlage für diese Überlegungen:

Gründe für das Scheitern der Revolution 1848 [geschichte-abitur.de]

Zuletzt bearbeitet vor 1 Monat von Korih im Wald
Destin Faroda
Destin Faroda
28. Okt. 2020 19:23

272. Welcher Besonderheit unterlag das Staatsgrundgesetz im Königreich Hannover?

Das „Staatsgrundgesetz für das Königreich Hannover“ oder „Grundgesetz für das Königreich Hannover“ trat im Jahre 1833 inkraft und währte bis 1837.

Vorbereitet wurde es von der Allgemeinen Ständeversammlung und derem Generalsyndicus und Vorsitzenden der Kommission zur Prüfung des Entwurfes des Verfassungs-Gesetzes, dem hannoverschen Staats- und Kabinettsminister Caspar Detlev von Schulte. Bestätigt wurde es von Wilhelm IV., König von Hannover, Großbritannien und Irland.

Dieses Grundgesetz beinhaltete unter anderem folgende Artikel:

  • Der König hat sich an das Grundgesetz zu halten (konstitutionelle Monarchie)
  • Der König verfügt über die Kirchenhoheit
  • Alle Einwohner sind gleichmäßig zum Kriegsdienst und zur Tragung der allgemeinen Staatslasten verpflichtet
  • Allen Landeseinwohnern gebührt völlige Glaubens- und Gewissensfreiheit
  • Nicht-christliche Sekten können vom König anerkannt werden, wobei für Juden gesonderte Gesetzte gelten sollen
  • Der König übt die Kirchengewalt über die evangelische Kirche mittels Consistorial-/Presbyterialbehörde aus
  • Die Gerichte erster Instanz sind für alle Landeseinwohner dieselben
  • Die Freiheit der Person und des Eigentums unterliegt keiner anderen Beschränkung, als jener, die das Recht und die Gesetze festlegen
  • Jeder Einwohner muss einer Gemeinde angehören
  • Für die einzelnen Provinzen des Königreichs sind Provinziallandschaften, für das ganze Königreich eine allgemeine Ständeversammlung zuständig
  • Bauern/Bürgern wird der Zugang zur Zweiten Kammer der Ständeversammlung gestattet
  • Einführung einer beschränkten Minister-Verantwortung
  • Die neue einheitliche Steuerkasse wurde der Ständeversammlung untergeordnet

1837, nach dem Ende der englisch-hannoverischen Personalunion, wurde Ernst August, Herzog von Cumberland, der neue König von Hannover. Er ließ das Grundgesetz aufheben, was zu einem Verfassungskonflikt führte. Sieben Professoren, die Göttinger Sieben, die dagegen protestierten, wurden umgehend entlassen.

Quellen:

Staatsgrundgesetz Königreich Hannover [de.wikipedia.org]
Grundgesetz des Königreiches Hannover [verfassungen.de]

Destin Faroda
Destin Faroda
28. Okt. 2020 20:24

271. Was ist ein Staatsgrundgesetz?

Duden: Ein Staatsgrundgesetz ist ein Gesetzeswerk mit Grundrechten (als Teil einer Verfassung).

koeblergerhard.de: Staatsgrundgesetz ist eine Bezeichnung für ein die Verfassung des Staates grundlegend bestimmendes Gesetz.

Destin Faroda
Destin Faroda
28. Okt. 2020 21:23

276. Wie sah das Finanzwesen in der Zeit von nach dem Wiener Kongress bis Mitte des 19. Jahrhunderts aus?

Nach dem Wiener Kongress waren viele deutsche Länder infolge der Napoléonischen Kriege hoch verschuldet und mussten darüber hinaus noch eventuell neu dazugewonne Territorien ordnen. Während in den deutschen Ländern noch Landwirtschaft und von Zünften kontrolliertes Handwerk vorherrschten, kurbelte in Großbritannien bereits die Industrialisierung die Wirtschaft an. Dank des deutschen Flickenteppichs gab es keine einheitlichen Maße und Gewichte, dafür umso mehr Zölle, die den Handel lähmten. Der Deutsche Zollverein löste dieses Problem.

Während es bisher die drei klassischen Ausgabenposten Hof, Militär und Verwaltung gab, wuchs die Anzahl im 19. Jahrhundert stetig an. Das wachsende Bildungssystem und die aufkommenden Versorgungsbetriebe verschlangen Unsummen. Ab 1830 begannen die deutschen Herrscher mit dem Bau eines Eisenbahnnetzes zur Verbesserung von Transport und Handel. Im Königreich Preußen z.B. übertrafen die Eisenbahnprofite gar die Steuereinnahmen.

Zwecks Finanzierung griffen viele Länder auf Kredite großer Bankhäuser wie z.B. Rothschild zurück. Oft wurden die Nutzungsrechte zwecks Abbezahlung der Anleihen an die Bankenhäuser übertragen, die dann die Gewinne kassierten. Protestierende Abgeordnete wurden oft mit Aktien ruhiggestellt.

Die beginnende Industrialisierung und Erschließung der Länder mit Eisenbahnen führte zu einem Hunger nach Kohle, Eisen und Stahl. Das Ruhrgebiet wurde das Zentrum der Kohleförderung, die Kruppwerke produzierten Stahl vor Ort und in den sächsischen Ländern entstanden Maschinenfabriken, von denen das Handwerk profitierte.

Beim Einführen neuer Steuern verhielten sich die deutschen Länder zögerlich. Die 1842 in England eingeführte Einkommenssteuer konnte sich in Deutschland nicht durchsetzen. Indirekte Steuern waren populärer. Die Steuerbelastung lag damals bei etwa 5 %. Ab 1850 hatte der Wohlstand ein ausreichendes Maß erreicht, so dass sich die Menschen vermehrt Konsum- und Luxusgüter leisten konnten. Medizin und Hygiene sorgten für eine längere Lebenserwartung und zahlreicheren Nachwuchs. Dennoch fehlten etwa 800.000 Arbeitsplätze. Diese Pauperismuskrise bewog viele Menschen dazu, auszuwandern.

Quellen:

19. Jahrhundert [bpb.de]
Industrialisierung in Deutschland [planet-wissen.de]
Niall Ferguson: Geschichte der Rothschilds, Teil 2

Destin Faroda
Destin Faroda
31. Okt. 2020 21:42
Antwort an  N8waechter

Falls jemand dieses Buch hat …:

Geld und Ökonomie im Vormärz [PDF | aisthesis.de]

Zuletzt bearbeitet vor 29 Tage von Destin Faroda
Destin Faroda
Destin Faroda
1. Nov. 2020 18:12
Antwort an  Destin Faroda

Im frühen 19. Jahrhundert wurden viele Genossenschaftsmodelle entwickelt und entsprechende Institutionen (Kreditgenossenschaften, Genossenschaftsbanken, Konsumgenossenschaften usw.) gegründet. Genannt seien hier die Vorreiter Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch.

Auch im Bankenwesen tat sich einiges. Angesichts der anstehenden Industrialisierung passten sich Börsen, Banken und Versicherungen den neuen Herausforderungen an. Zudem entstanden Pensionsfonds und Investmentgesellschaften. Neue Bankenarten wie Sparkassen, Kreditgenossenschaften, Hypothekenbanken, Bausparkassen etc. umwarben nun die ärmeren Schichten, die von kommerziellen Banken bisher im Stich gelassen worden sind.

In Deutschland, diversen anderen europäischen Ländern und in Japan herrschten Universalbanken vor, die sowohl kommerzielles als auch Investment-Banking anboten. Diese Banken pflegten enge Beziehungen zur Industrie.

In Großbritannien interessierten sich die Banken mehr für kurzfristige Investments. Schwächen im britischen Wertpapiermarkt sorgten für vorsichtigere Investitionen in neue Industrien wie Elektrizität und Chemie, was die großflächige Industrialisierung ausbremste.

Um Finanzkrisen zu vermeiden, gewährte man den Zentralbanken geeignete Privilegien. So durften nur noch diese Banknoten herausgeben, um die Märkte zu stabilisieren. Im Jahre 1844 wurde in England die Peelschen Bankakte erlassen. Diese zwang die Bank of England dazu, das gesamte Papiergeld mittels Gold zu decken.

Quellen:

Genossenschaft – Deutschsprachiger Raum [de.wikipedia.org]
The evolution of financial systems [PDF | openknowledge.worldbank.org]
Zentralbank – 19. Jahrhundert [de.wikipedia.org]

Torsten
Torsten
28. Okt. 2020 22:01

Eine einfache Frage:

Wem laufen wir hinter? Zukunft oder Vergangenheit? Beides bedingt einander … 🤔

kph
kph
29. Okt. 2020 12:35

279. Welchen gesellschaftlichen Wert hatte die Preußische Verfassung von 1848?

Vor dem Hintergrund der zurückgewonnenen Macht des Königs in den Jahren 1849/50 wirkt die Verfassung wie ein Intermezzo des Konstitutionalismus‘ im absolutistischen Preußen. Wenige – symbolische – Elemente der Verfassung fielen der Konterrevolution zum Opfer; die meisten Teile der Verfassung blieben auch nach der Revision von 1850 erhalten.

Das Fazit, das aus der Verfassung von 1848 gezogen werden kann, gilt wohl auch für die folgenden Jahre. Die preußische Verfassung von 1848 war, trotz eines Oktrois an Stelle der versprochenen Vereinbarung mit einer verfassunggebenden Nationalversammlung, in der Lage, die gemäßigten Liberalen im Staat zufriedenzustellen. Vor allem lag das an dem im vorherigen Text herausgearbeiteten, progressiven Elementen der Verfassung, genannt seien der große Grundrechte-Katalog, die Einführung von Schwurgerichten sowie grundsätzlich die Einführung einer Verfassung, die Rechtssicherheit und Kontrolle des Monarchen sicherstellt.

Weder die Akzeptanz der Verfassung noch die Reformen dürfen aber darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin deutliche Einschränkungen hin zu einer demokratischen Staatsordnung bestehen. Die Gesetzesentscheidungskompetenz der Kammern und die meisten Grundrechte dürfen im Falle eines Kriegs oder Aufruhrs außer Kraft gesetzt werden, auch ein absolutes Veto des König bleibt erhalten. Eine Gewaltenteilung ist nur sehr eingeschränkt vorhanden, es besteht Zensuswahl, die Rechtsprechung kann vom Monarchen umgangen werden und das Militär muss als Staat im Staate bezeichnet werden.

Diese Kritikpunkte an der Verfassung müssen aber auch vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Situation nach der Märzrevolution betrachtet werden, und so ist es durchaus verständlich, dass für viele Bürger eine „halbliberale“ Verfassung dem weiteren Ausnahmezustand durch Revolution vorzuziehen war.

Preußische Verfassung (1848/1850) [de.wikipedia.org]

Destin Faroda
Destin Faroda
1. Nov. 2020 16:39
Antwort an  kph

Ich würde gerne folgenden Artikel der preußischen Verfassung von 1848 hervorheben:

Art. 9. Der bürgerliche Tod und die Strafe der Vermögenseinziehung finden nicht statt.

Der „bürgerliche Tod“ bedeutet den Verlust der persönlichen Rechtsfähigkeit. Der so Bestrafte lebte zwar physisch weiter, rechtlich wurde jedoch sein Tod fingiert und er somit als natürliche Person eliminiert. Dies umfasste beispielsweise, neben dem Verlust jeglichen Eigentums und der Annullierung einer bestehenden Ehe, auch den Verlust der Geschäftsfähigkeit.

Quellen:

Verfassungsurkunde für den preußischen Staat [verfassungen.de]
Bürgerlicher Tod [de.wikipedia.org]

kph
kph
29. Okt. 2020 17:25

270. Wie und von wem wurden die “Verfassungen“ der betreffenden Bundesstaaten in Kraft gesetzt?

Von mir wurden die Verfahren der Kurhessischen und Sächsische Verfassung ausgearbeitet.

Für die Verhandlungen über die Verfassung ernannte der Kurfürst zwei Landtagskommissare als Verbindungsbeamte zwischen Regierung und Landständen. Anfang Oktober 1830 legten sie den Landständen einen ersten Entwurf vor, die so genannte Landesherrliche Proposition. Diese lehnte sich stark an den Entwurf von 1816 an. Zu der seitens der Regierung erhofften schnellen Annahme der Proposition kam es aber nicht. Vielmehr wollten die Landstände darüber beraten.

Bei den Diskussionen hatte die „kurfürstliche Partei“ innerhalb der Stände keine Fürsprecher, wurde dort aber durch die zwei Landtagskommissare vertreten. Der Adel – vier Standesherren und die Ritterschaft – entsandten zwar insgesamt sieben Vertreter in den Landtag, konnten ihre Standes-Interessen aber nur sehr begrenzt in der Verfassung verankern, da ihre Privilegien von allen anderen Beteiligten abgelehnt wurden.

Nicht einmal die sonst zu dieser Zeit übliche, im Wesentlichen für den Adel reservierte, zweite Kammer konnten sie durchsetzen. Die Vertreter der Bauern waren – aufgrund des Wahlrechtes – vor allem Großbauern und nicht-adelige Gutsbesitzer. Deren Interessen stimmten weitgehend mit denen des Bürgertums überein. So konnte das Bürgertum den Inhalt der Verfassung im wesentlichen bestimmen. Dessen Vertreter waren zu einem erheblichen Teil Juristen.

Sylvester Jordan, Staatsrechtslehrer an der Universität Marburg, wurde Vorsitzender des Verfassungsausschusses der Landstände und bestimmte mit seiner liberalen Einstellung ganz wesentlich den Inhalt der Verfassung. Ergebnis des Ausschusses waren die Gutachtlichen Bemerkungen, über die von den Landständen nun diskutiert wurde. Hier allerdings waren die Landtagskommissare wieder beteiligt. Beide Seiten drängten auf einen Verhandlungsabschluss, der Kurfürst, weil er glaubte, dann seine Mätresse, die Gräfin Emilie von Reichenbach, wieder nach Kassel holen zu können, das bürgerliche Lager, weil die unteren gesellschaftlichen Schichten weiterhin Unruhen auslösten, und beide Seiten, weil sie eine Bundesexekution fürchteten. So kam ein Kompromiss zustande.

Im Dezember beriet das Gesamtstaatsministerium über den vom Landtag eingereichten Entwurf, der Anfang Januar vom Geheimen Kabinettsrat Carl Rivalier von Meysenbug redaktionell bearbeitet wurde. Am 5. Januar 1831 unterzeichnete der Kurfürst die Verfassungsurkunde, die am 8. Januar 1831 feierlich verkündet wurde. Der Bundestag des Deutschen Bundes sah sich nicht in der Lage, einen Beschluss zu der kurhessischen Verfassung herbeizuführen. Fürst Metternich und der badische Gesandte Blittersdorf waren strikt dagegen, Preußen befürwortete die Verfassung aus Opposition gegen Österreich und die deutschen Mittelstaaten waren mehrheitlich dafür, um ihre eigenen Verfassungen vor Eingriffen des Deutschen Bundes zu schützen. Ohne ein Veto des Deutschen Bundes galt eine entsprechende Landesverfassung.

Kurhessische Verfassung von 1831 [de.wikipedia.org]

Eine Immediatkommission unter Vorsitz des Prinzen Johann dem Geheimen Rat des Königreichs [Sachsen] gab den Auftrag, eine landständische Verfassung auszuarbeiten. In einer öffentlichen Bekanntmachung vom 5. Oktober 1830 kündigte ein neues Geheimes Kabinett unter dem neuen leitenden Kabinettsminister Bernhard August von Lindenau eine tiefgreifende Veränderung in Verfassung und Verwaltung an. Hans Georg von Carlowitz erhielt den Auftrag, dem Geheimen Rat einen ersten Textentwurf vorzulegen.

Am 7. Januar reichte Carlowitz beim Geheimen Rat seinen Entwurf ein, der sich großenteils an die badische und an die württembergische Verfassung anlehnte. Dem Entwurf war ein zweiter, noch anonymer Entwurf beigefügt, der fast ausschließlich aus der badischen Verfassung schöpfte. Dieser Entwurf stammte von Bernhard von Lindenau. Der Geheime Rat bevorzugte den Entwurf Lindenaus und legte ihn am 1. März 1831 den Ständen vor.

Da das seit Oktober 1830 betriebene Verfahren nicht öffentlich war, entstand der Verdacht, dass die Stände das Verfahren durch Untätigkeit auf unbestimmte Zeit verzögern wollten. Daraufhin erteilte der Anfang 1831 aus der Kommunalgarde entstandene Bürgerverein ihrem Mitglied, dem Rechtsanwalt Bernhard Moßdorf den Auftrag, einen Verfassungsentwurf auszuarbeiten. Moßdorf erstellte daraufhin unter dem Titel: Constitution, wie sie das sächsische Volk wünscht, einen Entwurf nach belgischem Vorbild, der zunächst die Aufhebung der Beschlüsse des Deutschen Bundes vorsah, und dann den Eintritt Sachsens in einen deutschen Staat.

Der Entwurf sah eine einzige gesetzgebende Kammer vor, die von Staatsbürgern gewählt werden, die Steuern zahlen und nicht Lohnempfänger sind. Der Adel und die Grundherrschaft sollten abgeschafft sein, und Grundrechte etwa im Umfang der Virginia Bill of Rights gewährt werden. Bernhard Moßdorf verlas den Entwurf am 15. April 1831 vor dem Bürgerverein. Moßdorf wurde verhaftet und auf die Festung Königstein verbracht. Bernhard von Lindenau gelangte zu der Auffassung, dass es sich im Mai 1831 entscheide, ob die feste Ordnung wiederkehrt, oder ob die von Moßdorf vorgesehene Pöbelherrschaft an deren Stelle trete.

Ähnlich sah es Metternich, Staatskanzler der Präsidialmacht Österreich des Deutschen Bundes: Er wies den Botschafter Österreichs in Sachsen an, die Vorgänge genau zu beobachten. Es sei nämlich das übliche Muster einer Revolution zu erkennen. Zunächst würden bescheidene, berechtigte Forderungen erhoben; dann erfolge der Ruf nach einer vollständigen Reform. Dann träten die radikalen Kräfte auf und verdrängten ihre liberalen Unterstützer. Dies sei der Augenblick der Entscheidung. Die sächsische Regierung sei aber nach seiner Erfahrung schwach. Die benachbarten Monarchien könnten jedenfalls nur Maßnahmen dulden, die mit dem Recht des Deutschen Bundes zu vereinbaren seien, das auf dem gemeinsamen Territorium gelte.

Der Entwurf des Geheimen Rates wurde auf dessen besondere Ermahnung hin zügig in den Ständen beraten, wobei bis August 1831 vier redaktionelle Fassungen entstanden. Die Stände wünschten vor allem engere Regelungen der Vermögens- und Einkommensverhältnisse des Königshauses. Am 4. September 1831 wurde der Entwurf von König Anton (1827–1836) und dem ihm zur Seite gestellten Mitregenten Friedrich August II. (1830–1836; 1836–1854) unterzeichnet und im Schloss Deputierten der Stände übergeben.

Sächsische Verfassung von 1831 [de.wikipedia.org]

Torsten
Torsten
30. Okt. 2020 22:36

Eine Anmerkung könnte meines Erachtens sein:

deutschlands-wahrheit.blogspot.com

Warum wiederholt sich dieses (unser Schema) Schicksal immer wieder? Schaut man tiefer, wird man auch die immer-gleichen Muster erkennen.

England gegen Frankreich, dann gegen Österreich-Ungarn, gegen Russland und schlussendlich gegen die feindlichen Kolonien (D) und deren Herrschaft. Wer braucht Geld und die Unruhe? … Nur die Sterne …

Es geht nur darum, die Kleinen kleinzuhalten. Die vermeintlich Großen möchten spielen und sie tun es voller Inbrunst, denn das abgepresste Geld macht es erst möglich. Dort schließt sich „Geld und Glaube“.

Und sie h(pfl)egen ihr Spiel bis jetzt, doch irgendwann ist auch ein Spiel zu Ende …

Heil und Segen!