Nachfolgender Beitrag im Ton-Format, vorgetragen vom Nachtwächter:
Joah…, es ist kalt. Soll heißen: Es liegt Schnee, es friert, die Wege und Straßen sind rutschig. Oder anders: Es ist Winter. Aber nicht irgendein Winter …, gewiss der kälteste Winter seit 125.000 Jahren. Jap, da gibt es keine Zweifel, kein Vertun. So schlimm war es noch nie!
Meine Güte. Es ist schon so eine Schmach, mit dieser bemerkenswerten Inszenierung, die uns da allen vorgeführt wird. Medial. Der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit im Kontrast zur gelebten Wirklichkeit. Und zur eisig-klaren Erinnerung, also das echte, wirkliche, eigene Erleben.
Gestern beispielsweise wurde für die Region hier oben an der Küste im Internetz auf den Wetterseiten vermeldet, es sei “-13°“ und “stark bewölkt“. Während ich hier bei -6 von der Sonne geblendet wurde. Zugegeben, da lag ein feiner Dunst in der Luft, doch war der erst entstanden, nachdem die Sonne ein wenig an Höhe gewonnen hatte. Früh morgens war der Himmel klar und blau und somit der Überzeugung, den Bühnenprojektoren gleich drei Mittelfinger zu zeigen.
Interessant an dieser Lage sind dann Gespräche mit jungen Menschen. Wenn es von einem Anfang 20er dann heißt: “So viel Schnee hatten wir hier noch nie!“, wenngleich es erst 5 Jahre her ist, dass wir vergleichbare Umstände hatten. Aber gut, für einen 20er ist das ja auch ein sattes Viertel seines Lebens, für einen 50er nur ein Zehntel. Aus dieser Perspektive betrachtet kann die Erinnerung einen da schon mal im Stich lassen.
Tja. Das Erinnerungsvermögen. Da klemmt es bei den meisten schon arg. Auch bei vielen, die schon einige Dutzend Sommer auf dem Zähler haben. Manche können sich im Flur ja schon nicht mehr erinnern, was sie gerade aus der Küche holen wollten. Sowas kommt wohl bei jedem vor, also auf jeden Fall bei mir. Was gestern war, geht dann noch. Und dies eine, Du weißt schon, das war vorgestern. Oder war das am Tag davor?
Einerseits zeigt uns das, dass auch wir Menschen vornehmlich im Jetzt leben. Ja, wichtige Erfahrungen sind abgespeichert, doch ganz viele Kleinigkeiten fallen einfach durch den Filter, weil sie eben unwichtig für unser fortbestehendes Dasein sind. Und was das Geschehen auf der Bühne angeht, da greifen dann vergleichbare instinktive Überlebensmechanismen, weil das Allermeiste entweder rein gar nichts mit uns zu tun hat oder es keine direkten Auswirkungen auf unser Leben hat.
Andererseits neigt der moderne Mensch ja dazu Geschehnisse schriftlich oder bildlich oder bewegtbildlich festzuhalten und nennt das dann “Geschichte“. Bedauerlicherweise wird aus “der“ Geschichte dann allzu leicht “das“ Geschichte. Und mit jeder Schicht wird der Druck größer und was unten liegt wird nach und nach immer stärker komprimiert. So wird das Geschehene dann, sowohl das selbst Erlebte als auch das, was uns allen erzählt wird, dass es so oder so geschehen sei, mit der Zeit immer weiter gepresst. Bildlich quellen dann die Einzelheiten aus allen Seiten heraus und … verflüchtigen sich. Und was übrig bleibt steht dann in Geschichtsbüchern.
Wenngleich wir dieser Zeiten sehr wohl die Möglichkeiten haben, die Einzelheiten der jeweilig zeitlich begrenzten Gemengelagen in den aus Nullen und Einsen zusammengefügten Analen – also quasi dem digitalen Hinterausgang – wiederzufinden, gestaltet sich dies bisweilen ausgesprochen schwierig. Daran ist der “Algorithmus“ schuld. Ganz allein. Ganz klar.
Einst saßen tonsurte Schreiberlinge am Pult und schrieben “Geschichten“. Zu jeder Zeit gab es Motive für die Darstellung irgendeines Geschehens und die Aufzeichnungen dürften wenig mit dem gemein haben, was tatsächlich geschehen ist. Dabei spielte weniger die Denkfärbung des Schreiberlings eine Rolle als der vordefinierte Zweck der Aufzeichnungen.
“Die Geschichte schreibt der Sieger.“, heißt es. Ich neige da zu einem ausdrücklichen “Jein“. Denn wer uns in dem Geschichte als “Sieger“ dargelegt wird, war genau genommen auch nur eine Spielfigur in einem weit größeren Spiel – geführt, bezahlt von … Interessen. Und diese … Interessen … sind es, welche das Geschichte bestimmen – in Länge, Breite und Dicke, wie auch in der Dichte, sprich: in jeder Ausdehnung und vor allem auch in der enthaltenen Masse. Und letzteres hat wiederum nachhaltigen Einfluss auf den Druck der hinzugefügten Schicht und noch viel mehr auf die zahlreichen Schichten darunter.
Die Welt friert also ein. Die Eiszeit kommt! So hieß es schon in den 70er Jahren des vorigen Zahlenjahrhunderts. Ich kann mich noch an den Titel von “Peter Moosleitners interessantes Magazin“ erinnern, der da lautete: “Eiszeit“ … Allerdings war das dann schon 1998, wie ich soeben nachforschend feststellen durfte. Interessant insofern, dass ich mir recht sicher war das als Jugendlicher gelesen zu haben, doch da war ich ja schon auf dem Weg zur 30. Ups …, was hatte ich vorhin noch gleich erläutert? Tja, in verkümmertem Rudimentär-Niederdeutsch heißt das: “proof of concept“.
Gleichermaßen interessant ist das allerdings auch, weil ganz offensichtlich ja über satte drei Jahrzehnte gepanikt wurde, wir würden alle erfrieren. Und heute wird uns das Gegenteil erzählt, obgleich wir augenscheinlich zu hohe Klimaabschläge bezahlt haben, denn Winter sollten doch an sich … “Geschichte“ sein. Und jetzt das! Sowas aber auch …
Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass ich da immer an Saurons Auge denken muss. Es richtet seinen Blick, und damit einhergehend seinen Lichtkegel – zumindest im Film –, mal hierhin, mal dorthin. Die gelenkte Aufmerksamkeit. Irgendwie willkürlich, sprunghaft, getrieben von Angst, Gier, Missgunst … oder doch eher des Zwecks wegen, eben diese zu erzeugen?
Letzteres den führenden Mittelsmännern der im Verborgenen bleibenden Gestalten, den “Medien“, zu unterstellen, wäre gewiss zu vereinfacht und doch ist die ständige Sprunghaftigkeit, der getriebene Versuch der Aufmerksamkeitssteuerung, nicht von der Hand zu weisen. Gestern Venezuela, derzeit Grönland und Iran, morgen wieder was anderes. Ist in der Kokaine eigentlich immer noch “Krieg“? Und was ist mit den Vulkaniern? Sind die schon einkassiert und weggesperrt? Tja …
Aber gut, nach dieser Eiszeit kommt jetzt ja das “Goldene Zeitalter“. Endlich. Nur ein wenig Geduld …, die dürfen wir ja wohl noch an den Tag legen! Immerhin warten “wir“ ja schon so viele Jahre, da sag ich nur: “So’n Moment noch!“ …, obwohl, das waren eher die Worte meiner werten Mutter, wenn ich mal wieder die Dehnbarkeit ihrer Geduld mit mir ausgetestet hatte.
Wie auch immer, ich finde es tatsächlich bemerkenswert, wie sehr sich so manche Zeitgenossen zu Kollaborateuren der verborgenen Gestalten machen. Freiwillig. Und ja, ich habe meinen eigenen Anteil daran, denn auch dieser Beitrag hier ist letztlich Beschäftigungstherapie und hält in diesem Fall Dich für eine gewisse Zeit von Dingen ab, welche für Dich vielleicht viel wertvoller wären, als Zeit mit mir zu verbringen. Sollte dies nicht so sein, dann freut mich das insofern, dass Du mein Treiben offenbar als wertvoll empfindest. Wie Du Deine Wertschätzung zum Ausdruck bringen kannst, findest Du unter diesem Beitrag. Wie stets. Es ist ja Deine Wahl, Du bist ja schon groß.
Wo war ich? Ach ja: Für Menschen, welche sich gerade an irgendeiner Stelle eines gedanklichen Entwicklungsvorgangs befinden, kann die rostige Schere zwischen unipolarer leidmedialer Aufmerksamkeitssteuerung und dem enormen Dickicht an “alternativen“ Angeboten bisweilen durchaus schmerzhafte Funktionsstörungen im Kopf auslösen. Die einen sabbeln dies, die anderen sabbeln das, und die Wahl zu treffen, wem man denn nun “glauben“ soll, dürfte für viele durchaus herausfordernd sein. Wobei jeder ja seine eigene Wahr-Nehmung in Bezug auf das hat, was ihm so alles angeboten wird.
Eine für mich sehr entscheidende Erkenntnis ist: Ausnahmslos alles was uns medial angeboten wird, beruht auf irgendjemandes Glauben. Und wir bewegen uns lieber in eben jenem inhaltlichen Bereich, welcher sich mit unserem eigenen Glauben deckt oder ihm gar schmeichelt. Und sich dazu zu bekennen, nicht zum Glauben, sondern zu der Erkenntnis, ist eine der größten Hürden, welche uns allen vor den Bauchnabel gestellt werden.
Industrielle Medien leben ganz offensichtlich von Werbeeinnahmen und werden überdies – mal ganz verallgemeinert gesprochen – “staatlich“ am Leben gehalten. Sie haben ja auch einen Auftrag. Ihr Dasein erfüllt einen vordefinierten Zweck. Wir hatten das schon ganz oft: Die Aufmerksamkeit wird gebunden und im erfolgreichsten Fall das Denken abgenommen. Einher geht dies mit dem Binden von wertvoller Lebenszeit und der Unterdrückung von allzu rebellischen Tendenzen – es sei denn, genau diese sind gewünscht. So wird gelähmt oder radikalisiert, je nach Bedarf.
Was sich über die vergangenen 20 oder 30 Jahre an “alternativen Medien“ entwickelt hat, bildet augenscheinlich einen Gegenpol. Doch zugleich herrscht auch große Verwirrung und tatsächlich Verunsicherung. “unsicher“, das Gegenteil von “sicher“, lateinisch “sēcūrus“: ohne Sorge. Also ist “unsicher“ gleichbedeutend mit “ohne ohne Sorge“? Und gab es da nicht mal ein Theater in Hamburg? Na, das nur am Rande. Wir können uns da wohl kaum sicher sein. So oder so.
Jedenfalls “lebt“ der alternativ-mediale Bereich in der Prägung der vergangenen Jahre maßgeblich von Verwirrung und Verunsicherung, ein durchaus nennenswerter Teil sogar einigermaßen fürstlich. Ob nun “alternative“ Buchautoren jedweder Färbung, gerne mal “geflüchtet“ ins selbstgewählte sonnige Exil, oder ganze Fern-seh-Sender, da werden erhebliche flüssige Mittel bewegt und in Bewegung gehalten. Und anzunehmen, dass vordergründig offenbar durchaus sehr kluge Menschen ihren thematischen Führungsanspruch sehr wohl vollwissentlich er-huren, ist keineswegs aus der Luft gegriffen.
“Wie kann der nur sowas behaupten?! Der X und der Y, die machen das doch praktisch ehrenamtlich! Als wenn die davon “reich“ werden würden!“
Stimmt. Es gibt einige wenige dort draußen, welche ihre ehrliche “Leistung“ in der begründeten Hoffnung anbieten, dass ihnen der Eine oder Andere eine Kleinigkeit zusteckt. Und klar, je mehr Kleinigkeiten da zusammenkommen, umso ruhiger lässt es sich schlafen. Doch “reich“ wird man davon keineswegs. Und “sicher“ ist das ebenfalls nicht. Frag mich, woher ich das weiß … Und doch gestaltet die überlassene Wertschätzung einen Teil meines Lebens maßgeblich mit, denn ohne Wertloseinheiten ist ein Bestehen innerhalb der systemisch gesetzten Barrieren schlichtweg unmöglich.
Und dann gibt es jene, welche schon regelrecht stahlbetongegossene Scheuklappen tragen müssen, um sich selbst einigermaßen erfolgreich vor dem zerrigen Spiegel einzureden, dass sie mit der Bedienung ihrer selbstgewählten alternativ-medialen Nische vollkommen selbstlos wahlweise zur “Aufklärung“ beitragen, Menschen zum “Aufwachen“ bringen oder einfach nur die “Wahrheit“ verbreiten. Das ist in weiten Teilen eine Lüge. Und die wenigsten kasteien sich deswegen selbst oder riskieren inhaltliche Berichtigungen ihres Kurses und ruinieren damit ihre Einkommensgrundlage. Denn ja, der wahre Antrieb ist …, richtig: Geld. … Und vielleicht ein wenig Selbstdarstellung zur Festigung des Selbstwertes.
Führt man sich diese Motiv-Situation vor Augen und schaut dann mal an, was da von einigen – insbesondere den größeren – Akteuren so veranstaltet wird, dies zum Teil seit vielen Jahren, in inhaltlicher Dauerschleife, wissend, dass die “Alten“ ihre Glaubenssätze immer wieder bestätigt wissen wollen und es zudem immer wieder “Neue“ gibt, solche, welche sich gerade erst ihre neuen Glaubenssätze erarbeiten, dann …, na? Klingelt’s?
Stell Dir mal eine Welt vor, in welcher alles Geschehen ohne zielführendes Eingreifen von irgendwem vonstatten geht. Stell Dir eine Welt vor, in welcher alles Geschehen einfach nur inhaltlich und ungefärbt und ohne zielführende Hintergedanken berichtet wird. Ist das überhaupt vorstellbar? Welche Folgen hätte dies?
Würde das Gewissen seine Arbeit erledigen, dann gäbe es nicht viel zu erzählen. Ende der Geschichte.
Sei aufrecht und bleib standhaft.
Alles läuft nach Plan …
Heil und Segen Dir.
Der Nachtwächter
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