Nukleares Tic-Tac-Toe

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Ein Beitrag vom Nachtwächter am 26.11.2014


Kann es wirklich keinen “Sieger“ geben?

Der Donald Cook-Vorfall

Nicht nur alternative Medien haben über den Vorfall berichtet, bei dem der US-Zerstörer U.S.S. Donald Cook im April dieses Jahres von einem russischen SU-24-Bomber beim ersten Überflug elektronisch vollkommen lahmgelegt wurde. Die Donald Cook ist ein Kampfschiff der jüngsten Generation und mit dem hochmodernen Nachfolger des in den 1970er Jahren entwickelten “Aegis“-Systems ausgestattet, welches angesichts der Fortschritte bei Technologie und Kriegsführung heute effektiver sein sollte, als jemals zuvor.

Nun war die SU-24 bei dem Zwischenfall unbewaffnet und trug einzig eine elektronische Stör-Apparatur mit sich und schaltete bereits beim ersten Überflug die Ziel-Elektronik des Zerstörers aus. Danach flog der russische Bomber 12 Scheinangriffe, was nach dem Abdrehen und Einlaufen der Donald Cook in einen rumänischen Hafen angeblich 27 Marine-Soldaten dazu veranlasst haben soll, ihr Entlassungsgesuch einzureichen.

Ria Novosti zitiert Pawel Solotarjow, Stellvertreter des Direktors des Instituts für USA und Kanada der Akademie der Wissenschaften Russlands, in einem Artikel vom 21. April 2014 mit den Worten:

“Es handelte sich um eine recht originelle Demonstration. Ein Frontbomber ohne jegliche Bewaffnung, jedoch mit Apparaturen für die funkelektronische Niederhaltung der Funkmessmittel des Gegners an Bord, trat gegen einen Zerstörer an. Jener war mit dem modernsten Luft- und Raketenabwehrsystem ausgerüstet. Doch hat dieses mobile, in diesem Fall ein bordgestütztes System, einen wesentlichen Mangel aufzuweisen. Das sind die Möglichkeiten für die Zielbegleitung. Solche Systeme bewähren sich gut, wenn es sich um mehrere Schiffe handelt, wenn man ihr Vorgehen irgendwie koordinieren kann. In diesem Fall ist es aber nur ein einziger Zerstörer gewesen. Und allem Anschein nach hat der Algorithmus für das Funktionieren der Funkmessmittel auf dem Zerstörer im System ‚Aegis’ beim Einsatz des russischen Systems zur funkelektronischen Niederhaltung an Bord der Su-24 nicht angesprochen.“

“Originelle Demonstration“ – die Untertreibung des Jahrzehnts!

In der Tat, denn wenn ein einzelnes Flugzeug in der Lage ist, einen der angeblich modernsten Zerstörer der US-Flotte mit elektronischen Mitteln wehrlos zu machen, was würde diese Art von technischer Überlegenheit dann im Ernstfall bedeuten? Allein die Tatsache, dass der Pilot der SU-24 unbehelligt ganze 12 Scheinangriffe geflogen ist, spricht eine deutliche Sprache.

Was jedoch bedeutet dieser Zwischenfall für das militärische Kräfteverhältnis und die jüngst wieder aufkeimenden Ressentiments der kalten Krieger der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts?

“Schwarze Löcher“

Am 14. August 2014 berichtete FoxNews von einem russischen Angriffs-U-Boot der “Akula“-Klasse, welches wochenlang im unentdeckt im Golf von Mexiko gekreuzt hatte.

“Die [US-]Navy hat die Aufgabe Unterseeboote aufzuspüren, besonders jene, die in der Nähe von US-U-Booten mit nuklearen Raketen fahren, und benutzt Untersee-Sensoren und Satelliten um sie zu lokalisieren und zu verfolgen. Die Tatsache, dass das Akula im Golf [von Mexiko] nicht entdeckt wurde, gibt nach Angaben von US-Offiziellen Grund zur Besorgnis.“, so FoxNews.

Die Akula-Klasse wurde in den 1980er Jahren unter Sowjet-Regie gebaut und ab 1996 Stück für Stück außer Dienst gestellt. Die neuere Generation russischer U-Boote wird unter US-Fachleuten “Black Holes“ genannt, also Schwarze Löcher, was durchaus ein treffendes Synonym für ein nicht aufspürbares Feindgerät ist. Unterseeboote mit derartiger Stealth-Technologie haben also die Möglichkeit, sich unbemerkt unmittelbar vor den US-amerikanischen Küsten zu bewegen.

RT in einem Bericht vom 28.11.2013:

Die Novorossiysk gehört der Varshavyanka-Klasse (Projekt 636) an, welche über fortschrittliche Stealth-Technologie verfügt, die es faktisch unaufspürbar macht, sobald es abgetaucht ist. „Unsere potenziellen Gegner nennes es das ‘Schwarze Loch‘, wegen der sehr geringen Geräuschentwicklung und Sichtbarkeit des Unterseeboots.“, so Konstantin Tabachny, Kapitän auf der Novorossiysk gegenüber Channel One TV. „Unauffindbar zu sein ist die wichtigste Aufgabe für ein U-Boot und dieses ganze Projekt erfüllt wirklich seine Aufgabe.“

Die Novorossiysk ist ein diesel-betriebenes Stealth-Jagd-U-Boot der Kilo-Klasse und in diesem Jahr für Operationen im Schwarzen Meer in Dienst gestellt worden. Das Boot wurde für den Einsatz nahe der eigenen Küsten entwickelt, verfügt jedoch nicht über nukleare Träger.

Die Moscow Times am 17. September 2014:

Durch ein Update des Designs des diesel-elektrisch-betriebenen Kilo-Klasse-U-Boots ist die Novorossiysk leiser, als die meisten nuklear betriebenen U-Boote, die Russland unterhält, wie die neuen Yasen-Klasse Angriffs-U-Boote, die für die Nordmeerflotte gebaut wurden.

Taktisches Säbelrasseln

In den vergangenen Wochen und Monaten häuften sich Berichte über russische Bomber und Jagdflugzeuge, die von NATO-Flugzeugen in internationalem Luftraum “abgefangen“ wurden. Der russische Verteidigungsminister Sergei Shoigu wird in einem Bericht von Yahoo News Canada zitiert:

Russische Langstreckenbomber werden Flüge entlang der russischen Grenze und über der Arktischen See durchführen. Er sagte: „In der derzeitigen Situation müssen wir die Militärpräsenz im westlichen Atlantik und im Ost-Pazifik aufrechterhalten, sowie in der Karibik und dem Golf von Mexiko.“

Sputnik News berichtet am 05.11.2014:

Ein russisches Atom-U-Boot der Nordmeerflotte hat am Mittwoch eine interkontinentale Testrakete aus der Barentsee auf die weit im Osten liegende Kura-Range auf der Halbinsel Kamtschatka abgefeuert, so das russische Verteidigungsministerium in einer Erklärung vom Mittwoch.

„Innerhalb der Rahmenbedingungen des Tests der Verlässlichkeit von marinegestützten strategischen Nuklearkräften, hat das Tula [Atom-U-Boot] eine Sineva-Interkontinentalrakete aus der Beringsee mit Ziel der Kura-Range [in Kamtschatka] gestartet“, so die Erklärung.

Kalter oder Heißer Krieg?

Es macht den Anschein, dass der russische Bär sich das Hegemonial-Verhalten der Vereinigten Staaten nicht länger bieten lassen will. Es wird derzeit kräftig mit dem Säbel gerasselt; die Temperatur steigt unübersehbar.

Russland ist technisch in der Lage, hochmoderne U.S.-Raketen-Zerstörer kaltzustellen und im Ernstfall ohne nennenswerten Widerstand zu versenken. Russland verfügt über U-Boote, die von der US-Navy nicht detektiert werden können und kann sich demnach weitestgehend frei bis vor die Küsten der Vereinigten Staaten heranschleichen. Weiter präsentiert Russland die Einsatzfähigkeit ihrer unterseegestützten Interkontinentalraketen.

Was lässt sich allein aus diesen wenigen Aspekten schlußfolgern?

Wenn Russland Ernst macht, besteht durchaus die Möglichkeit, dass russische Stealth-U-Boote direkt vor der US-amerikanischen Küste ihre Raketen in Stellung bringen und wenn sie den Feuer-Befehl bekommen, werden die US-Streitkräfte mangels Reaktionszeit nicht einmal Gelegenheit bekommen, in größerem Umfang Gegenmaßnahmen einzuleiten. Darüber hinaus hat Russland der Öffentlichkeit präsentiert, dass etwaige Gegenmaßnahmen technisch in einer Weise gestört werden können, dass sie sich als vollkommen nutzlos erweisen.

Es wird Zeit für die NATO und die USA mit dem Fuß auf die Bremse zu steigen. Die jahrzehntelangen Provokationen gegen Russland, die NATO-Osterweiterung, die Einmischung in regionale Konflikte unter der Weltherrschaftsdoktrin der neokonservativen Falken heizt die agitative Stimmung unter den größten Nuklear-Mächten gefährlich an.

Insbesondere der große “Feind“ USA läuft Gefahr, dem Erdboden gleich gemacht zu werden, ohne gegenhalten zu können. Unter den gegebenen Umständen würde WOPR sicherlich nicht mehr zwingend schlussfolgern:

„Ein seltsames Spiel. Der einzig gewinnbringende Zug ist, nicht zu spielen.“

Und wie sang Sting im Jahr 1985 noch gleich?

“I hope the Russians love their children too…“

Bleibt zu hoffen, dass Gleiches auch für die Amerikaner gilt.

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