Der Geld-Fehler (FSK 8)

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Von LQ

Da soll noch einer sagen, die Kinder von heute seien nicht mehr neugierig und aufgeweckt.

Ich habe drei 8-jährige Kinder – 1 Mädchen, 2 Jungs – und wurde von einem meiner Jungs gefragt, warum eigentlich alles immer teurer wird.

Gute Frage …

Die Frage, die mir jedoch unmittelbar durch den Kopf ging war: Wie kann ich Kindern in dem Alter erklären, wo der Fehler liegt?

Also gut, los ging’s. Zuerst musste natürlich geklärt werden, was die Kinder denn ohne Geld machen würden. Die Antwort war offensichtlich und wird von den Dreien ständig gelebt: „Wir tauschen!“ … jup … genau.

Frage: „Gibt’s dabei auch mal Streit?

Antwort: „Ja, wenn wir uns nicht einig werden, wieviel wir wofür geben wollen.

Das passte. Mein Vorschlag:

Damit ihr euch nicht mehr streiten müsst, legt ihr ab sofort einen Wert für das fest, was ihr tauschen wollt und ich versorge euch mit dem Geld damit ihr euch gegenseitig bezahlen könnt.“

Die Kinder grinsten mich an, aber sie fanden die Idee ebenso lustig wie gut und begriffen direkt, dass wir jetzt ein Spiel spielen würden. Wie die Leute vor YX-tausend Jahren, die sich beim Bartern mit ihren Waren ständig über deren Wert in die Haare bekamen, hatten die drei also auch so ihre Erfahrungen gemacht …

Die Geldmenge

Ich gab also jedem Kind 10 Münzen zu 10 Cent und sagte:

Für meine Arbeit beim Herstellen der Münzen (die drei fingen an zu kichern) erwarte ich von euch aber, dass ich nach einem Jahr von jedem von euch 10 Cent mehr zurückbekomme, als ich euch gegeben habe. Dann habe ich auch einen kleinen Ausgleich für meine Arbeit. Einverstanden?

Die Argumentation mit meiner Mühe für die Herstellung leuchtete wohl ein, denn alle drei waren damit einverstanden und begingen damit den gleichen Fehler wie die ach so gebildeten Erwachsenen im echten tagtäglichen Leben.

Die drei haben dann ein bisschen mit dem vorhandenen Geld gespielt, sich gegenseitig imaginäre Waren verkauft und in dem Moment, als zwei von ihnen 1,10 € hatten habe ich das Spiel gestoppt:

Das Jahr ist jetzt um. Zahltag!

Die zwei Jungs gaben mir jeweils 10 Cent von ihrem Geld und hatten nach wie vor jeder ihre 10 Münzen, die ich ihnen gegeben hatte. Dann ruhten alle Blicke auf meiner bedauernswerten Tochter…

Interessanterweise hat es dann bei einem meiner Jungs ‘Klick‘ gemacht:

Aber Papa, das geht doch gar nicht.“

Warum?

Das Geld ist doch gar nicht da!

Genau mein Sohn.“

Voll gemein…

Nach einer kurzen Pause fragte ich: „Und jetzt?

Kennen Sie das, wenn Kinderaugen total ins Leere starren und hoffen dort irgendwie die Antwort auf eine nicht zu beantwortende Frage zu finden?

Das Geld vermehrt sich

Nun, ich hatte mir ja aufgeschrieben, was ich jedem von euch gegeben hatte und in meinen Büchern ist jetzt ein Ungleichgewicht, weil ich nicht von allen dreien 10 Cent zusätzlich wiederbekomme, wie wir das vereinbart hatten. Also bleibt mir ja nichts anderes übrig, als nochmal 3 neue Münzen herzustellen, damit alles wieder passt, stimmts?

Die Tatsache, dass ich von meiner Tochter ja im Grunde nur die 10 Cent haben wollte und sie mit dem Rest hätte weiter wirken können, haben die drei selbstverständlich nicht erkannt. Was ich sagte, klang wohl irgendwie logisch, jedenfalls haben alle drei genickt.

Warum wird alles teurer?

Nachdem die drei verstanden hatten, dass ich als Bank ja zwangsläufig zusätzliches Geld herstellen musste, habe ich eine Kiwi genommen und den Wert der Kiwi auf 10 Münzen festgelegt. Soweit, so gut.

Dann habe ich folgende Frage gestellt:

Wenn jetzt eine Kiwi 10 Münzen wert ist, wie ist das denn, wenn es plötzlich 2 Kiwis gibt, aber die Menge der Münzen gleich bleibt?

Antwort: „Dann ist jede Kiwi 5 Münzen wert.“

Logisch, aber wir hatten ja vorher schon gelernt, dass die Geldmenge steigt. Also kam direkt der Gegentest:

Wenn jetzt aber immer noch eine Kiwi da ist – und es gibt einfach nicht mehr davon – wie ist das denn, wenn es plötzlich nicht mehr 10 Münzen, sondern 20 Münzen gibt?

Klick… klick… klick…

Die Erkenntnis

Es war schon erstaunlich zu beobachten, wie einfach es Kindern im Alter von 8 Jahren gefallen ist zu verstehen, dass es einen Zusammenhang zwischen der zur Verfügung stehenden Geldmenge und der vorhandenen Menge einer Ware gibt. Natürlich haben die Kinder auch verstanden, warum alles teuer werden muss und dass der elementare systematische Fehler darin liegt, dass mein „Arbeitslohn“ – der Zins – gar nicht vorhanden ist und im Anschluß geschöpft werden muss. Wie war das noch gleich? „Voll gemein…“ – ganz genau. So sieht‘s aus.

Ich wollte die Kinder in dem Moment nicht überfordern und habe mich mit deren Erkenntnis zufrieden gegeben, dass es beim derzeitigen Geldsystem einen immanenten Fehler gibt und es so nicht funktionieren kann. Die fundamentale Erkenntnis der Kinder, dass die Geldmenge sich bei einem System in dem es einen Zins gibt zwangsläufig vermehren muss und dem entsprechend auch der Preis für eine Ware steigen muss, war für mich bis dorthin gut genug.

Die haben bei dem Kiwi-Beispiel mit ihren 8 Jahren sogar verstanden, welche Auswirkungen dies auf die Wertgestaltung eines Produktes oder einer Leistung hat:

Doppelte Warenmenge = halber Preis / doppelte Geldmenge = doppelter Preis.

Dass es sich darüber hinaus noch um eine Exponentialfunktion handelt, ist dann aber wohl Teil einer weiterführenden Lektion. Da werde ich auf das bekannte Schachbrett-Konzept zurückgreifen und den Dreien werden in der altersbedingten Ermangelung von systemischer Indoktrinierung und Verblendung vermutlich die Augen aufgehen.

Selbst auf die Gefahr hin, dass sie später in der Schule unter Umständen anecken werden, für den Moment gebe ich mich jedenfalls damit zufrieden, dass sie die grundsätzliche Ursache des Fehlers begriffen haben. Hauptsache sie lernen, ihr Gehirn für das zu benutzen, wozu es gedacht ist – nämlich zum Denken, um dann im Anschluß die richtigen Fragen stellen zu können.

Fazit

Die Geldmenge wächst, verursacht durch den Zins, zwangsläufig und unvermindert und da die Produktion von Gütern und Dienstleistungen irgendwann mit dem exponentiellen Wachstum nicht mehr Schritt halten kann, sind alle Produkte und Leistungen dazu verdammt, zumindest vom Zahlenbegriff her „teurer“ zu werden (was selbstredend mit dem wahren Wert der Ware nichts zu tun hat).

Die Rechnung kann nicht aufgehen und selbst 8-jährige sind in der Lage das zu kapieren!

Warum in aller Welt sind erwachsene Leute, die täglich mit Geld hantieren und sich keinerlei Gedanken darüber machen, nicht in der Lage den Fehler im System zu begreifen???

Ich weiß natürlich, dass dies in vielerlei Hinsicht viel zu kurz greift. Aber wenn die allgemeine Bevölkerung wenigstens verstehen würde, dass hier ein systematischer Fehler vorliegt, dann wäre das schon ein unverzichtbarer Erkenntnisgewinn.

Wie stellte mein 8-jähriger Sohn so treffend fest:

Voll gemein…!

Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

***

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Scepticide
Scepticide
12. Nov. 2014 22:59

Hallo,

es ist nicht zustreffend, daß sich die Menschen um den Wert der Waren gestritten haben, verhandelt haben sie sicher. Und auch das Geld diente nicht der Überwindung von Streitigkeiten über den Tauschwert einer Ware, denn (im Orient) verhandelt man trotz Geld noch immer und hier im Westen läuft die Verhandlung über die unsichtbare Hand des Marktes.

Der wirkliche Grund also für die Entwicklung des Tauschhandels hin zu einem Geldsystem war die irrsinnige Anstrengung (vor allem bei nicht sehr haltbaren Gütern) genau denjenigen zu finden, der genau die Ware wollte, die man hatte und der die Ware hatte, die man wollte.

Im Englischen nennt man das „Coincedence of Wants“. Ein Tauschmittler, der zudem noch haltbar ist und schwierig zu erlangen ist, konnte hier Abhilfe schaffen.
Man hat es also mit haltbaren und nützlichen Sachen versucht, einigermaßen erfolgreich dürften Felle als (luxuriöse) Kleidung oder Nutzvieh sowie Salz gewesen sein.

Gold und Silber spielten vor allem als sakrale Elemente eine wichtige Rolle, denn die Metalle wurden wegen ihrer Farbe dem Sonnen- und dem Mond zugeordnet, die gleichzeitig als Götter verehrt wurden. Die Metalle wurden zudem damals in der Regel nicht verbraucht, sie wurden gehortet, zu Schmuck verarbeitet und zu Münzen, die dann als normierte Gewichtseinheiten im jeweiligen Kulturkreis schnell als Tauschmittel einsetzbar waren.
Die sakrale Bedeutung von Gold und Silber war kulturübergreifend vorhanden, irgendwie müssen die Menschen geahnt haben, woher sie kommen. Dieses Metall-Geld, insbesondere Silber, war mindestens seit 5000 Jahren im Gebrauch.

Seit etwa 1971, ein Zeitalter, daß in etwa mit der rasanten Entwicklung des Computer einher ging, wurde dieses „barbarische Relikt“ überwunden. Der eigentliche Grund war aber nicht Barbarei sondern die schlichte Gold-Pleite der USA.