Sprachmuster-Erkennung: Zeit sich wieder einmal zu fürchten

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Ein Beitrag vom Nachtwächter am 21.11.2014


Das Ende der Privatsphäre wurde in den Vereinigten Staaten sowohl durch Technologie, als auch vorsätzlich herbeigeführt. Jene die behaupten, da gäbe es nicht viel Neues – die Regierung liest die Post und hörte zum Beispiel Telefonate und Gespräche von Amerikanern unter COINTELPRO von 1956 bis mindestens 1971 ab – begreifen nicht in vollem Umfang die Auswirkung von Technologie.

Größe macht einen Unterschied

Das Spionieren und das Zusammenstellen von Informationen über unschuldige Amerikaner durch J. Edgar Hoovers Low-Tech-FBI ist bestens bekannt. Geheim beschaffte Akten, Aufnahmen und Fotos haben die Leben von führenden Bürgerrechtlern, populären Musikern und Anti-Kriegs-Protestanten in allen Einzelheiten offengelegt. Ihnen fallen sicher weitere Beispiele ein, oder die sind dann einfach Teil der nächsten veröffentlichten Snowden-Dokumente.

Die Technologie, die jetzt von der NSA und anderen innerhalb der USA zum Einsatz gebracht wird, hat vorher noch nicht existiert, weder in dem Umfang, dieser Reichweite, oder schlicht mit derartiger Effizienz. Größe macht einen Unterschied. Wir sind die ersten Menschen der Weltgeschichte, die sich mit dieser Art Bedrohung der Privatsphäre auseinandersetzen müssen. Selbst die Vermeidung des größten Teils der sich unkontrolliert ausbreitenden Digitalisierung bedeutet im Wesentlichen, sich von der Gesellschaft zurückzuziehen.

Sprachmuster-Erkennung

Die Finanzdienstleistungs-Firma, bei der ich meine überschaubaren Investments habe, hat vor kurzem ein neues Feature eingeführt. Wenn ich über das Smartphone auf meinen Account zugreifen möchte, habe ich nun die Möglichkeit, anstatt eines erratbaren oder stehlbaren Passwortes, eine Sprachmustererkennungs-Identifizierung zu kreieren. Ich sage einen speziellen Satz, der digital verschlüsselt und von der Firma gespeichert wird. Wenn ich auf meinen Account zugreifen möchte, sage ich schlicht den Satz, da die Parameter der eigenen Stimme so einzigartig sind, wie ein Fingerabdruck. Die Firma vergleicht meinen Satz mit dem gespeicherten Beispiel und wenn sie übereinstimmen, bin ich drin.

“Wir haben viele Tests gemacht und auch Geschwister geprüft, selbst Zwillinge.“, sagt ein Sprachmustererkennungs-Analyst. “Selbst Menschen mit Erkältung haben wir getestet.“. Die Ergebnisse sind eindeutig: Unsere Stimme ist ein weiterer biometrischer Faktor, genau wie die DNA, Finger- und Handabdrücke, Iris-Muster, Gesichtserkennung und dergleichen. Spracherkennung ist genau jene Technologie, die zum Einsatz kommt, wenn die Medien berichten, dass die CIA die jüngste Bekanntmachung des aktuellen VIP-Terroristen “authentifiziert“ hat.

Aber anders als jene Maßnahmen, welche noch einen gewissen Kontakt, die Gegenwart oder Verbindung zwischen einem selbst und dem Datensammler erfordert, kann auf Stimmen von überall auf der Welt aus der Ferne zugegriffen werden, und zwar vollständig ohne Ihre eigene Kenntnis darüber. Führen Sie ein Telefongespräch, unterhalten Sie sich mit irgendjemandem, benutzen Sie Skype oder schreien Sie aus dem Fenster heraus und Sie werden gehört. Ihre Identität kann gespeichert und mit jenen anderen Gelegenheiten abgeglichen werden, bei denen Sie ein Telefongespräch geführt haben, sich mit jemandem unterhalten haben, Skype benutzt haben oder aus dem Fenster geschrien haben.

In dem Moment macht es keinen Unterschied, ob Sie ein wegwerf-Telefon benutzen, dass Sie in bar bei einem Fremden an einer Straßenecke in Istanbul gekauft haben. Sie hinterlassen einen anonymen Hinweis auf einer betrügerischen Hotline. Oder auch, wenn Sie einem Journalisten irgendwelche Vergehen der Regierung stecken. Die Sprache wird mit dem gespeicherten Beispiel verglichen und wenn sie passen, sind Sie drin. … Oder eben auch draußen.

Hier und jetzt

Die Technologie der Sprachmustererkennung kommt weltweit regelmäßig zum Einsatz. Associated Press berichtete darüber, dass die größte bekannte Einzel-Anwendung von der Türkei durchgeführt wird, wo ein Mobil-Telefonanbieter Sprachmuster von 10 Millionen Kunden gesammelt hat. Dem nicht besonders weit nachstehend, benutzen US-Strafverfolgungsbehörden die Technologie zum Abhören von Anrufen von Gefangenen aus dem Gefängnis, um frei herumlaufende unter Bewährung stehende Straftäter zu verfolgen.

In Neuseeland behauptet die Steuerbehörde, eine Millionen Sprachmuster gespeichert zu haben und der zuständige Minister sagt: “Das ist die höchste Anzahl an aufgenommenen biometrischen Sprachmustern je Einwohner in der Welt.“. In Süd-Afrika wurden von der Sozialversicherungsagentur sieben Millionen Sprachmuster gesammelt, zum Teil um zu überprüfen, ob die Bezieher von Renten noch am Leben sind. Weltweit befinden sich geschätzte 65 Millionen Sprachmuster als gespeicherte Datei in den Händen von Unternehmen.

Man darf gerne weiter spekulieren. In den Vereinigten Staaten, wo die NSA sich damit rühmt “absolut alles zu sammeln“, erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass “alles“ nicht auch Sprachmuster beinhaltet. Geben Sie Ihrem inneren Verschwörungstheoretiker etwas Raum; Schaltkreise zum Sammeln und Weiterleiten von Sprachmustern könnten durchaus heimlich in nahezu jedes Audiogerät da draußen eingebaut sein, vom Bluetooth bis zum Mikrofon.

Direkt vom Verkaufsregal

Die Spracherkennungs-Technologie ist direkt aus dem Ladenregal verfügbar. Vielleicht kennen Sie einen Anbieter bereits: Nuance Communications. Unter anderem stellen die die bekannte Dragon Speaking-Software her, die es Benutzern von Home-Computern erlaubt, gesprochene Worte in Text in einem Dokument zu konvertieren.

Die Firma ist recht stolz auf ihre Spracherkennungs-Technologie. Schauen Sie sich deren Webseite an. Und hey, wie klein die Welt doch ist – Nuance verkauft auch eigene Mikrofone und Bluetooth-Headsets.

Es gibt viele weitere Unternehmen, die Sprachmustererkennungs-Technologie über den Ladentisch verkaufen, hier nur ein weiteres Beispiel.

Die Neue Weltordnung

Alles, worauf zugegriffen werden kann, kann auch kontrolliert werden. Was gesammelt werden kann, kann auch gespeichert werden. Was gespeichert werden kann, kann geleaked, gehackt, geteilt und benutzt werden. Was benutzt werden kann, nun ja, kann benutzt werden. Also, seien Sie nächsten Sonntag ein guter Sohn, oder eine gute Tochter, und rufen Sie Ihre Mutter an, um einfach mal Hallo zu sagen. Aber sprechen Sie bitte langsam und deutlich.

>>> zum englischsprachigen Original-Artikel bei We Meant Well


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h.v.weyde
h.v.weyde
21. Nov. 2014 20:32

“Ich fordere, dass die Dummheit der Massen endlich abgeschafft wird.
Denn nicht die wenigen 10.000 Psychopathen sind unser Problem, sondern
die 7 Milliarden Dummköpfe, die sich lieber Fußball, DSDS & Co
reinpfeifen, anstatt sich um ihre ureigensten Angelegenheiten zu
kümmern”. (Buro Tanic, Mitglied des Europäischen Parlaments)
Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben, an Deines Volkes Auferstehn.
Laß niemals Dir den Glauben rauben, trotz allem, allem was geschehn.
Und handeln sollst Du so, als hinge von Dir und Deinem Tun
allein das Schicksal ab der deutschen Dinge, und die Verantwortung wär
Dein.“ Albert Mattäi
http://www.youtube.com/watch?v=z4b0yTwP24I

cource
cource
21. Nov. 2014 21:13

und wie so klingen manche stimmen am telefon zum verwechseln ähnlich ?

Tantchen
Tantchen
11. Jan. 2015 18:33
Antwort an  N8waechter

Das Hörorgan des Ohres kann, nur um einen Vergleich zu Schaffen, ca. 32.000 mögliche Reize im Klang, die Retina des Auges dagegen mehrere Millionen optische Reize unterscheiden.

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[…] bei We Meant Well: “Voiceprints: Time to be Afraid Again” – Übersetzt vom Nachtwächter, mein Dank sagt Maria […]

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[…] rote Flaggen auslösen. Wenn dann noch die Audio-Kommunikation dazukommt (wie das funktioniert: HIER), dann werden die für 2013 ausgegebenen 52,7 Milliarden US-Dollar, allein für den “weißen“ […]

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[…] [Facial Recognition / Gesichtserkennung. Bekannt u.a. als Sicherheits-Feature von modernen Smartphones, wird diese Technik auch zur Profilerstellung genutzt. Mehr Informationen zur Profilerstellung und zur Total-Überwachung gibt es hier: “Die perfekte Bestellung“ und hier: “Sprachmuster-Erkennung: Zeit sich wieder einmal zu fürchten“] […]

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[…] kennen wir unter anderem von Smartphones, über Sprachmuster-Erkennung haben wir vor kurzem berichtet, Bewegungsprofile, Persönlichkeitsprofile; die Auswertung wird ökonomischerweise vermutlich […]

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[…] allem, was Echo kann, ist es zum Teil der Familie geworden”. Ein Gerät mit hochmoderner Voice-Recognition-Technologie, dass 24/7 mit der Cloud verbunden ist und nicht nur Antworten auf alle Fragen hat, sondern sogar […]

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[…] Unternehmen wurden ebenfalls beschuldigt, Spracherkennungs-Software zum ausspionieren von Unterhaltungen zu nutzen. Letzten November berichteten wir über Samsungs […]

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[…] Sprachmuster-Erkennung, Pizza-Order per Augenscan, Jibo, Echo…, die heutige High-Tech-Welt ist voller Gerätschaften, die auf den ersten Blick sehr dienlich sein mögen, bei genauerem Hinsehen jedoch ein unbestritten hohes Überwachungspotenzial mitbringen. Die Welt ist längst zu einem Bourne-Planeten geworden und die breite Masse ist sich darüber in keiner Form bewusst. […]

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[…] per Augenscan oder Skype, “Was-geht-ab“, Fakebook und dergleichen, die Technologie der Sprachmustererkennung ist derart fortgeschritten, dass im Prinzip jeder, der in irgendeiner Form von moderner Technologie […]