Warum Putin den Kalten Krieg gewinnt?

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Ein Beitrag vom Nachtwächter am 01.12.2014


Die USA wollen Russland zu Fall bringen, aber sie kommen nicht an Wladimir Putin vorbei.

Von Rakesh Krishnan Simha

Es gibt 7,2 Milliarden Menschen auf diesem Planeten, aber die Vereinigten Staaten fürchten sich nur vor einem: Wladimir Putin. Das ist so, weil der russische Präsident an nahezu jeder Front des Neuen Kalten Kriegs die gemeinsamen Herausforderungen des Westens auseinandernimmt. Furcht kann einen seltsame Dinge tun lassen – im zweiten Jahr in Folge hat das Forbes Magazine Putin als die mächtigste Person der Welt betitelt.

Es wird über die Russen gesagt, dass sie sich lange Zeit nehmen, um ihr Pferd zu satteln, aber sie reiten es verdammt schnell. Nachdem er geduldig die kollabierte russische Wirtschaft von 1999 bis 2007 gesund gepflegt hat, hat Putin nun angefangen, sich gegen die westliche Einkreisung seines Landes zur Wehr zu setzen. In Syrien, auf der Krim und in der Ukraine hat der Westen erniedrigende Rückschläge erlitten und zusehen müssen, wie seine Herangehensweise in sich zusammengeschmolzen ist. Beim hohen Einsatz im Spiel um die Energie werden es russische – nicht westliche – Pipelines sein, die die Eurasische Landmasse dominieren werden.

Statt jedoch das Ergebnis halten zu wollen, wäre es seine lehrreichere Übung zu versuchen zu verstehen, wie Putin es geschafft hat, Russland im Spiel vorne zu halten.

Mehr als jeder andere Führer, versteht der russische Präsident durch seine KGB-Erfahrung, wie die USA vorgehen. Der amerikanische Modus Operandi – in Abstimmung mit den Briten – ist es, Coups, Rebellionen und Gegen-Revolutionen in Ländern zu organisieren, in denen nationalistische Führer an die Macht kommen. Iran, Chile, Ecuador, Venezuela, Panama und Ukraine sind die klassischen Beispiele.

John Perkins schreibt in seinem Buch ‘Bekenntnisse eines Economic Hit Man‘ (2004), wie er und andere “Hitmen“ als Consultants in Entwicklungsländer geschickt wurden, um Diplomaten, Wirtschaftler, Verwalter und Politiker zu bestechen oder zu zwingen, dem Geheiß der USA zu folgen. Oft hatten sie damit Erfolg, aber wenn es fehlschlug, dann wurden “Jackals“ – professionell ausgebildete Attentäter – von der CIA geschickt, die die Tode von jenen einrichteten, die der vollständigen amerikanischen Dominanz im Wege standen.

Dieser Doppelschlag durch Economic Hitmen und Attentäter war so effektiv bei der Erzeugung von Bananenrepubliken, dass die USA selten nochmal nachlegen mussten. Zu den seltenen Anlässen, bei denen die USA das Militär zur Verfolgung wirtschaftlicher Ziele einsetzen mussten, gehören der Irak und in gewissem Umfang auch Libyen.

Putin weiß, dass die USA einen Regime-Wechsel in Russland versucht haben – und auch weiter versuchen werden. Als ehemaliger, in Ost-Deutschland stationierter KGB-Mitarbeiter, weiß er, dass die Hitmen nach einer Gelegenheit Ausschau halten. Das ist exakt der Grund, warum er gefährliche Agenturen wie US-AID und die British Council – beide vorderste Linien der anglo-amerikanischen Geheimdienste – aus dem Land geworfen hat.

“Was man verstehen muss ist, dass er insbesondere Gegenspionage studiert hat, was der Schlüssel zum Verständnis ist, warum er ein entscheidender Spieler ist.“, schreib Joaquin Flores auf der Webseite von Center For Sycretic Studies. “Gegenspionage bedeutet nicht nur Spione zu finden, sondern tatsächlich der Arbeit von anderen Agenten, die eingebettet sind, oder deren Arbeit die eigene Einbettung zur Zerstörung von innen heraus beinhaltet, entgegenzuwirken.“

Neben den amerikanischen Black-Ops läuft ein nackter Krieg. Die US-Wirtschaft – und die ihres Handlangers Britannien – ist eine Kriegswirtschaft. Der Kreml-Berater Sergei Glazyew sagte bei einem runden Tisch in Moskau im Juni: „Die Amerikaner waren Nutznießer von jedem Krieg in Europa – dem ersten Weltkrieg, dem zweiten Weltkrieg, dem kalten Krieg. Die Kriege in Europa sind das Mittel ihres Wirtschaftswunders, ihrer eigenen Prosperität.“

Die fortlaufenden Scharmützel in der Ukraine sind eindeutig ein Vorwand, um Russland in eine direkte militärische Konfrontation mit den ukrainischen Streitkräften zu ziehen, um einen regionalen Krieg in Europa zu kreieren.

Russlands Antwort darauf ist zweigleisig. Einerseits weigert es sich, sich auf eine kriegerische Auseinandersetzung mit den ukrainischen Gangstern einzulassen, was die Amerikaner frustriert. Washingtons Untätigkeit in der Ukraine wurde auf brillante Weise durch einen chinesischen General als ein Symptom von Amerikas strategischer “erektiler Dysfunktion“ beschrieben.

Zum Zweiten verwendet Putin asymmetrische Strategien, um das amerikanische Imperium aufzuhalten und letztlich zu Fall zu bringen. Ein Schlüsselelement dieser Strategie ist, den Hauptstützpfeiler der amerikanischen Macht anzugreifen – den Dollar. Russland, unterstützt von den befreundeten BRICS-Mitgliedern China, Indien, Brasilien und Südafrika, wendet sich vom Dollar-dominierten Handel ab; ein Schritt, der die kaum noch wachsende amerikanische Wirtschaft ernsthaft beeinflussen wird.

Das Finanzportal Zero Hedge dazu:

“Glazyews Reihe von Gegenmaßnahmen nehmen insbesondere die Kernstärke der US-Kriegsmaschinerie ins Visier, sprich die Druckmaschine der FED. Putins Berater schlägt die Kreation einer ‘umfassenden Anti-Dollar-Allianz‘ von Ländern vor, die willens und in der Lage sind, den Dollar aus ihrem internationalen Handel auszuschließen. Mitglieder der Allianz würden auch davon Abstand nehmen, Währungsreserven in in Dollar ausgezeichneten Instrumenten zu halten. Eine Anti-Dollar-Koalition wäre der erste Schritt hin zur Kreation einer Anti-Kriegs-Koalition, die dazu beitragen kann, die US-Aggression zu stoppen.“

Die Ukraine könnte sich tatsächlich als Auslöser für die Trennung Europas von den USA erweisen. Der Grund ist, dass die Sanktionen gegen Russland Unternehmen in Deutschland und anderen westlichen europäischen Ländern bedroht, die über die letzten zwei Jahrzehnte tiefgehende Verbindungen mit der russischen Wirtschaft aufgebaut haben. “Ziemlich überraschend für Washington; der Krieg um die Ukraine könnte bald zu einem Krieg um Europas Unabhängigkeit von den USA und einem Krieg gegen den Dollar werden.“, sagt Zero Hedge.

Moskau drängt auch auf institutionelle Veränderungen. Die $ 100 Milliarden schwere New Development Bank, mit im Besitz der BRICS, wird nicht nur den Einfluss westlicher Kredithäuser beeinflussen, sondern auch den Geldfluss aus den Entwicklungsländern in den Westen stoppen.

Das derzeitige Kreditsystem ist zugunsten westlicher Länder verzerrt, weil Kredite der Weltbank und des IMG mit einem Korb von Bedingungen daherkommen. Wenn die beiden zum Beispiel einen Kredit anbieten, kann dieser nur dafür benutzt werden, Güter und Dienstleistungen ausschließlich vom Westen zu beziehen. Oder der Kredit kann ausschließlich für den Bau von Staudämmen genutzt werden, nicht aber für, sagen wir mal, Trinkwasser-Anlagen.

Selbstverständlich müssen die Expertise und Materialien für den Bau von Dämmen aus den USA und Europa kommen und wenn die Trinkwasserversorgung mangelhaft bleibt, dann schafft das Bedarf für hauptsächlich in westlichem Besitz befindliche Colas und Flaschenwasser. Die neue Bank wird den Westen demnach dort treffen, wo es am meisten weh tut: im Portemonnaie.

Während Putin alle richtigen Schritte auf dem geopolitischen Schachbrett unternommen hat, haben seine Widersacher nicht faul herumgesessen und dabei zugesehen, wie sich ihr Imperium zerlegt. Auf den russischen Rubel wird eingeschlagen, selbst während der Ölpreis von den Saudis im Auftrag ihrer amerikanischen Lehnsherren zu Boden getrieben wird. Dies ist keine Überraschung. Die Amerikaner werden schonungslos versuchen Russland zu schwächen, da es das einzige Land ist, dass zwischen Washington und der Weltherrschaft steht.

Wie auch immer, Putin ist ein Judoka und weiß, wie man die Kraft des Gegners gegen ihn selbst einsetzt. Er weiß, dass die unschuldigen Jugendjahre des Westens vorüber sind und er nicht in der Position ist, es mit dem russischen Militär aufzunehmen. Er begnügt sich damit zuzusehen, wie die Amerikaner sich strategisch überdehnen, indem sie es mit Russland aufnehmen und gleichzeitig versuchen, den unaufhaltsamen Aufstieg der BRICS in Grenzen zu halten.

Putin hat das Glück, dass seine schwergewichtigen Partner bei den BRICS Russland beim Gerangel mit dem Westen weiterhin den Rücken stärken. Sowohl Indien, als auch China bestätigen, dass Moskau legitime Interessen in der Ukraine und auf der Krim hat. Kürzlich haben die BRICS Australien für den törichten Vorschlag angepfiffen, Putin vom G20-Gipfel auszuschließen.

Derartige Rückhaltbekundungen haben Putin dazu ermutigt, dem Westen den Mittelfinger zu zeigen. 2012 hat er lässig den G8-Gipfel ausgelassen und Anfang des Jahres, hat er kaum mit der Wimper gezuckt, als die G8 sich auf G7 verkleinert haben – eine Ausgestaltung von vor dem Kalten Krieg. (Mit Mitgliedern wie Kanada sind die G7 ohnehin ein Witz.)

Wenn die Geschichte eines lehrt, dann dass Russland die Eigenheit hat, seine Feinde zu zermalmen. Nach Napoleon und Hitler könnten jetzt die Amerikaner an der Reihe sein zu erkennen, wie gefährlich es ist, den Bären in die Enge zu treiben.

>>> zum Original-Artikel bei Global Research


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Wirtschaftskrieg
Wirtschaftskrieg
1. Dez. 2014 17:31

Es gibt noch verschiedene andere strategische Folgen, die sich im Zusammenhang mit dem Wirtschaftskrieg ergeben.

Der Öl-Preisverfall macht Russland sehr zu schaffen und reduziert ihren Handlungsspielraum. Allerdings sind hiervon generell alle Ölstaaten betroffen. Die USA werden hier Probleme beim Fracking bekommen, da der Break-even bei ca. 70 / 75 $ liegt.

Gravierender für die USA ist jedoch die systematische Abkehr von Petrodollar. Wir erleben hier derzeit die letzten Zuckungen des US-Dollar als Weltwährung. Die zunehmende weltweite Abkehr von Dollar hat enorme wirtschaftliche Folgen für die USA, da sie sich nicht mehr so billig verschulden und ihre Geldmenge ausweiten können.

Was vielfach nicht beachtet wird, ist die deutlich höhere Verschuldung der westlichen Staaten (inkl. USA) im Vergleich zu Russland. Was passiert wenn die Zinsen wieder steigen? In diesem Fall geraten die westlichen Staats-Etats aufgrund der höheren Zinszahlungen gewaltig unter Druck !

Ferner sollte man die zunehmenden wirtschaftlichen Verknüpfungen der BRICS-Staaten im Auge behalten. Die EU hat nach der Inkrafttretung der Russland-Sanktionen sofort Leute nach Südamerika geschickt damit die EU-Sanktionen nicht unterlaufen werden. Russland hat mittlerweile vielen (nicht EU-)Staaten ihre Geschäftsbeziehungen intensiviert, u.a. ist der Lebensmittelexport von der Türkei nach Russland um rund 60 % angestiegen. Hier könnte das Resultat sein, dass für die EU langfristig der ganze russische Markt wegbricht.

red
red
2. Dez. 2014 3:15

vollkommen richtig!
leider
US schuetzt sich auf unsere Kosten:

http://globalfire.tv/nj/14de/globalismus/12nja_merkel_weitete_ddr_auf_brd_aus.htm

Juri
Juri
4. Dez. 2014 17:51

Wie Wladimir Putin richtig gesagt hat, der Bär wohnt in der Taiga, er lässt sich die Taiga nicht nehmen, er wird auch nicht woanders hingehen. Es ist ihm dort nicht gemütlich.
Der Mann ist genial intelligent, Gott möge ihm viel Kraft und Gesundheit geben, um die blöden Amis noch länger in den Arsch zu treten! Hoffentlich erlebe ich das noch,
es wird mir ein großes Vergnügen!