Deutsche Bundesanleihen: Lange Laufzeiten – Dicke Verluste (2v2)

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Ein Beitrag vom Bondaffen am 26.05.2015


Teil 2 von 2

XXLANGE Laufzeiten

Der Bondaffe sagt...30 Jahre Inflationserwartungen – günstig Schulden kaufen im Zinszyklus – kontroverse Zinsniveaus – sind ewige Schulden mit Rollieren möglich? – wenn die EZB an Einfluss verliert.

Frage an Radio Eriwan: Ist der Anleger immer der Extra-Inflations-Dumme wenn er in extra langen Laufzeiten investiert?

Antwort: Im Prinzip ja wenn er kein aktives Zinsmanagement betreibt! Denn der Schuldner sollte den größten Nutzen haben. Allein inflationsbereinigt wird der Schuldner viel weniger an Wert bei Fälligkeit der Anleihe zurückzahlen, als er bei Auflage der Anleihe eingesammelt hat.

Ungeachtet dessen wie sich die Inflation entwickelt hat und wie sich die Inflation ähnlich einem Zinseszinseffekt von sich aus in sich vergrößert, liegt wohl die Effizienz an der Messmethode.

ZinseszinsIn 30 Jahren ändert sich vieles an den Berechnungsmethoden, gerade was für den Laien nicht nachzuvollziehende technische Fortschrittseffekte bei der Inflationsberechnung angeht. Nach 30 Jahren Laufzeit dürften sämtliche Inflationseffekte in einem nebulösen Schleier undurchsichtiger, sich gegenseitig beeinflussender, nicht nachvollziehbarer Wechselwirkungen verloren gegangen sein.

Mögen sich also die Statistiker daran erfreuen, der Anleger (oder die Erben des Anlegers) können sich nur am „Wert und der Kaufkraft des Jetzt der Anlage“ orientieren. Beachten Sie: Kaufen Sie jetzt eine 30-jährige Anleihe und wollen diese bis zur Endfälligkeit behalten, kaufen Sie die aktuellen Inflationserwartungen der nächsten 30 Jahre gleich mit.

Sollte im Zeitraum der Laufzeit von 30 Jahren aus irgendeinem Grund eine Währungsreform im Währungssystem des Emittenten der Anleihe durchgeführt werden, bleibt nur noch das „Prinzip Hoffnung“ auf einen Werterhalt des Anlagegeldes.

Schuldenmanagement im Zinszyklus – die raffinierte Version

Steigen die Zinsen, fallen die Kurse. In einem bestimmten Szenario würde es für den Schuldner sogar Sinn ergeben, seine eigenen Schulden zurückzukaufen. Angenommen der Schuldner betreibt ein aktives Zinsmanagement, dann sollte er diese zurückkaufen, wenn die Zinsen hoch sind.

euro coinGlücklich ist somit nicht nur der Investor, der ein absolutes Zinshoch erwischt und dann von steigenden Kursen und fallenden Zinsen profitiert. Auch derjenige, der die Schulden ausgegeben hat, könnte diese viele Prozentpunkte weit unter dem Rückzahlungskurs bei Endfälligkeit von 100% billigst einsammeln – sofern dies in seine zukünftigen Planungen passt und wenn er das Geld dazu hat und willens ist. Einem Finanzminister dürfte dieses Denken fremd sein. Der verschuldet sich lieber neu.

Schuldenmanagement im Zinszyklus – die nicht nachvollziehbare Version

Fallen die Zinsen, steigen die Kurse. Die EZB hält sich aus Sicht des Normalinvestors eher an eine nicht nachvollziehbare antizyklische Version des Zinsmanagements im Zinszyklus. Obwohl sie die Niedrigstzinsen „selbst macht“, kauft sie Staatsanleihen aus dem EURO-Land zu Höchstkursen auf.

Daher kann die antizyklische Version nur etwas mit Systemrettung zu tun haben um eine „gewisse Markttiefe“ herzustellen, sprich um die Märkte mangels Liquidität nicht austrocknen zu lassen. Denn die Verluste und Kursrückgänge der Papiere, die die EZB aufgekauft und im Bestand hat, sind aufgrund der Laufzeitenabschmelzung unabwendbar.

Wenn Kursrückgänge zu Kursverlusten werden

debt stock market crashDie Kursrückgänge im April/Mai 2015 gingen von einem absoluten Höchstniveau aus. Höchstniveau heißt, dass dieses Niveau nur einmal erreicht wird, dann ist Schluss. Ob wir dieses Höchstniveau der Kurse noch einmal erreichen werden, darf bezweifelt werden.

Somit sind die Kursrückgänge der vergangenen Wochen wohl eher als direkte Kursverluste anzusehen, die nicht mehr eingeholt werden können, sollte ein Investor auf Top-Niveau gekauft haben. Ein Kursrückgang kann noch zu einem Kursgewinn werden. Bei Kursverlusten allerdings unterscheidet man nur zwischen „realisiert“ und „nicht realisiert“.

Kontroverse Höchst- und Niedrigstzinsniveaus in EURO-ZINS-Land

EURO-ZINS-Land, das Land der extremen Höchstniveaus im Land der Zinsen. Lassen Sie sich das einmal bewusst werden; lehnen Sie sich kurz zurück und lassen Sie die folgende Aussage wirken.

ezbWährend die Bundesrepublik Deutschland absolute Niedrigstzinsen bezahlt, zahlt das kleine Griechenland Irrsinns-Zinssätze. Und das In der gleichen Währung, im selben Staatenverbund.

Picken wir uns hierzu den hoch interessanten zweijährigen Laufzeitenbereich heraus. Während die Griechen aktuell stolze +23,87% Zinsen bezahlen müssen, beläuft sich die Rendite für zweijährige deutsche Anleihen bei –0,21%. Ich betone MINUS. Die Differenz, der Spread, beträgt sagenhafte +24,08% oder 2.408 Basispunkte und das im zweijährigen Bereich! Was läuft da falsch?

Schwärme von schwebenden Pleitegeiern über den EURO-Ländern formieren sich zum Sinkflug

Angesichts der Schwärme von Pleitegeiern, die EURO-ZINS-Land bereits im Sinkflug überfliegen, sollte das Zinsniveau in allen EURO-ZINS-Ländern viel höher sein. Nur das kleine Griechenland zahlt wohl den wahren Preis für seine Verschuldungsorgien. Die anderen EURO-ZINS-Länder haben es gerade noch geschafft.

Diese Länder haben zwar dieselben Verschuldungsprobleme, nur nicht ganz so arg wie Griechenland. Sie haben aber ihren Vertrauensbonus, den ihnen die Anleger entgegenbringen, auf die EZB abgewälzt. Ohne diesen Schirm des Vertrauens, der den Investoren suggeriert, dass diese Länder noch etwas an haben, würden alle merken das sie bereits nackt dastehen. Nur der Kaiser in dieser Geschichte, und das ist Deutschland, läuft bonitätswürdig und standesgemäß noch in Unterhosen rum.

der kaiser ist nacktNackt bleibt nackt, die fairen Zinssätze im EURO-ZINS-Land würden wir sehen, wenn die EZB den Markt nicht mehr stützt. Dann wären die Zinssätze wohl sogar zweistellig und in manchen Ländern würde vielleicht die zweistellige Rendite wie in Griechenland mit einer „Zwei“ beginnen. Je nach Verschuldungsgrad mit der Berechnungsmethode für die Staatsschuldenquote mit der Formel: “(interne und externe) Öffentliche Verschuldung geteilt durch Bruttoinlandsprodukt“.

Bei welcher Staatsschuldenquote ist ein Staat pleite? Das ist der springende Punkt. Aber letztendlich sind alle pleite, denn alle wissen, dass die Schulden nie zurückgezahlt werden können; nur prolongiert und in die Zukunft verlagert. Noch ist das „Roll-over-Problem der Schulden“ kein wirkliches Problem, aber man darf es getrost als neues Risiko identifizieren und sollte es als neue interessante Kennzahl in Risikomessungssysteme aufnehmen.

Ob wir hier alle normal sind?

Das fragte mich meine Tochter einmal, als sie so um die vier Jahre alt war. Was ist normal? Welches Zinsniveau ist normal? Es würde auf jeden Fall noch viel Potential nach oben geben. Anfang der 1990er Jahre hatten wir ein Zinsniveau von 6% für deutsche 10-jährige Bundesanleihen. Auf diesen Niveau beruhen, man staune, auch die zugrundeliegenden Zinssätze für die Rentenfuturesberechnungen. Also durchaus normal.

null euro centVielleicht hätte man dieses Niveau schon lange wieder erreicht, aber die Europäische Zentralbank steuert nicht nur kräftig dagegen, sie bestimmt einen Gegenkurs. Dort hat man das Problem schon erkannt. Es sind die Haushaltsbudgets der EURO-Teilnehmerländer. Es hilft nur noch den Finanzministern. Denn diese können sich ein normales Zinsniveau nicht mehr leisten.

Das würde ihre jährlichen Staatshaushalte nicht nur durcheinanderwirbeln, sondern „pleitetieren“. Die ursprünglichen Zinsniveaus im EURO-ZINS-Land kann sich kein Finanzminister mehr leisten, selbst Deutschland nicht. Im Prinzip ist es die effektivste Art des Risikomanagements. Aus Risikomanagementsicht wurden sämtliche Anlagerisiken auf die Anleger und Investoren umgelegt.

Wenn der Einfluss und die Macht der EZB auf den Markt schwinden würde?

Vielleicht verselbständigt sich das Anlegerverhalten bald in eine eigene Richtung? Man stelle sich vor die EZB gibt Richtungsvorgaben an die sich die Anleger nicht mehr halten. Null-Leitzins heißt nicht Null-Marktzins. Wieder genügt der Blick nach Griechenland. Für die Griechen gelten im Prinzip die gleichen EZB-Vorgaben wie für die anderen EURO-Länder. Nur die Anleger scheren sich nicht drum.

ezb tower at nightDie Macht der EZB ist aus bestimmten und bekannten Gründen bei den Griechen wirkungslos. Daran wird sich auch nichts mehr ändern. Ich erinnere mich an Zeiten, da ließen die Zentralbanker im Prinzip den Markt entscheiden in welche Richtung er wollte. Der Markt hatte einen zeitlichen Vorlauf in den Zinsbewegungen. Die Zentralbank zog dann gewöhnlich mit ihren Zinsentscheidungen nach und bestätigte den Trendwechsel. Wir dürfen gespannt sein, ob es diesmal wieder so kommt?

Den heutigen Artikel möchte ich mit einer Frage beenden, der Ihnen verehrter Leser, verehrte Leserin, das ganze Dilemma der Geldanlage und des Anlagemanagements in diesem Umfeld näher bringen soll. Der Schluss eines Artikels soll immer etwas Dramatik beim Leser übrig lassen und verinnerlichen. Lassen Sie den Gedanken ruhig baumeln bis er seine Wirkung zeigt:

„Stellen Sie sich vor, Sie haben etwas Geld zur Anlage übrig. Würden Sie morgen zu Ihrer Bank gehen und dafür 30-jährige, in EURO nominierte griechische Staatsanleihen kaufen? Gibt es einen Grund das zu tun? Was machen Sie?“

DER BONDAFFE

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