Selbstverständlich

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Mein neuer Zuse ist da. Endlich. Und er schnurrt, wie ein kleines Katerchen. Meinen aufrichtigen Dank an alle diejenigen, welche dies mit ihrer Wertschätzung möglich gemacht haben. Natürlich hat es – wie üblich – fast zwei Tage gedauert, bis die Minze parallel zum Fenstersystem aufgesetzt war; die Einzelheiten …, naja, dürfen Einzelheiten bleiben. Jedenfalls ist dies wie jede Geräteneuanschaffung … oder wahlweise einfach der Austausch eines verbrauchten Geräts gegen ein unverbrauchtes. Wie eine stumpf gewordene Japansäge mit einem neuen Sägeblatt. Frische Messer auf dem Dickenhobel. Oder eine baugleiche neue Stopfmaschine als Ersatz für die alte. Es ist ein spürbarer Unterschied und macht ein wohlig warmes inneres Gefühl, ob der Leichtigkeit mit der “es“ nun auf einmal wieder nach Plan läuft.

Naja, und das technisch auferlegte Zurückfahren digital-medialer Beschäftigung hatte auch sein Gutes. Ich habe hier im echten Leben doch einiges erledigt bekommen. Manches brauchte etwas Zeit, wegen der Herstellung der benötigten Baumaterialien, und doch ist der Fortschritt insbesondere beim Umbau des gärtlichen Hühnergeheges genugtuend und … ja, schon beinahe sehenswert. Insofern werde ich auch recht bald die Aktivitäten in Sachen Filmerstellung wieder aufnehmen, wenngleich ich beschlossen habe, mehr oder weniger im Jetzt wieder anzusetzen und die zahlreichen mitgefilmten Projekte der vergangenen Monate nachzureichen, wie es die Zeit zulässt. Da waren wieder eine ganze Reihe netter Lernmomente dabei und die teile ich gerne. Schließlich gibt es für meinen Geschmack viel zu viele Medienanbieter dort draußen, welche ihre Schnittprogramme nutzen, um ihre “Fehler“ zu übergehen und den Eindruck zu erwecken, alles sei ohne Mucken und Macken gelaufen – einfach perfekt eben. Doch bekanntlich ist das nicht das echte Leben und folglich eben nicht “echt“.

Joah, und damit können wir ja wunderbar den Bogen zur Illusion und ihrer Theaterbühne schlagen. Wer mir schon eine Weile folgt, der weiß, dass ich bereits vor Jahren aufgehört habe die zahlreichen Einzelszenen auf der Bühne für allzu gewichtig zu nehmen. Der überwiegende Teil der herumgereichten “Informationen“ dienen meiner bescheidenen Überzeugung nach vornehmlich oder gar ausschließlich der Beschäftigung. Vieles ist gar schier endloser medialer Kreisverkehr. Immer wieder dasselbe Muster, teils sogar derselbe Ablauf. Klar, beim Kreisverkehrfahren mag bei jeder Umkreisung hier und dort ein Steinchen umgesetzt worden sein. Oder dort stehen jetzt Gänseblümchen, die waren bei der letzten Runde noch nicht da. Vielleicht wird sogar gelegentlich mal ein Schild ausgetauscht und auf Schlaglöcher hingewiesen. Manchmal, sehr selten, wird auch eine neue Ausfahrt errichtet, welche mit jeder Umkreisung konkretere Formen annimmt – und mal wird sie fertiggestellt und mal wird die Baustelle kurzerhand wieder zugeschüttet. Und doch wundert sich der im Kreis Verkehrte stets, dass, selbst wenn er mal eine Ausfahrt genommen hat, er letztlich doch immer wieder im selben Kreisverkehr landet. Dramatisch, vielleicht gar diabolisch; in jedem Fall ernüchternd.

Und der Kreisverkehr hat in den vergangenen Jahren und insbesondere in den vergangenen Wochen eine ganze Reihe neuer blauer Schilder bekommen. Es wird gar eine große Ausfahrt gebaut und da die Beschilderung blau ist, soll der Verkehrende gewiss davon ausgehen, dass es dort dann auf die Autobahn geht – also, sobald die Ausfahrt dann endlich mal fertiggestellt und freigegeben wird. Dort kann dann auch mal das rechte Pedal so richtig durchgetreten werden … “kost’ der Sprit auch 2 Mark 10 …“, ja, ja, es wird schon “geh’n“. Schließlich wollen doch alle “Spaß“, stimmt’s?

Tja. Du darfst dieses Bildnis gerne selbst weiterspinnen. Immerhin gibt es ja noch Baustellen innerhalb des Kreisverkehrs, Standstreifen, Grünstreifen, Parkplätze, Rastplätze und allerlei sonstiges Zeugs. Nicht zuletzt die Mitte, also das, um das sich alles dreht. Das, um das alle immer fein herumfahren. Was das wohl sein mag? Und wer dort wohl den Rasen mäht …?

Jedenfalls, es macht hierzulande medial den Anschein, dass es sich nun wohl doch bald ausgemerzt hat. Immerhin ist schon September und Merz ist immer noch da. Die Tage musste ich schmunzeln und meinte zur Herzhexe, das sei wie damals bei Herrn Kohl: “Ich geh’ nich’ …“. Allerdings ist Herr Merz ja doch einen End jünger und vor allem hat er sichtbar weniger Substanz. Insofern sei zumindest die Annahme gestattet, dass er deutlich weniger Haftgrund hat. Obwohl …, nein, lassen wir das.

Der Herr Siegesmund hat jedenfalls in Sachsen-Anhalt kräftig abgeräumt und allein die Auszählung der Briefwahlzettel habe den totalen Sieg verhindert. Bemerkenswert war das verkündete Ergebnis in jedem Fall, wenngleich keineswegs verwunderlich. Wie äußerte der Holzrundstabnasenkanzler noch gleich? “56 Prozent der Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt haben Sie [die AfD] nicht gewählt“. Eine bemerkenswerte Rhetorik, wie frisch aus der NLP-Schulung vom Schwarzfels-Seminarleiter. Allerdings mit nachhaltig geringer Halbwertzeit angesichts der “4,9“ Prozent in Meck-Pomm, oder anders ausgedrückt: “95,1 Prozent der Wählerinnen und Wähler in Mecklenburg-Vorpommern haben Sie nicht gewählt“. Ups …

Eine absolute Mehrheit wäre jedenfalls in Sachsen-Anhalt ja auch viel zu einfach gewesen. Also für das Publikum. Man stelle sich nur vor, der Herr Siegesmund könnte dort einfach “durchregieren“! Allerdings, und das darf ebenfalls als bemerkenswert zur Kenntnis genommen werden, hat der Siegesmund-Wahlkampf augenscheinlich hochgradige Parallelen zu dem Geschehen in Übersee gezeigt, einfach nur übertragen auf ein hiesiges Bundesland. Und vor allem diese Herangehensweise dürfte maßgeblich mit dazu beigetragen haben, dass eine erhebliche Zahl Wahlmüder ihren Hintern von ihren Sofas in die Wahllokale getragen haben und Herr Siegesmund dadurch “rund 157.000 zusätzliche Stimmen gewinnen konnte“. Gemini im Weiteren dazu:

“Je stärker die Wahlbeteiligung in den einzelnen Wahlbezirken anstieg, desto deutlicher fielen im Regelfall die Verluste für CDU, SPD, Grüne und FDP aus. Die Mobilisierung der Nichtwähler war bei dieser Wahl somit ein extremer Treiber für die AfD.“

Inzwischen ist die Wählerwanderung auch analysiert worden und zeigt, was angesichts der Veränderungen zur vorherigen Wahl ohnehin schon kaum zu übersehen war:

Vom Wahlkampf in Meck-Pomm machte weit weniger blaues Werbegut die Runde, und dennoch zeigte das dort verkündete Wahlergebnis ebenfalls eine deutliche und klare Musterbestätigung. Es wird also mittels “Wahlergebnissen“ der Anschein erweckt, als stünde eine Veränderung auf dem politischen Teil der hiesigen Bühne im weiteren Fahrplan. Und die neue Landesfarbe soll dann wohl “blau“ sein. Tja. Hatten wir auch noch nicht.

Schnitt.


…

Bis hierhin war ich Mitte vergangener Woche mit meinen Gedanken über die Beobachtungen der Bühne gekommen. Der Beitrag hatte auch schon einen Titel: “Momentaufnahme“ – geeignet gar für eine Art Serie oder sowas. Doch rückten dann wieder Dinge im echten Leben in den Vordergrund und so blieb der Beitrag erstmal als Entwurf liegen. Das Wochenende verstrich und ich hatte mir vorgenommen den Beitrag Anfang der Woche fertigzustellen. Soweit der Plan. Doch es kam anders …

Der eine oder andere mag sich von den “Mach’s Dir. Selbst.“-Filmen an Pepe erinnern, Püppis erstes Welpe, der Kater, der in den Chillis “chillte“. Wie alle anderen hatte auch Pepe recht feste Muster. Und am Montagmorgen war er, entgegen seiner üblichen Muster, nicht zum Vierbeinerfrühstück erschienen. Und auch bis zum Nachmittag hatte er sich nicht gezeigt.

So ein Hinweis lässt sich nur eine gewisse Zeit geduldig negieren, also zog die Herzhexe am späten Nachmittag los, in der Hoffnung ihn irgendwo im Dorf zu finden. Es dauerte nicht lange, bis sie zurück war. Sie hatte unseren Nachbarn getroffen und nach einem kurzen Gespräch hatte er ihr ein Foto auf seinem Telefon gezeigt, welches er aus einer lokalen Wasgehtab-Gruppe hatte. Begleittext: “Totfund, Hauptstraße 34“. Vielleicht 200 Meter Luftlinie von hier … Und ja, es war “unser“ Pepe.

Ausgerechnet Pepe, der so übervorsichtig war und bei Autogeräuschen – immer! – gleich Reißaus genommen hatte. Wie hatte das nur geschehen können? Für uns war dies ein echter, – im wahrsten Sinne – unglaublicher Schock. Zugleich hatten wir zumindest die traurige und schmerzliche Gewissheit über seinen Verbleib und konnten ihn nach Hause holen – was keineswegs selbstverständlich ist, denn Pepe war Freigänger und ungechippt. Sein Leib ruht nun an “seinem“ Platz, unter “seiner“ Katzenminze hier bei uns im Garten.

Ich könnte an dieser Stelle Geschichten über Geschichten über, von und mit Pepe erzählen. Von seinem leicht schrägen und doch so liebenswerten Wesen, seinem wahrlich bemerkenswerten Werdegang, über sein gerne mal nöhlig-gelangweiltes Mauzen bis zu unseren Beobachtungen mit unseren und auch anderen Katzen und Katern. Wahr ist jedoch: Ein derart ausführlicher Nachruf gehört hier nicht hin. Es sind unsere Erinnerungen und das sollen sie auch bleiben.

Das wahre “Leben“, die “Natur“, kann bisweilen eine echte Arschgeige sein. Besonders, wenn “es“ der Überzeugung ist, irgendwelche Botschaften mit dem nötigen Nachdruck zu senden. Wir sind sehr dankbar für alles, was wir mit und durch Pepe lernen durften, sind sehr dankbar für sein Wirken hier bei uns in den etwas über zwei Jahren, in welchen wir die Ehre hatten, ihn hier zu Gast zu haben. Es war für uns selbstverständlich, wie so vieles im Leben, ihn hier bei uns zu haben. Er war ein fester Bestandteil unserer Familie und all der üblichen Abläufe …

… in diesem Moment, während ich dies eben geschrieben habe, sind Pepes Geschwister Karla und auch Otto zu mir ins Kabuff gekommen und haben sich bei mir hingelegt. Sie spüren meinen Schmerz und sie sind da. Ohne, dass sie irgendjemand darum gebeten hätte. Beinahe als möchten sie bekräftigen, worauf ich mit der für mich unüblichen Wendung in diesem Beitrag letztlich hinaus will. Die Botschaft. Sie lautet:

Nichts ist selbstverständlich.

…

Sei aufrecht und bleib standhaft.

Alles läuft nach Plan. Immer.

Heil und Segen Dir.
Der Nachtwächter

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