Geld und Glauben (Teil 7) – Fragen und Antworten

Fragen und Antworten zu Teil 7

(Aktualisiert Stand 15. November 2020 12:23 Uhr)

Geld und Glauben (Teil 1)
Fragen und Antworten (Teil 1)

Geld und Glauben (Teil 2)
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Geld und Glauben (Teil 3)
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Geld und Glauben (Teil 4)
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Geld und Glauben (Teil 5)
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Geld und Glauben (Teil 6)
Fragen und Antworten (Teil 6)


Zur einfacheren Handhabung dieser Seite finden sich im Folgenden zunächst alle im siebten Teil neu gestellten Fragen aufgelistet. Diese sind mit einem Sprungverweis versehen, sodass ein Klick auf die Frage direkt zu den gegebenen Antworten führt.


254. Welchen Anteil hatten “Deutsche“ am Unabhängigkeitskrieg in Übersee?

255. Welche Rolle spielte die Eisenbahn bei der Erschließung des Westens Nordamerikas?

256. Was ist die Monroe-Doktrin?

257. Was ist der “Residence Act“?

258. Wann wurde Washington D.C. zur Hauptstadt der USA?

259. Welchen Status hat Washington D.C. bis heute?

260. Was ist der “Act of 1871“?

261. Welche Bedeutung hatte das Königreich von Hannover für Preußen?

262. Was war die Heilige Allianz und welche Bedeutung hatte diese?

263. Welche Rolle spielte Graf von Metternich beim “Gleichgewicht der Kräfte“?

264. Was war die Ursache für den Deutschen Dualismus?

265. Welche Rolle spielte der Code Civil nach dem Wiener Kongress des Jahres 1815?

266. Was war die Ursache für das Aufkommen der Burschenschaften?

267. Was waren die erklärten Motive und Ziele der Studentenbewegungen?

268. Welche Herkunft hat “Schwarz-Rot-Gold“ und welche Rolle spielten diese Farben ursprünglich?

269. Welcher Unterschied findet sich zwischen der Urburschenschaft und der neu entstandenen Burschenschaft des Jahres 1827?

270. Wie und von wem wurden die “Verfassungen“ der betreffenden Bundesstaaten in Kraft gesetzt?

271. Was ist ein Staatsgrundgesetz?

272. Welcher Besonderheit unterlag das Staatsgrundgesetz im Königreich Hannover?

273. Was war der Deutsche Zollverein?

274. Was war das “Metternichsche System“?

275. Warum sind die ersten beiden Strophen des Liedtextes in der BRiD verboten? (eher eine rhetorische Frage …)

276. Wie sah das Finanzwesen in der Zeit von nach dem Wiener Kongress bis Mitte des 19. Jahrhunderts aus?

277. Von welchem Gedankengut wurden die bürgerlichen Revolutionen angetrieben?

278. Wie und von wem wurden die Revolutionen bezahlt?

279. Welchen gesellschaftlichen Wert hatte die Preußische Verfassung von 1848?

280. Warum lehnte Friedrich Wilhelm IV. den Titel “Kaiser der Deutschen“ ab?

281. Woran scheiterten die revolutionistischen Bestrebungen?

282. Wer oder was waren die “Forty Eighters“?


254. Welchen Anteil hatten “Deutsche“ am Unabhängigkeitskrieg in Übersee?

Destin Faroda:

Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1775 bis 1783) kämpften deutsche Soldaten und Offiziere auf beiden Seiten.

Britische Alliierte:

Fast 30.000 Söldner aus folgenden deutschen Ländern dienten unter den Briten:

  • Landgrafschaft Hessen-Kassel
  • Herzogtum Braunschweig-Lüneburg
  • Fürstentum Hessen-Hanau
  • Fürstentum Ansbach-Bayreuth
  • Fürstentum Waldeck-Pyrmont und
  • Fürstentum Anhalt-Zerbst.

Amerikanische Alliierte:

  • Viele ausgewanderte Deutsche kämpften für ihre jeweilige Kolonie
  • Etliche deutsche Offiziere und Soldaten dienten im französischen Fremdenregiment „Royal Deux-Ponts“, welches in Nordamerika gegen die Briten kämpfte und ihnen Yorktown entriss.
  • Der ehemalige preußische Offizier Friedrich Wilhelm von Steuben zog in die USA, um die Kontintentalarmee auszubilden. Er verwandelte die Kolonisten in eine schlagkräftige und disziplinierte Truppe. Ihm zu Ehren wird jährlich die Steubenparade in New York City abgehalten.
  • Johann de Kalb, ein französischer Offizier aus Bayern, diente als General in der Kontinentalarmee
  • Preußen unter Friedrich dem Großen unterstützte anfangs die USA, indem es der „Koalition der bewaffneten Neutralität“ beitrat. Friedrich II. war sehr an direkten Handelsbeziehungen mit den USA interessiert und versprach, diese gleich nach Frankreich als Nation anzuerkennen. Er gestattete es US-Agenten, Waffen in Preußen zu kaufen. Zudem untersagte er es den Subsidientruppen Anhalt-Zerbsts, durch preußisches Gebiet zu marschieren, wodurch diese zu spät in den USA ankamen. Auch behinderte Preußen britische Anwerbeversuche in Russland. Als der Bayerische Erbfolgekrieg ausbrach, zog Friedrich II. seine Unterstützung zurück und erkannte die USA erst nach dem Pariser Frieden 1783 an. Laut seiner Ansicht seien die USA zu groß für eine Republik, weswegen sie sich wieder Großbritannien anschließen sollten.

Quelle: Deutsche Beteiligung am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg [de.wikipedia.org]

Andrea:

„Geschichtliche Ereignisse werden nur dann richtig begriffen, wenn man sie im Lichte und Geiste ihrer Zeit betrachtet.“

Meine Leseempfehlung des Buches von 1874 von Friedrich Kapp – Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika [PDF | archive.org]

Als Ergänzung zu verstehen.

255. Welche Rolle spielte die Eisenbahn bei der Erschließung des Westens Nordamerikas?

Destin Faroda:

Im Jahre 1850 wurde Kalifornien ein US-Bundesstaat. Um dieses Gebiet mit dem Osten zu verbinden, genehmigte Präsident Lincoln im Jahre 1862, also noch während des Amerikanischen Bürgerkrieges, den Bau einer Eisenbahnstrecke nach Kalifornien. Erst im Jahre 1865 konnte ersthaft mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Eisenbahn ermöglichte den zügigen Transport von Passagieren, Waren und Militär zwischen den weitflächigen US-Bundesstaaten. Von Omaha aus begann die Union Pacific Railway mit den Bauarbeiten Richtung Westen und von Sacramento aus die Central Pacific Railroad Richtung Osten.

Um die Bauarbeiten zu beschleunigen, gewährte der Kongress Zuschüsse an die Eisenbahnunternehmen und schenkte ihnen sogar Unmengen an Land entlang der neuen Strecke. Aus diesem Grund wurde nicht immer die effizienteste Route gewählt. Aufgrund der harten Arbeiten und Streitigkeiten mit Indianern starben hunderte Arbeiter. Die Central Pacific Railroad musste aufgrund von Arbeitermangel sogar 15.000 Chinesen anwerben. Am 10. Mai 1869 trafen beide Unternehmen in Promontory Summit in der Nähe des großen Salzsees in Utah aufeinander und vollendeten die Gleisbauarbeiten.

Vizepräsident der Union Pacific Railroad zur damaligen Zeit war Doktor Thomas Clark Durant, ein Banker, Arzt und Finanzier. Dieser legte den Grundstein für den Crédit Mobilier Skandal. Die Geschäftsführer der Union Pacific Railroad gründeten die betrügerische Firma Crédit Mobilier, um die Kosten für den Eisenbahnbau in die Höhe zu treiben (94 statt 50 Millionen Dollar). Der Skandal gelangte 1872 durch die New York Sun an die Öffentlichkeit.

Die Central Pacific Railroad wurde von den „Big Four“ geleitet: Collis P. Huntington (Finanzierung), Mark Hopkins (Schatzmeister), Charles Crocker (Bauleiter) und Leland Stanford (Präsident).

Quellen:

Central Pacific Railroad [de.wikipedia.org]
Union Pacific Railroad [de.wikipedia.org]
1860–1880 Erschließung des Westens [de.wikipedia.org]

256. Was ist die Monroe-Doktrin?

Sailor:

Mit der Monroe-Doktrin stellte US-Präsident Monroe im Dezember 1823 die Weichen für eine langfristige Außenpolitik, in der Tradition von Präsident Jefferson und somit auch für eine nicht umkehrbare Unabhängigkeit der Staaten auf dem amerikanischen Doppelkontinent gegenüber den europäischen Mächten/der Alten Welt.

Eine Existenz von 2 Spheres (2 Spheren), die auf dem Prinzip der Nichteinmischung. dem Ende von Kolonialisierungsbestrebungen und Eingreifen, wenn diese Grundlagen missachtet werden, beruhen.

„Amerika den Amerikanern“, bezog sich ebenso auf die südamerikanischen Staaten und beinhaltete zu einem späteren Zeitpunkt auch das Vebot des Transfers von kolonialem Besitztum an andere Mächte.

Quelle: Wikipedia Monroe-Doktrin [de.wikipedia.org]

Destin Faroda:

Die Monroe-Doktrin entstammt einer Rede zur Lage der Nation des gleichnamigen US-Präsidenten aus dem Jahr 1823 und skizzierte den Grundriss einer neuen Außenpolitik, die in der Tradition Jeffersons stand. Ab sofort unterteilten die USA die Welt in zwei Sphären, betonte das Prinzip der Nichteinmischung und forderte das Ende der Kolonialisierungsmaßnahmen in der westlichen Hemisphäre.

Diese Doktrin entstand als Reaktion auf die Heilige Allianz (Russland, Österreich und Preußen) in Europa, die gegen republikanische und liberale Ideen sowie Bewegungen vorging. Die Heilige Allianz hatten in Europa die vom Volk errichtete konstitutionelle Monarchie (Trienio Liberal, 1820-1823) in Spanien mittels militräischer Gewalt stürzen lassen.

Monroe-Doktrin [de.wikipedia.org]

257. Was ist der “Residence Act“?

Sailor:

Der „Residence Act“ von Juli 1790 ermächtigte Präsident George Washington nach zahlreichen Unstimmigkeiten in den Jahren zuvor, den Standort für die Hauptstadt zu bestimmen und den Dezember 1800 als Termin für die Fertigstellung festzulegen. Philadelphia wurde für die Zwischenzeit zur vorübergehenden Hauptstadt gewählt. Washington hatte die Befugnis, Bevollmächtigte zu bestimmen und den Bau der Regierungsgebäude in Washington, D.C. zu leiten.

Quelle: Wikipedia Residence Act [de.wikipedia.org]

Ein weiterer interessanter Beitrag zu 257, zu dem ich leider den Netzverweis nicht mehr finde …:

Das Residenzgesetz wurde am 6. Juli 1790 verabschiedet und übertrug Präsident Washington die Aufgabe, die Hauptstadt auf den Potomac zu legen. Die Städte Georgetown, Alexandria und andere kleinere Siedlungen wie Carrollsburg, Hamburg und Tennally’s Town fielen in das neue Hauptstadtterritorium. Der Kongress erkannte an, dass Washingtons Familie viel Besitz in und in der Nähe von Alexandria besaß. Es war verboten, im neuen Distrikt Bundesgebäude auf ehemals zum Bundesstaat Virginia (eigentlich dem Commonwealth) gehörendem Land zu errichten. Dies geschah in der Hoffnung, Interessenkonflikte zu verringern …

Quelle: What Does DC Mean in Washington

258. Wann wurde Washington D.C. zur Hauptstadt der USA?

Sailor:

Am 11. Juni 1800 wurde Washington ständige Hauptstadt der Vereinigten Staaten.

Quelle: Washington [de.wikipedia.org]

259. Welchen Status hat Washington D.C. bis heute?

Sailor:

District: Der District of Columbia oder Washington, D.C., ist Bundesdistrikt, Regierungssitz und seit 1800 die Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Der Distrikt ist kein Bundesstaat und gehört auch zu keinem, er ist vielmehr dem Kongress der Vereinigten Staaten direkt unterstellt.

Quelle: Washington, D.C. – Gliederung [de.wikipedia.org]

260. Was ist der “Act of 1871“?

Amelie:

Der Akt von 1871 – Die USA ist eine Aktiengesellschaft [conrebbi.wordpress.com]

(Ich denke es hat hier ein paar Rechtschreibfehler drin, die ich aber mal so stehen lasse um den Text nicht eigenmächtig zu verändern.)

Durch das Gesetz von 1871 sind die USA eine Aktiengesellschaft namens THE UNITED STATES. Die Unternehmen, die von den ausländischen Interessen aus den USA EIGENTUM zog und schob den ursprünglichen Verfassung in den Mülleimer. Mit dem Gesetz von 1871 war die organische Verfassung unkenntlich gemacht, sabotiert, schon alleine durch das Ersetzen des Wortes „für“ durch „von“ im Titel.

DIE VERFASSUNG DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA wurde durch Umgestaltungen der Begriffe so verfasst, das seitdem der wirtschaftliche Aspekt, und die damit verdundenen wirtschaftlichen Kapazitäten verwendet wurden, um die Menschen zu täuschen, da sie denken, es handelt sich um die Republik- was nicht der Fall ist. Es ist nicht ein juristisches Dokument. Diese scheinbar „kleine“ Änderung hat einen großen Einfluss auf jede der nachfolgenden Generation von US- Amerikanern. Das Gesetz von 1871 war ein völlig neues Dokument, eine Verfassung für die Regierung der District of Columbia, und diese begünstigt.

Destin Faroda:

Der „District of Columbia Organic Act of 1871“ wurde vom US-Kongress erlassen und erschuf eine neue territoriale Regierung für den District of Columbia. Dieses Gesetz annulierte die Gründungsurkunden (charter) der Städte Washington und Georgetown. Beide wurden mit Washington County zu einer neuen territorialen Regierung für den gesamten District of Columbia verschmolzen. Ab sofort herrschten ein Gouverneur, ein 11-köpfiger Rat und eine 22-köpfige Versammlung über dieses Gebiet.

Der Act etablierte keine neue Stadt oder Stadtregierung innerhalb des Distrikts. Bezüglich einer Stadt wird erwähnt, dass „the District of Columbia be, and is hereby, declared to be the successor of said corporations (Washington and Georgetown)

Im Jahre 1874 ersetzte der Kongress die territoriale Regierung durch ein dreiköpfiges Board of Commissioners. Somit unterstand der District of Columbia direkt dem Kongress, was sich im Jahre 1973 durch den District of Columbia Home Rule Act etwas lockerte.

Quelle: District of Columbia Organic Act of 1871 [de.wikipedia.org]

261. Welche Bedeutung hatte das Königreich von Hannover für Preußen?

Sailor:

Auf dem Wiener Kongress erklärte sich das von Napoléon I. aufgelöste Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg („Kurhannover“) am 12. Oktober 1814 selbst zum Königreich Hannover. Das Königreich Hannover war Mitglied des Deutschen Bundes seit dessen Gründung 1815. Hannover trat zunächst nicht dem Deutschen Zollverein bei, sondern bildete 1834 zusammen mit dem Herzogtum Braunschweig den Steuerverein und wurde erst 1854 Mitglied im Zollverein.

Im Ergebnis des Deutschen Krieges zwischen Preußen und Österreich verlor das Königreich Hannover 1866 seine Unabhängigkeit … Die hannoversche Armee musste nach anfänglichen Erfolgen in der Schlacht bei Langensalza gegenüber den preußischen Truppen am 29. Juni 1866 kapitulieren. Preußen entthronte die Welfen, annektierte das Königreich Hannover und machte es zur Provinz Hannover.

Das Privatvermögen der Welfen wurde von Bismarck als so genannter Reptilienfonds zur Beeinflussung von Presseberichten und des immer geldbedürftigen bayerischen Königs Ludwig II. genutzt, ohne darüber dem Reichstag Rechenschaft abzulegen. Nach Sebastian Haffner erhielt Ludwig II. für seine Privatschatulle 4.720.000 Goldmark aus dem Welfenfonds für die Zustimmung des Königreichs Bayern zur Gründung des Deutschen Reiches 1871.

Quelle: Königreich Hannover [de.wikipedia.org]

Ergänzend:

Preußen annektierte das Land und der letzte Welfen-König ging ins Exil nach Wien. Durch den Frieden von Prag, am 23. August 1866, fiel Hannover an das Königreich Preußen. Georg V. protestierte vergebens, am 3. Oktober 1866 erfolgte die Annexion Hannovers und am 1. Oktober 1866 trat die preußische Verfassung in Kraft. Nach dem Tod Georgs V., am 12. Juni 1878, hielt sein Sohn Ernst August, Herzog von Cumberland, die Thronansprüche auf Hannover aufrecht.

Quelle: Königreich Preußen Provinz Hannover [deutsche-schutzgebiete.de]

262. Was war die Heilige Allianz und welche Bedeutung hatte diese?

Destin Faroda:

Die Heilige Allianz war ein Bündnis, welches Russland, Österreich und Preußen am 26. September 1815, also nach dem Sieg über Napoléon, in Paris ins Leben riefen. 1818 trat Frankreich dem Bündnis bei. Gründungserklärung:

„Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreieinigkeit! Ihre Majestäten, der Kaiser von Österreich, der König von Preußen und der Zar von Russland haben infolge der großen Ereignisse, die Europa in den letzten drei Jahren erfüllt haben, und besonders der Wohltaten, die die göttliche Vorsehung über die Staaten ausgegossen hat, deren Regierungen ihr Vertrauen und ihre Hoffnungen auf sie allein gesetzt haben, die innere Überzeugung gewonnen, dass es notwendig ist, ihre gegenseitigen Beziehungen auf die erhabenen Wahrheiten zu begründen, die die unvergängliche Religion des göttlichen Erlösers lehrt. Sie erklären daher feierlich, dass die gegenwärtige Vereinbarung lediglich den Zweck hat, vor aller Welt ihren unerschütterlichen Entschluss zu bekunden, als die Richtschnur ihres Verhaltens in der inneren Verwaltung ihrer Staaten sowohl als durch in den politischen Beziehungen zu jeder anderen Regierung alleine die Gebote der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens, die, weit entfernt, nur auf das Privatleben anwendbar zu sein, erst recht die Entschließung der Fürsten direkt beeinflussen und alle ihre Schritte lenken sollen, damit sie so den menschlichen Einrichtungen Dauer verleihen und ihren Unvollkommenheiten abhelfen.“

Das Bündnis verpflichtete sich, einen „Ewigen Frieden“ durch Selbstverpflichtung zur christlichen Nächstenliebe aufrechtzuerhalten. Die Unterzeichner bekannten sich zum Gottesgnadentum. An alle anderen Nationen Europas ergingen Aufforderungen, sich diesem Bündnis anzuschließen, welcher diese auf Folge leisteten. Der Vatikanstaat trat dem Bündnis aufgrund der Mitgliedschaft protestantischer Nationen nicht bei, dem Osmanischen Reich blieb der Beitritt verwehrt und Großbritannien vermisste reale Verpflichtungen und winkte ab. Dies galt nicht für das Königreich Hannover, welches der Heiligen Allianz beitrat.

Fürst Metternich benutzte die Heilige Allianz, um gegen nationale und liberale Bewegungen vorzugehen. Das Vollzugsorgan der Heiligen Allianz war die Quadrupelallianz, bestehend aus Russland, Österreich, Preußen und Großbritannien.

Die Heilige Allianz begann schon 1820 zu zerbrechen. Grund hierfür waren Zerfürnisse zwischen den europäischen Herrscherhäusern wegen des Freiheitskampfs in Griechenland und Belgien.

Quelle: Heilige Allianz [de.wikipedia.org]

263. Welche Rolle spielte Graf von Metternich beim “Gleichgewicht der Kräfte“?

Destin Faroda:

„Gleichgewicht der Kräfte“ beschreibt einen Zustand zwischen souveränen Ländern, in dem sich kleinere Länder durch Bündnisse mit anderen gegen größere Mächte verteidigen können. Theoretisch sollte dies konstante Kriege verhinden.

Klemens Wenzel Lothar von Metternich war ein österreichischer Staatsmann, Diplomat und Politiker. Auf dem Wiener Kongress (September 1814 – Juni 1815), welcher zwecks Neordnung Europas nach den napoléonischen Kriegen veranstaltet wurde, erwies er sich als dominierende Person. Er lehnte eine Schwächung Frankreichs ab, welches er als Gegengewicht zu Russland betrachtete. Somit wurde Frankreich zu einem Partner der Neuordnung.

Desweiteren plante Metternich einen deutschen und einen italienischen Staatenbund unter Führung Österreichs. Von der Installation eines deutschen Erbkaisertums musst er absehen, da dies Preußen erzürnt hätte. Einen Verfassungsentwurf für Deutschland, vorgelegt von den preußischen Politiker von Freiherr Karl von und zum Stein und Wilhelm von Humboldt für Deutschland strich Metternich zusammen. Seiner Meinung nach war der deutsche Bund nur als lockerer Rahmen geplant, der später erweitert werden könne.

Grenzstreitigkeiten zwischen Russland, Preußen, Sachsen und Polen sorgten für Spannungen. Nach Vermittlung des englischen Abgesandten Castlereaghs löste der Kongress dieses Problem durch die Schaffung Kongresspolens, die Teilung Sachsens und der Westverschiebung Preußens.

Die Schaffung eines italienischen Staatenbundes scheiterte, aber Österreich sicherte sich die Vorherrschaft über Italien. In Deutschland hingegen glückte die Gründung des Deutschen Bundes mit Österreich als Präsidialmacht. Die Bundesakte entsprach dem Wunsch Metternichs nach einem provisorischen Grundgerüst.

Als Napoléon endgültig besiegt worden war, erneuerten Metternich und Castlereagh die Quadrupelallianz zwischen Österreich, Russland, Preußen und Großbritannien.

Der Wiener Kongress vermochte es letztlich nicht, die vorrevolutionäre Ordnung wiederherzustellen, aber es gelang Metternich, die republikanischen und liberalen Tendenzen zurückzudrängen und für ein Gleichgewicht der Mächte in Europa zu sorgen. Auch innenpolitisch war Metternich stramm Konservativ und darauf bedacht, die bestehende Ordnung eisern zu verteidigen.

Quellen:
Klemens Wenzel Lothar von Metternich – Wiener Kongress [de.wikipedia.de]
Deutscher Bund [de.wikipedia.de]
Wiener Kongress [de.wikipedia.de]

264. Was war die Ursache für den Deutschen Dualismus?

Destin Faroda:

Ursprünglich war Österreich die dominante Macht in Deutschland. Jahrundertelang stellten sie immer wieder Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und pflegten gute Beziehungen zu den katholischen, süddeutschen Reichen. Allerdings erlitt Österreich durch Zulassung der Annektion Elsass-Lothringens durch Frankreich einen Prestigeverlust.

Das protestantische Preußen hingegen gewann im Laufe der Jahrhunderte an Macht dazu und verstand sich gut mit den norddeutschen Ländern. Im Gegensatz zu Österreich vertrat Preußen rein deutsche Interessen, während Österreich auch Interessen hinsichtlich Italien und den Balkan berücksichtigen musste. Auch vergangene Konflikte, wie der Streit um Schlesien zwischen Friedrich II. und Kaiser Maria Theresia trugen nicht zur Freundschaft zwischen den beiden Reichen bei.

Als 1815 der Deutsche Bund ins Leben gerufen wurde, waren Preußen und Österreich die beiden größten Mächte, welche um die Vormachtstellung auf deutschem Boden rangen. Während der 48er-Revolution und in der Herbstkrise 1850 diskutierten die Rebellen darüber, ob Österreich überhaupt zu einem geeinigten Deutschland dazugehören sollte. Preußen begrüßte eine kleindeutsche Lösung, Österreich die großdeutsche.

Während der Herbstkrise 1850 setzte sich Österreich durch, aber Preußen gewann an Wohlstand und Stärke. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864, in welchem der Deutsche Bund die beiden deutschen Herzogtümer Schleswig und Holstein Dänemark entriss, besetzte Preußen das von Österreich verwaltete Holstein. Dies führte zu einem Konflikt mit Österreich, welcher 1866 in der Schlacht von Königgrätz mündete. Dank der neuen Zündnadelgewehre (Hinterlader) und Moltkes Plan konnten die Preußen den Sieg erringen.

Auf preußischer Seite kämpften vor allem die norddeutschen Länder im Bunde mit Italien, auf österreichischer die süddeutschen Staaten. Dies führte zu einer Abspaltung der norddeutschen Länder unter Führung Preußens, welche den Norddeutschen Bund formten. Der Deutsche Bund wurde aufgelöst.

Mit dem Prager Frieden wurde die preußische Vorherrschaft über Deutschland zementiert. Dies beendete den Deutschen Dualismus. Mit dem Verzicht auf eine Demütigung oder Dezimierung Österreichs, welche der damalige preußische Ministerpräsident Bismarck forcierte, gewann Preußen in Österreich sogar einen treuen Bündnispartner.

Quelle: Deutscher Dualismus [de.wikipedia.de]

265. Welche Rolle spielte der Code Civil nach dem Wiener Kongress des Jahres 1815?

mimi c.:

Nach der Niederlage Napoléons galt der Code in vielen deutschen Gebieten (insbesondere am linken Rheinufer) zunächst fort. In Preußen wurde das ALR [preußisches Allgemeines Landrecht] lediglich in den rechtsrheinischen altpreußischen Gebieten zum 1. Januar 1815 wieder eingeführt (nicht jedoch im linksrheinischen altpreußischen Teil des Herzogtums Kleve und in der altpreußischen Grafschaft Moers). Aufgrund der Empfehlung einer sog. Rheinischen Immediat-Justiz-Kommission verordnete 1818 Friedrich Wilhelm III., dass die in den Rheinprovinzen bestehende Gesetzgebung im Wesentlichen beibehalten werden sollte.

Während des 19. Jahrhunderts galt der Code in Deutschland als sogenanntes „Rheinisches Recht“ daher weiter, insbesondere: im linksrheinischen und bergischen preußischen Rheinland, ab 1850 fünfter („Rheinischer“) Zivilsenat, in der Pfalz, in Rheinhessen, ab 1816 Obergericht Mainz, ab 1818 Kassationsgerichtshof Darmstadt, ab 1832 Ober-Appellations- und Kassationsgericht Darmstadt, ab 1879 Oberlandesgericht Darmstadt), in hessen-homburgischen Oberamt Meisenheim (Ober-Appellations- und Kassationsgericht Darmstadt, ab 1866 preußisches Ober-Appellationsgericht Kassel, im sachsen-coburg-saalfeldischen bzw. ab 1826 sachsen-coburg und gothaschen Fürstentum Lichtenberg (Appellationsgericht Gotha, ab 1834 preußisch)
als „Badisches Landrecht“ in Baden (Badisches Oberhofgericht Mannheim, später in Karlsruhe).

Als 1843 eine preußische Strafrechtsreform anstand, vereinigten sich Bürger der Rheinprovinz im Köln-Düsseldorfer Verbrüderungsfest und demonstrierten ihr Interesse an der Beibehaltung des Rheinischen Rechts. Ab 1871 kam als Geltungsgebiet das Reichsland Elsass-Lothringen (Obergericht Colmar) hinzu. Nach 1871 gehörte etwa ein Sechstel des Reichsgebiets zum Anwendungsbereich des „rheinischen Rechts“. Beim Reichsgericht in Leipzig galt ab 1879 der zweite Zivilsenat als „Rheinischer Senat“.

Code Civil [de.wikipedia.org]

Siegfried Hermann:

Das ist wohl die <u>wichtigste Neuerung und nachhaltigste Aktion</u> von Napoléon und hat mehr bewirkt, als alle seine Kriege zusammen!

Der Code Napoléon wurde überall in den französisch besetzten Gebieten und Kolonien in der Verwaltung durchgesetzt und betrifft das Zivilrecht für Bürger. Wichtigster Bestandteil war, gemäß der Französischen Revolution, das „alle“ vor dem Recht/Gericht gleich sind und faktisch Adel und Kirche auf die Stufe von Bürgern stellte und damit abgeschafft war. Der Code Civil war Vorläufer unseres BGBs und vor allem in vielen frankophonen Ländern Grundlage deren Zivilrechts. Ohne den Code Civil wäre eine bürgerlich-industrielle Revolution, wie sie nach 1815 einsetze, nicht möglich gewesen.

Weiteres auf wiki.

266. Was war die Ursache für das Aufkommen der Burschenschaften?

Destin Faroda:

An den napoléonischen Befreiungskriegen hatten auch viele Studenten als Kriegsfreiwillige teilgenommen, so z.B. im berühmten Lützower Freikorps. Nach dem Sieg über Napoléon und im Zuge der reaktionären Bestrebungen Metternichs schlossen sich viele Studenten zu Burschenschaften zusammen, um dagegen vorzugehen. Die Studenten hatten ihr Leben für die Befreiung ihrer Länder aufs Spiel gesetzt und waren nun nicht bereit, auf Freiheiten zu verzichten.

Nicht nur pflegten diese Burschenschaften nationales, christliches und freiheitliches Gedankengut, sondern sie stellten auch konkrete politische Forderungen, wie z.B. die Beendigung der deutschen Kleinstaaterei sowie die Einführung einer konstitutionellen Monarchie.

Quelle: Burschenschaft [de.wikipedia.org]

267. Was waren die erklärten Motive und Ziele der Studentenbewegungen?

kph:

(Bursche war die zeitgenössische Bezeichnung für Student) Die Aufgaben sollten in der Stärkung des deutschen Sinnes, der moralischen Verbesserung und Vorbereitung der deutschen Befreiung und Einigung liegen. Die Ideen fanden starken Anklang an den deutschen Universitäten. Als in Preußen zur Zeit der Befreiungskriege die Bildung von Freiwilligenverbänden zugelassen wurde, traten viele Studenten – viele waren später Gründungsmitglieder der Urburschenschaft – in das Lützowsche Freikorps ein, wo sie mit den Gedanken der Jahn-Friesenschen Burschenordnung in Kontakt kamen. Nach der siegreichen Rückkehr aus Frankreich kam es 1814 mit der Gründung einer „Wehrschaft“ in Jena, der „Teutonia“ in Halle (die bereits stark burschenschaftlich geprägt war und den Wahlspruch „Freiheit, Ehre, Vaterland!“ hatte) und in Gießen („Gießener Schwarze“ oder „Unbedingte“) zu den ersten burschenschaftlichen Vereinigungen.

Urburschenschaft [de.wikipedia.org]

268. Welche Herkunft hat “Schwarz-Rot-Gold“ und welche Rolle spielten diese Farben ursprünglich?

Claus:

Das scheint ein weites Feld zu sein. Ich versuche es dennoch.

„In Zusammenhang mit der Idee eines deutschen Nationalstaates traten die drei Farben erstmals während der Befreiungskriege (1813–1815) gegen Napoléon I. in Erscheinung. Sie entstammen den Farben der Uniformen des Lützowschen Freikorps, einer Freiwilligeneinheit des preußischen Heeres unter Führung von Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow. Die Truppe trug schwarze Uniformen mit roten Vorstößen und goldfarbenen Messingknöpfen. Für diese Farbwahl führen Historiker ganz pragmatische Gründe an: Die Angehörigen des Freikorps, darunter viele Studenten und Akademiker, waren sogenannte Selbstversorger, d. h., sie empfingen keinen Sold und rüsteten sich selbst aus. Sie waren deshalb darauf angewiesen, mitgebrachte Bekleidung zur Uniform umzufärben, und das war mit Schwarz als Grundfarbe am leichtesten. Goldfarbene Messingknöpfe waren weit verbreitet und leicht erhältlich. Rot war die Abzeichenfarbe für Aufschläge und Vorstöße.“

Schwarz-Rot-Gold [de.wikipedia.org]

Erenion:

Hier noch eine Ergänzung zu diesem Thema:

Im Flaggenlexikon [flaggenlexikon.de] finden sich noch folgende Hinweise:

„Die Farbkombination Schwarz, Rot und Gold geht weit in die Geschichte des Deutschen Reiches zurück. Das Wappen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zeigte einen schwarzen Adler auf goldenem Grund, dessen Fänge und Schnabel ab dem 13./14. Jahrhundert rot eingefärbt wurden. Ältestes Zeugnis dafür ist die um 1300 geschaffene „Heidelberger Liederhandschrift Manesse“.³

„Bereits im Jahre 1184, auf dem Hoftag zu Mainz, sollen die Farben Schwarz, Rot und Gold als die „Deutschen Farben“ bezeichnet worden sein.³

„Als der Staufer Friedrich I. „Barbarossa“ im Jahre 1152 in Frankfurt zum Deutschen König gekrönt wurde, soll der Weg zum Ort der Krönung auf Wunsch der Staufer mit einem eigens dafür angefertigten Teppich in Schwarz, Rot und Gold ausgelegt worden sein. Nach der Krönung soll der Teppich in kleine Teile zerschnitten und als Andenken im Volk verteilt worden sein.³

„Im Jahre 1212 krönte Erzbischof Siegfried III. von Epstein im Dom zu Mainz den Staufer Friedrich II. zum Deutschen König. Dabei trug Friedrich einen Krönungsmantel in den Farben Rot, Schwarz und Gold. Dieser Mantel wurde für die meisten Krönungen der Deutschen Könige und Kaiser bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (1806) verwendet.³

„Im Deutschen Bauernkrieg, einer antifeudalen Erhebung in den Jahren 1524/1525, versammelte sich in der Landgrafschaft Stühlingen im Schwarzwald eine Schaar von 800 Bauern zum Kampf unter eine Fahne in den Farben Schwarz, Rot und Gold.³“

Ich kenne außerdem noch eine andere Möglichkeit. Danach soll Schwarz für Preußen stehen, Rot für die Hanse und Gold für Österreich.

Heil und Segen,
Erenion

269. Welcher Unterschied findet sich zwischen der Urburschenschaft und der neu entstandenen Burschenschaft des Jahres 1827?

Destin Faroda:

269. Welcher Unterschied findet sich zwischen der Urburschenschaft und der neu entstandenen Burschenschaft des Jahres 1827?

Die Urburschenschaft trat den Versuch an, die landsmannschaftlichen Zusammenschlüsse an den Universitäten abzuschaffen und diese in einer „Allgemeinen Burschenschaft“ zusammenzuführen. Landsmannschaften fassten an einer Universität die Studenten gleicher regionaler Herkunft zusammen und spiegelten den deutschen Flickenteppich wider. Schikanen gegenüber Jüngeren und Duelle standen an der Tagesordnung.

Die neue Burschenschaft hingegen sollte alle deutschen Studenten ansprechen, das studentische Zusammenleben regulieren und strenge Mensurregeln aufstellen. Sie trat 1817 auf dem Wartburgfest erstmals öffentlich auf. Zu den Verfechtern dieser Idee zählten Friedrich Ludwig Jahn, Ernst Moritz Arndt, Johann Gottlieb Fichte, Jakob Friedrich Fries und Heinrich Luden. Motto: Freiheit, Ehre, Vaterland.

Anfangs unterstützten die Universitäten die als Reformbewegung wahrgenommene Burschenschaft. Diese strebte nach der Einigung Deutschlands und demokratischen Reformen. Im Jahre 1819 jedoch ermordete der Theologiestudent Karl Ludwig Sand den angeblichen russischen Agenten August von Kotzebue. Dieses gab Metternich den willkommenen Anlass, die Burschenschaften mittels der Karlsbader Beschlüsse zu verbieten.

1822 zerfiel die Allgemeine Deutsche Burschenschaft aufgrund der konstanten Verfolgung durch die Obrigkeit. 1827, auf dem Bamberger Burschentag, spaltete sich die burschenschaftliche Bewegung in einen radikal-republikanischen nationalen Teil (Germania) und in einen freidenkerisch-liberalen Teil (Arminia). Germania betrieb politischen Aktivismus (z.B. den Frankfurter Wachensturm), während sich Arminia auf eine Verinnerlichung des burschenschaftlichen Lebens beschränkte. 1829 wurden die arminischen Burschenschaften aus dem Dachverband ausgeschlossen.

Urburschenschaft [de.wikipedia.org]
Burschenschaft [de.wikipedia.org]
Burschentag [de.wikipedia.org]

270. Wie und von wem wurden die “Verfassungen“ der betreffenden Bundesstaaten in Kraft gesetzt?

kph:

Von mir wurden die Verfahren der Kurhessischen und Sächsische Verfassung ausgearbeitet.

Für die Verhandlungen über die Verfassung ernannte der Kurfürst zwei Landtagskommissare als Verbindungsbeamte zwischen Regierung und Landständen. Anfang Oktober 1830 legten sie den Landständen einen ersten Entwurf vor, die so genannte Landesherrliche Proposition. Diese lehnte sich stark an den Entwurf von 1816 an. Zu der seitens der Regierung erhofften schnellen Annahme der Proposition kam es aber nicht. Vielmehr wollten die Landstände darüber beraten.

Bei den Diskussionen hatte die „kurfürstliche Partei“ innerhalb der Stände keine Fürsprecher, wurde dort aber durch die zwei Landtagskommissare vertreten. Der Adel – vier Standesherren und die Ritterschaft – entsandten zwar insgesamt sieben Vertreter in den Landtag, konnten ihre Standes-Interessen aber nur sehr begrenzt in der Verfassung verankern, da ihre Privilegien von allen anderen Beteiligten abgelehnt wurden.

Nicht einmal die sonst zu dieser Zeit übliche, im Wesentlichen für den Adel reservierte, zweite Kammer konnten sie durchsetzen. Die Vertreter der Bauern waren – aufgrund des Wahlrechtes – vor allem Großbauern und nicht-adelige Gutsbesitzer. Deren Interessen stimmten weitgehend mit denen des Bürgertums überein. So konnte das Bürgertum den Inhalt der Verfassung im wesentlichen bestimmen. Dessen Vertreter waren zu einem erheblichen Teil Juristen.

Sylvester Jordan, Staatsrechtslehrer an der Universität Marburg, wurde Vorsitzender des Verfassungsausschusses der Landstände und bestimmte mit seiner liberalen Einstellung ganz wesentlich den Inhalt der Verfassung. Ergebnis des Ausschusses waren die Gutachtlichen Bemerkungen, über die von den Landständen nun diskutiert wurde. Hier allerdings waren die Landtagskommissare wieder beteiligt. Beide Seiten drängten auf einen Verhandlungsabschluss, der Kurfürst, weil er glaubte, dann seine Mätresse, die Gräfin Emilie von Reichenbach, wieder nach Kassel holen zu können, das bürgerliche Lager, weil die unteren gesellschaftlichen Schichten weiterhin Unruhen auslösten, und beide Seiten, weil sie eine Bundesexekution fürchteten. So kam ein Kompromiss zustande.

Im Dezember beriet das Gesamtstaatsministerium über den vom Landtag eingereichten Entwurf, der Anfang Januar vom Geheimen Kabinettsrat Carl Rivalier von Meysenbug redaktionell bearbeitet wurde. Am 5. Januar 1831 unterzeichnete der Kurfürst die Verfassungsurkunde, die am 8. Januar 1831 feierlich verkündet wurde. Der Bundestag des Deutschen Bundes sah sich nicht in der Lage, einen Beschluss zu der kurhessischen Verfassung herbeizuführen. Fürst Metternich und der badische Gesandte Blittersdorf waren strikt dagegen, Preußen befürwortete die Verfassung aus Opposition gegen Österreich und die deutschen Mittelstaaten waren mehrheitlich dafür, um ihre eigenen Verfassungen vor Eingriffen des Deutschen Bundes zu schützen. Ohne ein Veto des Deutschen Bundes galt eine entsprechende Landesverfassung.

Kurhessische Verfassung von 1831 [de.wikipedia.org]

Eine Immediatkommission unter Vorsitz des Prinzen Johann dem Geheimen Rat des Königreichs [Sachsen] gab den Auftrag, eine landständische Verfassung auszuarbeiten. In einer öffentlichen Bekanntmachung vom 5. Oktober 1830 kündigte ein neues Geheimes Kabinett unter dem neuen leitenden Kabinettsminister Bernhard August von Lindenau eine tiefgreifende Veränderung in Verfassung und Verwaltung an. Hans Georg von Carlowitz erhielt den Auftrag, dem Geheimen Rat einen ersten Textentwurf vorzulegen.

Am 7. Januar reichte Carlowitz beim Geheimen Rat seinen Entwurf ein, der sich großenteils an die badische und an die württembergische Verfassung anlehnte. Dem Entwurf war ein zweiter, noch anonymer Entwurf beigefügt, der fast ausschließlich aus der badischen Verfassung schöpfte. Dieser Entwurf stammte von Bernhard von Lindenau. Der Geheime Rat bevorzugte den Entwurf Lindenaus und legte ihn am 1. März 1831 den Ständen vor.

Da das seit Oktober 1830 betriebene Verfahren nicht öffentlich war, entstand der Verdacht, dass die Stände das Verfahren durch Untätigkeit auf unbestimmte Zeit verzögern wollten. Daraufhin erteilte der Anfang 1831 aus der Kommunalgarde entstandene Bürgerverein ihrem Mitglied, dem Rechtsanwalt Bernhard Moßdorf den Auftrag, einen Verfassungsentwurf auszuarbeiten. Moßdorf erstellte daraufhin unter dem Titel: Constitution, wie sie das sächsische Volk wünscht, einen Entwurf nach belgischem Vorbild, der zunächst die Aufhebung der Beschlüsse des Deutschen Bundes vorsah, und dann den Eintritt Sachsens in einen deutschen Staat.

Der Entwurf sah eine einzige gesetzgebende Kammer vor, die von Staatsbürgern gewählt werden, die Steuern zahlen und nicht Lohnempfänger sind. Der Adel und die Grundherrschaft sollten abgeschafft sein, und Grundrechte etwa im Umfang der Virginia Bill of Rights gewährt werden. Bernhard Moßdorf verlas den Entwurf am 15. April 1831 vor dem Bürgerverein. Moßdorf wurde verhaftet und auf die Festung Königstein verbracht. Bernhard von Lindenau gelangte zu der Auffassung, dass es sich im Mai 1831 entscheide, ob die feste Ordnung wiederkehrt, oder ob die von Moßdorf vorgesehene Pöbelherrschaft an deren Stelle trete.

Ähnlich sah es Metternich, Staatskanzler der Präsidialmacht Österreich des Deutschen Bundes: Er wies den Botschafter Österreichs in Sachsen an, die Vorgänge genau zu beobachten. Es sei nämlich das übliche Muster einer Revolution zu erkennen. Zunächst würden bescheidene, berechtigte Forderungen erhoben; dann erfolge der Ruf nach einer vollständigen Reform. Dann träten die radikalen Kräfte auf und verdrängten ihre liberalen Unterstützer. Dies sei der Augenblick der Entscheidung. Die sächsische Regierung sei aber nach seiner Erfahrung schwach. Die benachbarten Monarchien könnten jedenfalls nur Maßnahmen dulden, die mit dem Recht des Deutschen Bundes zu vereinbaren seien, das auf dem gemeinsamen Territorium gelte.

Der Entwurf des Geheimen Rates wurde auf dessen besondere Ermahnung hin zügig in den Ständen beraten, wobei bis August 1831 vier redaktionelle Fassungen entstanden. Die Stände wünschten vor allem engere Regelungen der Vermögens- und Einkommensverhältnisse des Königshauses. Am 4. September 1831 wurde der Entwurf von König Anton (1827–1836) und dem ihm zur Seite gestellten Mitregenten Friedrich August II. (1830–1836; 1836–1854) unterzeichnet und im Schloss Deputierten der Stände übergeben.

Sächsische Verfassung von 1831 [de.wikipedia.org]

271. Was ist ein Staatsgrundgesetz?

Destin Faroda:

Duden: Ein Staatsgrundgesetz ist ein Gesetzeswerk mit Grundrechten (als Teil einer Verfassung).

koeblergerhard.de: Staatsgrundgesetz ist eine Bezeichnung für ein die Verfassung des Staates grundlegend bestimmendes Gesetz.

272. Welcher Besonderheit unterlag das Staatsgrundgesetz im Königreich Hannover?

Destin Faroda:

Das „Staatsgrundgesetz für das Königreich Hannover“ oder „Grundgesetz für das Königreich Hannover“ trat im Jahre 1833 inkraft und währte bis 1837.

Vorbereitet wurde es von der Allgemeinen Ständeversammlung und derem Generalsyndicus und Vorsitzenden der Kommission zur Prüfung des Entwurfes des Verfassungs-Gesetzes, dem hannoverschen Staats- und Kabinettsminister Caspar Detlev von Schulte. Bestätigt wurde es von Wilhelm IV., König von Hannover, Großbritannien und Irland.

Dieses Grundgesetz beinhaltete unter anderem folgende Artikel:

  • Der König hat sich an das Grundgesetz zu halten (konstitutionelle Monarchie)
  • Der König verfügt über die Kirchenhoheit
  • Alle Einwohner sind gleichmäßig zum Kriegsdienst und zur Tragung der allgemeinen Staatslasten verpflichtet
  • Allen Landeseinwohnern gebührt völlige Glaubens- und Gewissensfreiheit
  • Nicht-christliche Sekten können vom König anerkannt werden, wobei für Juden gesonderte Gesetzte gelten sollen
  • Der König übt die Kirchengewalt über die evangelische Kirche mittels Consistorial-/Presbyterialbehörde aus
  • Die Gerichte erster Instanz sind für alle Landeseinwohner dieselben
  • Die Freiheit der Person und des Eigentums unterliegt keiner anderen Beschränkung, als jener, die das Recht und die Gesetze festlegen
  • Jeder Einwohner muss einer Gemeinde angehören
  • Für die einzelnen Provinzen des Königreichs sind Provinziallandschaften, für das ganze Königreich eine allgemeine Ständeversammlung zuständig
  • Bauern/Bürgern wird der Zugang zur Zweiten Kammer der Ständeversammlung gestattet
  • Einführung einer beschränkten Minister-Verantwortung
  • Die neue einheitliche Steuerkasse wurde der Ständeversammlung untergeordnet

1837, nach dem Ende der englisch-hannoverischen Personalunion, wurde Ernst August, Herzog von Cumberland, der neue König von Hannover. Er ließ das Grundgesetz aufheben, was zu einem Verfassungskonflikt führte. Sieben Professoren, die Göttinger Sieben, die dagegen protestierten, wurden umgehend entlassen.

Quellen:

Staatsgrundgesetz Königreich Hannover [de.wikipedia.org]
Grundgesetz des Königreiches Hannover [verfassungen.de]

273. Was war der Deutsche Zollverein?

Ulrich:

Der Deutsche Zollverein wurde am 22. März 1833 gegründet und war ab dem 1. Januar 1834 eine rechtsfähige Organisation mit zunächst 18 Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes. Die Zielvorstellung galt zum einen dem Abbau zwischenstaatlicher Zölle und anderer Handelshemmnisse und zum anderen der Schaffung eines funktionierenden Binnenmarktes. Außerdem wurde das System der Ein- und Ausfuhrzölle gegenüber Nichtmitgliedsstaaten vereinheitlicht.

Nach den USA und Großbritannien stellte der Zollverein die drittgrößte Wirtschaftsmacht dar. Er bestand bis zur Reichsgründung im Jahre 1871. Die Situation vor der Gründung des Zollvereins war geprägt durch eine enorme Anzahl von Zollgrenzen innerhalb Deutschlands, von denen es gegen Ende des 18. Jahrhunderts zwischen 1.500 und 2.000 gegeben haben soll. Infolge der stagnierenden Entwicklung kam es in Preußen zu einer Wiederauflage der bereits um 1806 begonnenen Bemühungen zu dem Handels- und Zollgesetz von 1818. Damit erreichte Preußen für sich und seine weiteren Staatsteile ein einheitliches Zollgebiet. Im Jahre 1828 wurde dann mit Hessen-Darmstadt ein Zollverein gegründet.

In den Jahren von 1819 bis 1834 schlossen sich dann nach und nach fast alle Staaten des Deutschen Bundes der preußischen Zollvereinigung an; Nur Österreich blieb außen vor, weil es nicht einem von Preußen initiierten Zollverein beitreten wollte. Der Zusammenschluss erbrachte einen wesentlichen Aufschwung für die Industriegebiete an Rhein und Ruhr, eine verstärkte Einfuhr ausländischer Waren sowie eine Zunahme der Ausfuhr inländischer Produkte.

Hier sind Parallelen erkennbar zum Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen [geschichte-wissen.de], welches gut einhundert Jahre später die Welthandelsordnung neu regelte. In dieser neuen Ordnung wurde versucht, Handelshemmnisse zu beseitigen und allgemein verbindliche Zollsenkungen durchzusetzen. Insgesamt galten die Bemühungen der Liberalisierung des internationalen Handels.

Die Mitte des 19. Jahrhunderts, etwa von 1835 bis 1878 ist durch liberale Handels- und Zollpolitik gekennzeichnet und wird als Epoche des Kapitalismus bezeichnet.

Quelle: geschichte-wissen.de

Siegfried Hermann:

Ergänzend hierzu: Schaut Euch mal die „Ländergrenze“ des Zollvereins an! Sie erinnert stark an den Machtbereich der Stauferkönige, sprich die Glanzzeiten des Römischen Reiches Deutscher Nation. Und wer jetzt noch ins Jahr 1942 zurückgeht, wird unweigerlich erstaunt sein, wie das Kabinett Hitler sich das Groß-Deutsche Reich in einer Nachkriegsordnung vorgestellt hat, auszusehen gehabt hätte. Die Parallelen sind unübersehbar.

Tja. Friedrich Barbarossa als Urvater „Nazi“. Wer hätte das gedacht!? 😉

274. Was war das “Metternichsche System“?

mimi c.:

Der Zeitraum zwischen 1815 und 1848 ist als „System Metternich“ in die Geschichtsbücher eingegangen. In diesen Jahren wurde die Politik im Deutschen Bund maßgeblich von Österreichs Staatskanzler Fürst Metternich bestimmt. Als Leitbild der Restauration versuchte er nationale und liberale Forderungen aus dem Volk mit allen Mitteln zu unterdrücken.

Das „System Metternich“ [geschichte-abitur.de]

Als metternichsches System bezeichnet man hauptsächlich die, in den Jahren nach dem Wiener Kongress 1814/1815 nach Vorschlägen des österreichischen Außenministers und späteren Staatskanzlers Klemens von Metternich, von den europäischen Herrschern getroffenen Schritte zur Restauration der politischen Verhältnisse in Europa. Ihren Abschluss und ihre Absicherung fand diese „Neugestaltung (des alten) Europas“ mit der Gründung der Heiligen Allianz.

Metternich wurde in der Folgezeit eine der tragenden Figuren im europäischen Mächtekonzert und bestimmte das politische Geschehen wesentlich mit. Vor allem seine politischen Gegner, denen Metternich als alles dominierende Figur erschien, die quasi im Alleingang die Richtung der europäischen Politik bestimmte, prägten den Begriff Metternich’sches System, der bis heute als Inbegriff von Verfolgung und Unterdrückung von Demokratie, Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit gilt.

Die Beschlüsse beinhalteten vor allem Maßnahmen gegen liberale und nationale Tendenzen in der Bevölkerung (vor allem Studenten und Lehrer der höheren Bildungsgänge) und die Strafverfolgung bekannter Liberaler als sogenannte Demagogen. (So wurde zum Beispiel Friedrich Ludwig Jahn („Turnvater Jahn“) 1819 wegen des Aufrufes zur nationalen Erhebung ohne Prozess fünf Jahre lang inhaftiert.) Professoren, welche liberale Lehren vertraten, wurden vom Dienst suspendiert und durften im ganzen Deutschen Bund keine neue Stelle ergreifen.

Eine weitere Folge der Karlsbader Beschlüsse war die Zensur der Presse in allen Mitgliedstaaten des Deutschen Bundes. Das System baute auf drei Hauptsäulen auf: Legitimität, Monarchistische Autorität, Stabilität.

Es wurde versucht, diese Säulen zu stützen durch: sog. Gleichgewicht der Mächte innerhalb Deutschlands, Anspruch auf alleinige politische Machtausübung durch den Adel, Verhinderung der gewaltsamen Machtergreifung durch oppositionelle Gruppen mit allen Mitteln, strikte Ablehnung einer Verfassung, Wiederherstellung der vorrevolutionären Zustände.

Metternichsches System [de.wikipedia.org]

275. Warum sind die ersten beiden Strophen des Liedtextes in der BRiD verboten? (eher eine rhetorische Frage …)

Destin Faroda:

Die erste Strophe beinhaltet Gebietsansprüche, die diejenigen, die jetzt auf diesem Gebiet hausen, provozieren könnten.

Die zweite Strophe beinhaltet die Zeilen „Sollen in der Welt behalten Ihren alten schönen Klang“. Diese Worte könnte man eventuell als Rückbesinnung auf alte Werte auffassen, woran die „Okkupationsverwaltung“ BRiD (Originalton Fjodorow, russischer Staatsrat) natürlich kein Interesse hat.

Claus:

Hintergrund zur ersten Strophe:

„Der konkrete Anlass für Hoffmann, das Lied zu verfassen, waren französische Gebietsansprüche auf das Rheinland in der Rheinkrise. Diese Ansprüche wies er mit dem Lied zurück, wie es auch mit anderen deutschen Rheinliedern dieser Zeit geschah. Er ergänzte dies mit weiteren Gedanken, vor allem mit dem der deutschen Einigkeit, die allein die Voraussetzung für Abwehr feindlicher Angriffe jeder Größenordnung bieten könne.“

Und weiter:

„Nach 1945 kam es zu Diskussionen über die weitere Verwendung des Liedes, bis 1952 ein offizieller Briefwechsel zwischen Bundespräsident Theodor Heuss (FDP) und Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) dahingehend entschied, dass Das Lied der Deutschen insgesamt die Nationalhymne blieb, zu offiziellen Anlässen jedoch nur die dritte Strophe gesungen werden sollte. Nach der Wiedervereinigung wurde im Jahr 1991 nach einem weiteren Briefwechsel zwischen Bundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU) und Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) die dritte Strophe zur Nationalhymne Deutschlands erklärt.“

Das Lied der Deutschen [de.wikipedia.org]

Von einem Verbot kann man also in der Tat nicht sprechen. Die Frage bleibt, warum man uns das so (aus meiner Erinnerung heraus) gelehrt hat.

276. Wie sah das Finanzwesen in der Zeit von nach dem Wiener Kongress bis Mitte des 19. Jahrhunderts aus?

Destin Faroda:

Nach dem Wiener Kongress waren viele deutsche Länder infolge der Napoléonischen Kriege hoch verschuldet und mussten darüber hinaus noch eventuell neu dazugewonne Territorien ordnen. Während in den deutschen Ländern noch Landwirtschaft und von Zünften kontrolliertes Handwerk vorherrschten, kurbelte in Großbritannien bereits die Industrialisierung die Wirtschaft an. Dank des deutschen Flickenteppichs gab es keine einheitlichen Maße und Gewichte, dafür umso mehr Zölle, die den Handel lähmten. Der Deutsche Zollverein löste dieses Problem.

Während es bisher die drei klassischen Ausgabenposten Hof, Militär und Verwaltung gab, wuchs die Anzahl im 19. Jahrhundert stetig an. Das wachsende Bildungssystem und die aufkommenden Versorgungsbetriebe verschlangen Unsummen. Ab 1830 begannen die deutschen Herrscher mit dem Bau eines Eisenbahnnetzes zur Verbesserung von Transport und Handel. Im Königreich Preußen z.B. übertrafen die Eisenbahnprofite gar die Steuereinnahmen.

Zwecks Finanzierung griffen viele Länder auf Kredite großer Bankhäuser wie z.B. Rothschild zurück. Oft wurden die Nutzungsrechte zwecks Abbezahlung der Anleihen an die Bankenhäuser übertragen, die dann die Gewinne kassierten. Protestierende Abgeordnete wurden oft mit Aktien ruhiggestellt.

Die beginnende Industrialisierung und Erschließung der Länder mit Eisenbahnen führte zu einem Hunger nach Kohle, Eisen und Stahl. Das Ruhrgebiet wurde das Zentrum der Kohleförderung, die Kruppwerke produzierten Stahl vor Ort und in den sächsischen Ländern entstanden Maschinenfabriken, von denen das Handwerk profitierte.

Beim Einführen neuer Steuern verhielten sich die deutschen Länder zögerlich. Die 1842 in England eingeführte Einkommenssteuer konnte sich in Deutschland nicht durchsetzen. Indirekte Steuern waren populärer. Die Steuerbelastung lag damals bei etwa 5 %. Ab 1850 hatte der Wohlstand ein ausreichendes Maß erreicht, so dass sich die Menschen vermehrt Konsum- und Luxusgüter leisten konnten. Medizin und Hygiene sorgten für eine längere Lebenserwartung und zahlreicheren Nachwuchs. Dennoch fehlten etwa 800.000 Arbeitsplätze. Diese Pauperismuskrise bewog viele Menschen dazu, auszuwandern.

Quellen:

19. Jahrhundert [bpb.de]
Industrialisierung in Deutschland [planet-wissen.de]
Niall Ferguson: Geschichte der Rothschilds, Teil 2

Destin Faroda:

Im frühen 19. Jahrhundert wurden viele Genossenschaftsmodelle entwickelt und entsprechende Institutionen (Kreditgenossenschaften, Genossenschaftsbanken, Konsumgenossenschaften usw.) gegründet. Genannt seien hier die Vorreiter Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch.

Auch im Bankenwesen tat sich einiges. Angesichts der anstehenden Industrialisierung passten sich Börsen, Banken und Versicherungen den neuen Herausforderungen an. Zudem entstanden Pensionsfonds und Investmentgesellschaften. Neue Bankenarten wie Sparkassen, Kreditgenossenschaften, Hypothekenbanken, Bausparkassen etc. umwarben nun die ärmeren Schichten, die von kommerziellen Banken bisher im Stich gelassen worden sind.

In Deutschland, diversen anderen europäischen Ländern und in Japan herrschten Universalbanken vor, die sowohl kommerzielles als auch Investment-Banking anboten. Diese Banken pflegten enge Beziehungen zur Industrie.

In Großbritannien interessierten sich die Banken mehr für kurzfristige Investments. Schwächen im britischen Wertpapiermarkt sorgten für vorsichtigere Investitionen in neue Industrien wie Elektrizität und Chemie, was die großflächige Industrialisierung ausbremste.

Um Finanzkrisen zu vermeiden, gewährte man den Zentralbanken geeignete Privilegien. So durften nur noch diese Banknoten herausgeben, um die Märkte zu stabilisieren. Im Jahre 1844 wurde in England die Peelschen Bankakte erlassen. Diese zwang die Bank of England dazu, das gesamte Papiergeld mittels Gold zu decken.

Quellen:

Genossenschaft – Deutschsprachiger Raum [de.wikipedia.org]
The evolution of financial systems [PDF | openknowledge.worldbank.org]
Zentralbank – 19. Jahrhundert [de.wikipedia.org]

277. Von welchem Gedankengut wurden die bürgerlichen Revolutionen angetrieben?

Destin Faroda:

Die bürgerlichen Revolutionen entstanden als Antwort auf die Restaurationsbestrebungen der Heiligen Allianz. Generell forderten die Revolutionäre mehr Freiheiten, Rechte und Teilhabe an der Politik. Auch die Einigung Deutschlands spielte eine wichtige Rolle im Zuge der Aufstände.

Zu den Revolutionären zählten nicht nur liberale und freiheitlich-demokratische Kreise, sondern auch Frühsozialisten und Anarchisten. Letztere wirkten eher außerparlamentarisch. Es gab auch Aufständische, die der Fremdherrschaft entkommen wollten. So wünschten sich z.B. Bevölkerungsteile in Ungarn, Galizien und Oberitalien den Abzug der Habsburger, und die polnischen Bürger in der preußischen Provinz Posen die Angliederung ihrer Provinz an Polen.

Aufgrund der Vielzahl der Bewegungen gab naturgemäß abweichende bzw. sogar stark entgegengesetzte Meinungen zu Themen wie Politik, Bürgerrechte, Soziales, Wirtschaft, Nation etc. England, Russland, Spanien, die Niederlande und Belgien blieben von den Aufständen so gut wie verschont.

Quelle: Deutsche Revolution 1848/1849 [de.wikipedia.org]

278. Wie und von wem wurden die Revolutionen bezahlt?

Destin Faroda:

Schwierig. Die altbekannten Finanziers halten sich ja gerne bedeckt und bevorzugen es, ihr Puppen spielen zu lassen. Wenn ich mir die Parlamentarier so ansehe, dann begegnen mir etliche Adlige, Juristen und Freimaurer.

Hier mal ein paar bedeutende Namen:

Carl Joseph Anton Mittermaier (Jurist), Johann Adam von Itzstein (Jurist, Fallersleben widmete ihm das „Itzstein-Lied“), Friedrich Christoph Dahlmann (Historiker), Sylvester Jordan (Jurist und Freimaurer), Robert Blum (Publizist, kurzzeitig Freimaurer, mit Todt befreundet), Carl Gotthelf Todt (Jurist und Freimaurer), Karl Braun (Jurist), Friedrich Hecker (Jurist, Forty-Eighter),
Gustav Struve (Jurist, Forty-Eighter, früher Vegetarier)

279. Welchen gesellschaftlichen Wert hatte die Preußische Verfassung von 1848?

kph:

Vor dem Hintergrund der zurückgewonnenen Macht des Königs in den Jahren 1849/50 wirkt die Verfassung wie ein Intermezzo des Konstitutionalismus‘ im absolutistischen Preußen. Wenige – symbolische – Elemente der Verfassung fielen der Konterrevolution zum Opfer; die meisten Teile der Verfassung blieben auch nach der Revision von 1850 erhalten.

Das Fazit, das aus der Verfassung von 1848 gezogen werden kann, gilt wohl auch für die folgenden Jahre. Die preußische Verfassung von 1848 war, trotz eines Oktrois an Stelle der versprochenen Vereinbarung mit einer verfassunggebenden Nationalversammlung, in der Lage, die gemäßigten Liberalen im Staat zufriedenzustellen. Vor allem lag das an dem im vorherigen Text herausgearbeiteten, progressiven Elementen der Verfassung, genannt seien der große Grundrechte-Katalog, die Einführung von Schwurgerichten sowie grundsätzlich die Einführung einer Verfassung, die Rechtssicherheit und Kontrolle des Monarchen sicherstellt.

Weder die Akzeptanz der Verfassung noch die Reformen dürfen aber darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin deutliche Einschränkungen hin zu einer demokratischen Staatsordnung bestehen. Die Gesetzesentscheidungskompetenz der Kammern und die meisten Grundrechte dürfen im Falle eines Kriegs oder Aufruhrs außer Kraft gesetzt werden, auch ein absolutes Veto des König bleibt erhalten. Eine Gewaltenteilung ist nur sehr eingeschränkt vorhanden, es besteht Zensuswahl, die Rechtsprechung kann vom Monarchen umgangen werden und das Militär muss als Staat im Staate bezeichnet werden.

Diese Kritikpunkte an der Verfassung müssen aber auch vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Situation nach der Märzrevolution betrachtet werden, und so ist es durchaus verständlich, dass für viele Bürger eine „halbliberale“ Verfassung dem weiteren Ausnahmezustand durch Revolution vorzuziehen war.

Preußische Verfassung (1848/1850) [de.wikipedia.org]

Destin Faroda:

Ich würde gerne folgenden Artikel der preußischen Verfassung von 1848 hervorheben:

Art. 9. Der bürgerliche Tod und die Strafe der Vermögenseinziehung finden nicht statt.

Der „bürgerliche Tod“ bedeutet den Verlust der persönlichen Rechtsfähigkeit. Der so Bestrafte lebte zwar physisch weiter, rechtlich wurde jedoch sein Tod fingiert und er somit als natürliche Person eliminiert. Dies umfasste beispielsweise, neben dem Verlust jeglichen Eigentums und der Annullierung einer bestehenden Ehe, auch den Verlust der Geschäftsfähigkeit.

Quellen:

Verfassungsurkunde für den preußischen Staat [verfassungen.de]
Bürgerlicher Tod [de.wikipedia.org]

280. Warum lehnte Friedrich Wilhelm IV. den Titel “Kaiser der Deutschen“ ab?

Destin Faroda:

Die Annahme einer Kaiserkrone aus den Händen des Volkes hätte die anderen deutschen Herrscher brüskiert, insbesondere Österreich. Friedrich Wilhelm IV. hegte noch die Hoffnung, dass das Heilige Römische Reich Deutscher Nation wiederauferstehen könnte und dazu gehörte seiner Ansicht nach die österreichischen Lande. Zudem war der preußische König ein Anhänger des Monarchischen Legitimationsprinzips. Er wollte von Fürsten und Freien Städten gewählt werden. Eine Wahl durch Volksvertreter war in seinen Augen eine wünschenswerte Ergänzung, mehr aber auch nicht.

Die Kaiserdeputation der Frankfurter Nationalversammlung, die dem preußischen König die Kaiserkrone anbieten wollten, durften das Berliner Stadtschloss nur durch den Lieferanteneingang betreten. Der König verlas eine vom Ministerpräsidenten Brandenburg verfasste Rede, die eine bedingte Annahme der Kaiserkrone enthielt, dies aber so kompliziert formulierte, dass die Deputation von einer Ablehnung ausging. In einem Brief an König Ernst August I. von Hannover bezeichnete der preußische König die Kaiserkrone der Nationalversammlung als „Hundehalsband“.

Quelle: Friedrich Wilhelm IV. – Die Revolution von 1848/1849 [de.wikipedia.org]

Korih im Wald:

Weitere Ergänzung zu Punkt 280:

Irgendwie hatte ich gestern schon das Gefühl, dass noch etwas Wichtiges bei meiner Ergänzung bezüglich des Gottesgnadentums fehlen würde. Und jetzt wird mir gerade auch klar, warum mir die Erwähnung dieses Aspektes wirklich in der Tiefe so wichtig war:

Weil das ganze Geschichtswissen nichts nutzt, wenn man aus der Geschichte nichts lernt. Daher stellt sich natürlich auch für heute die Frage:

Wem hat unser Schöpfer/die Schöpferkraft eigentlich die Gnade erwiesen, über unser Leben – im Rahmen natürlicher/göttlicher Gesetze – bestimmen zu dürfen? Und welche Voraussetzungen muss jemand erfüllen, dem wir uns hier im Weltlichen freiwillig unterordnen wollen?

Diese Frage muss wohl letztlich jeder für sich selbst beantworten. Für mich würde ich diese Frage jetzt ganz spontan und ohne wirklich schon tiefgründig darüber in mich gegangen zu sein, wohl ungefähr so beantworten:

1. Mein Recht, zu leben und mein Leben entsprechend meinem Seelenplan/meiner Bestimmung entfalten zu dürfen, habe ich wie jeder Mensch vom Schöpfer höchstselbst.

2. Im gesellschaftlichen Umgang miteinander sollte der Idealfall angestrebt werden, nach dem kategorischen Imperativ Kants zu leben (vereinfacht ausgedrückt: „Was Du nicht willst, das man Dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu.“).

3. Eine (Staats-)Führung, der wir uns unterordnen, sollte aus meiner Sicht die Voraussetzung erfüllen, sich in erster Linie der Einhaltung der natürlichen/göttlichen Gesetze verpflichtet zu fühlen und sich selber (ähnlich wie Friedrich II.) als ersten Diener im Staate zu sehen.

Die Ausrichtung aller Entscheidungen und Handlungen auf das Gemeinwohl in voller Achtung des oben erwähnten göttlichen Rechts, das jeder einzelne Mensch als Individuum in sich trägt, ergibt sich daraus ebenso, wie die Achtung aller anderen Völker und ein sorgsamer, verantwortungsvoller Umgang mit der gesamten Schöpfung (Tiere, Pflanzen, Ressourcen, usw.) sowie mit allem zur Verfügung stehendem Wissen.

Dies hat natürlich enorme Konsequenzen – und ist in unserer jetzigen Situation in keinem einzigen der aufgeführten Punkte erfüllt, wie mir gerade auffällt.

Korih im Wald:

Ergänzung zu 280:

Bezüglich des monarchischen Legitimationsprinzips möchte ich gerne näher darauf hinweisen, dass hier auch das Gottesgnadentum eine große Rolle spielte! Der Herrscher sah sich hierbei als Mittler zwischen Gott und dem Volk – und war dementsprechend natürlich weder kritisierbar noch legitim durch Volkes Wille absetzbar.

Gottesgnadentum [de.wikipedia.org]

Korih im Wald:

Weitere Ergänzung zu Punkt 280:

Irgendwie hatte ich gestern schon das Gefühl, dass noch etwas Wichtiges bei meiner Ergänzung bezüglich des Gottesgnadentums fehlen würde. Und jetzt wird mir gerade auch klar, warum mir die Erwähnung dieses Aspektes wirklich in der Tiefe so wichtig war:

Weil das ganze Geschichtswissen nichts nutzt, wenn man aus der Geschichte nichts lernt. Daher stellt sich natürlich auch für heute die Frage:

Wem hat unser Schöpfer/die Schöpferkraft eigentlich die Gnade erwiesen, über unser Leben – im Rahmen natürlicher/göttlicher Gesetze – bestimmen zu dürfen? Und welche Voraussetzungen muss jemand erfüllen, dem wir uns hier im Weltlichen freiwillig unterordnen wollen?

Diese Frage muss wohl letztlich jeder für sich selbst beantworten. Für mich würde ich diese Frage jetzt ganz spontan und ohne wirklich schon tiefgründig darüber in mich gegangen zu sein, wohl ungefähr so beantworten:

1. Mein Recht, zu leben und mein Leben entsprechend meinem Seelenplan/meiner Bestimmung entfalten zu dürfen, habe ich wie jeder Mensch vom Schöpfer höchstselbst.

2. Im gesellschaftlichen Umgang miteinander sollte der Idealfall angestrebt werden, nach dem kategorischen Imperativ Kants zu leben (vereinfacht ausgedrückt: „Was Du nicht willst, das man Dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu.“).

3. Eine (Staats-)Führung, der wir uns unterordnen, sollte aus meiner Sicht die Voraussetzung erfüllen, sich in erster Linie der Einhaltung der natürlichen/göttlichen Gesetze verpflichtet zu fühlen und sich selber (ähnlich wie Friedrich II.) als ersten Diener im Staate zu sehen.

Die Ausrichtung aller Entscheidungen und Handlungen auf das Gemeinwohl in voller Achtung des oben erwähnten göttlichen Rechts, das jeder einzelne Mensch als Individuum in sich trägt, ergibt sich daraus ebenso, wie die Achtung aller anderen Völker und ein sorgsamer, verantwortungsvoller Umgang mit der gesamten Schöpfung (Tiere, Pflanzen, Ressourcen, usw.) sowie mit allem zur Verfügung stehendem Wissen.

Dies hat natürlich enorme Konsequenzen – und ist in unserer jetzigen Situation in keinem einzigen der aufgeführten Punkte erfüllt, wie mir gerade auffällt.

281. Woran scheiterten die revolutionistischen Bestrebungen?

kph:

Die Verfassung des deutschen Reiches vom 28. März 1849 war die Verfassung für einen deutschen Bundesstaat. Erarbeitet wurde sie von der Frankfurter Nationalversammlung für das in der Zeit der Revolution von 1848/1849 entstehende Deutsche Reich. 28 deutsche Regierungen folgten in der Note der Achtundzwanzig dieser Auffassung.

Allerdings erkannten die größten deutschen Staaten die Verfassung nicht an. Stattdessen bekämpften sie die Verfassung und die Nationalversammlung aktiv. Ihrer Meinung nach musste eine deutsche Verfassung mit ihnen vereinbart werden (Verfassungsvereinbarung). Außerdem fanden viele konservative Regierungen die Frankfurter Reichsverfassung zu liberal. Im Hintergrund spielte auch der Machtkampf zwischen Preußen und Österreich mit: Gerade die süddeutschen Königreiche bevorzugten einen Staatenbund unter Einschluss von Österreich.

Die Reichsverfassung sah ein politisches System im Sinne der konstitutionellen Monarchie vor: Ein erblicher Kaiser, der selbst „unverletzlich“ war, ernannte verantwortliche Reichsminister. Außerdem konnte der Kaiser Gesetze aufschieben. Das hauptsächliche Gesetzgebungsorgan, der Reichstag, hatte zwei Kammern. Davon sollte das Volkshaus nach allgemeinem Wahlrecht gewählt werden (Frankfurter Reichswahlgesetz), die Mitglieder des Staatenhauses sollten zur Hälfte von den Landesregierungen und zur Hälfte von den Landesparlamenten eingesetzt werden. Die Grundrechte des deutschen Volkes waren von den Bürgern vor einem Reichsgericht einklagbar.

Die FRV war die erste gesamtdeutsche und demokratische Verfassung Deutschlands. Die Erfurter Unionsverfassung von 1849/50 stellte weitgehend eine Kopie dar, die allerdings konservativer und föderalistischer war. Damit sollte sie für die Mittelstaaten annehmbarer werden. Auch diese Verfassung wurde schließlich von den großen Staaten nicht angenommen.

Paulskirchenverfassung [de.wikipedia.org]

N8waechter:

Aufrichtigen Dank, werter kph.

Die Ablehnung der Paulskirchenverfassung und weiterer durch die großen Bundesstaaten waren doch eher ein Ausdruck der gescheiterten Revolutionen. Insofern halte ich die Frage 281 mal weiterhin offen und bin gespannt auf weitere Vorschläge hierzu. 😉

kph:

Nach der Ablehnung der von der Kaiserdeputation der Nationalversammlung angebotenen Kaiserkrone durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. und der zögerlichen Annahme der Reichsverfassung durch die Staaten des Deutschen Bundes war die Arbeit der Frankfurter Nationalversammlung praktisch gescheitert. Die größeren Monarchien wie Preußen, Österreich, Bayern und Sachsen, aber auch das Königreich Hannover beriefen ihre Abgeordneten widerrechtlich ab. Viele gemäßigt liberale Abgeordnete, die hinter dem Konzept einer konstitutionellen Monarchie gestanden hatten, legten ihr Mandat auch wegen der gewaltsamen Aufstände nieder. Am 26. Mai musste die Nationalversammlung aufgrund der dauerhaft geringen Präsenz ihre Beschlussfähigkeitsgrenze auf 100 Abgeordnete absenken. In der Paulskirche in Frankfurt verblieben im Laufe des Mai 1849 großteils linke und dazu einige konservative Abgeordnete. Dies wiederum führte dazu, dass die Stadt Frankfurt auf preußischen Druck die Ausweisung der restlichen Abgeordneten aus der Stadt vorbereitete.

In Stuttgart tagten die 154 verbliebenen Abgeordneten der württembergischen Ständekammer. Zum neuen Präsidenten des Parlaments wurde Wilhelm Loewe (Calbe) gewählt, da der bisherige Präsident Theodor Reh sein Abgeordnetenmandat niedergelegt hatte. Da Reichsverweser Erzherzog Johann das Stuttgarter Rumpfparlament nicht anerkannte, wurden die gesamte Provisorische Zentralgewalt von den Abgeordneten für abgesetzt erklärt. Stattdessen proklamierte das Rumpfparlament eine provisorische Reichsregentschaft.

Wichtigster Ausschuss war der nach der Anzahl der Delegierten benannte Fünfzehnerausschuss, der den Ausschuss zur Durchsetzung der Reichsverfassung ersetzte. Der neue Tagungsort und die Reichsregentschaft konnten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Rumpfparlament nicht nur ohne reale Macht war, sondern auch die tatsächliche Legitimation sowie die Verankerung mit dem politischen Geschehen in Deutschland kaum mehr vorhanden war.

Angesichts der revolutionären Unruhen im Rahmen der Reichsverfassungskampagne mit den nahen Brandherden in Baden und der Pfalz bereute die württembergische Regierung die nicht mit ihr abgestimmte Einladung an das Parlament schon nach wenigen Tagen, insbesondere da sich das Rumpfparlament und die Reichsregentschaft immer mehr radikalisierten und zur Steuerverweigerung sowie zum militärischen Widerstand gegen die Nichtanerkennung der Verfassung durch die Bildung eines Reichsheeres aufriefen.

Gleichzeitig fürchtete die württembergische Regierung ein Eingreifen der nach Baden vorrückenden preußischen Truppen aufgrund der Anwesenheit des Rumpfparlaments in Stuttgart.

Römer legte sein Abgeordnetenmandat bereits in der ersten Sitzung nieder, nachdem die neue provisorische Reichsregentschaft dem eigenen Verständnis als Reichsregierung folgend, aber ohne politischen Realitätssinn, die Hoheit über alle Bundesstaaten des Deutschen Bundes beansprucht hatte und so auch die württembergische Autonomie beeinträchtigte. Bereits nach der Sitzung vom 8. Juni musste das Parlament die Ständekammer verlassen und sich einen provisorischen Tagungsort suchen.

Am 17. Juni teilte Römer dem Parlamentspräsidenten abends mit, „dass die württembergische Regierung sich in der Lage befindet, das Tagen der hierher übersiedelten Nationalversammlung und das Schalten der von ihr am 6. dieses Monats gewählten Reichsregentschaft in Stuttgart und Württemberg nicht mehr länger dulden zu können.“ Am 18. Juni besetzte württembergisches Militär vor Sitzungsbeginn den Tagungsort, das Fritz’sche Reithaus. Der von den noch 99 in Stuttgart befindlichen Abgeordneten daraufhin improvisierte Demonstrationszug in Richtung des Sitzungssaales wurde durch das Militär schnell und ohne Blutvergießen aufgelöst, die nicht-württembergischen Abgeordneten wurden des Landes verwiesen.

Die Reichsregentschaft um Raveaux floh über Freiburg im Breisgau nach Baden-Baden, wo sie am 22. Juni eintraf, um sich anschließend mit einigen Abgeordneten nach Karlsruhe an den Sitz der badischen Revolutionsregierung zu begeben und die Nationalversammlung dort weiterzuführen. Bereits am Tag zuvor hatten die badischen Revolutionäre im Gefecht bei Waghäusel jedoch eine entscheidende Niederlage zu verzeichnen und befanden sich im teilweise ungeordneten Rückzug, insbesondere, da eine zweite preußische Armee bei Germersheim den Rhein überschritten hatte. Daraufhin wandte sich die Reichsregentschaft wieder nach Freiburg, wo sie ab dem 24. Juni ihren Sitz nahm. Am 30. Juni floh sie vor den heranrückenden Truppen in die Schweiz.

Rumpfparlament (Deutschland) [de.wikipedia.org]

Sailor:

Danke für die „Vorarbeit“, werter kph, und ein weiterer Vorschlag: 🙂

Möglicherweise entstanden einige Unstimmigkeiten im Rahmen des Erbrechts …

Erbrecht – Nach römischem Recht war es möglich, im Rahmen einer Stiftung, genannt Familienfideikommiss, einen Teil seines Vermögens der römisch-rechtlichen Eigentumsordnung zu entziehen. So entstanden neben den Stammgütern die Familienfideikommisse (Stiftungen).

Gem. preußischem Edikt vom 9. Oktober 1807 wurde die Auflösung eines Familienfideikommisses durch Familienbeschluss zugelassen. Somit konnte die Familie eines Erblassers dessen Anordnungen bezüglich seiner gewünschten Stiftung wieder rückgängig machen.

In den durch Napoléon I. besetzten deutschen Landesteilen wurde das Familienfideikommiss gänzlich abgeschafft oder sehr stark eingeschränkt. Seit dem Wiener Kongress waren aber Familienfideikommisse wieder zugelassen worden.

Auszug:

Bereits die Paulskirchenverfassung von 1848 forderte die Auflösung der Familienfideikommisse. Mit Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches zum 1. Januar 1900 wurde die bürgerliche Rechtseinheit in den deutschen Gebieten, die das Kaiserreich umfasste, eingeführt. Nach Art. 59 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch blieben das Recht der Bundesstaaten über die Familienfideikommisse unberührt. Seit Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfassung setzte man sich die Abwicklung des gebundenen Vermögens erneut als Ziel. Nach der Novemberrevolution wurden die Vorrechte des Adels abgeschafft. Auch die Familienfideikommisse sollten gemäß Art. 155 Weimarer Verfassung 1919 beseitigt werden.

Quelle: Familienfideikommiss – Deutschland [de.wikipedia.org]
Quelle: Familienfideikommiss [rechtslexikon.net]

Korih im Wald:

Ergänzende Überlegungen zu 281: Woran scheiterten die revolutionistischen Bestrebungen?

Mein erster und stärkster Gedanke war, dass zu wenig Bereitschaft bestand, sich wirklich aus den alten Verhältnissen zu lösen. Dadurch blieben die Revolutionäre auf dem Spielfeld der alten Machtinhaber und mussten auch weiterhin nach deren Spielregeln spielen und mit den von diesen vorgegebenen „Waffen“ kämpfen. Das konnte nicht klappen! Hierbei waren sie dann aus verschiedenen Gründen unterlegen (zu geringe militärische Stärke, Uneinigkeit innerhalb der unterschiedlichen revolutionären Lager bzgl. der Zielsetzung, Unwille des Königs, der unbedingt eingebunden bleiben sollte, etc.)

Eigentlich ging es am Ende eher um eine Reform als um eine revolutionäre Umwandlung. Der Hauptfehler war meiner Meinung nach das Festhalten an der monarchistischen Struktur und die Einbindung deren adliger Vertreter, indem man sich von denen ja geradezu die „Erlaubnis“ zu Änderungen zu erbetteln suchte (Einverständnis mit der neu erarbeiteten Verfassung).

Erinnert mich ein wenig an das heutige „Betteln“ um die Erlaubnis, protestieren zu dürfen gegen die C-Maßnahmen (Demonstrationsanmeldung), wobei man zusagt, sich an die Vorgaben (Maske und Abstand) halten zu wollen, obwohl man dies durch den Protest gerade abstellen will. Grotesk!

Folgerung:

Es braucht klare Zielvorstellungen darüber, was erreicht werden soll, klare Vorstellungen darüber, wie es erreicht werden kann. Und unbedingte Richtlinie muss dabei sein, was man als grundsätzlich richtig erkannt hat. Man kann also nicht auf jede (am Alten festhaltende) Meinung Rücksicht nehmen, da oft genug nur von eigenen Interessen geprägt, nicht aber vom Interesse am Wohl des Ganzen!

Wichtig ist auch zu verstehen, dass man nicht die Spielregeln des Gegners akzeptieren darf, wenn man ein neues System errichten will, sondern eigene Regeln (basierend auf den als richtig erkannten Werten) haben muss, an denen man sich orientiert.

Hauptgrundlage für diese Überlegungen:

Gründe für das Scheitern der Revolution 1848 [geschichte-abitur.de]

282. Wer oder was waren die “Forty Eighters“?

Claus:

„Mit dem Begriff Forty-Eighters (engl. für ‚Achtundvierziger‘) werden in den USA und in Australien die Einwanderer bezeichnet, die sich infolge der Niederschlagung der bürgerlich-demokratischen Europäischen Revolutionen von 1848/49 – insbesondere der Märzrevolution in den Staaten des Deutschen Bundes – gezwungen sahen, aus Europa zu fliehen, und die in der „Neuen Welt“ Aufnahme fanden. Ihr Exil wurde vielfach auf Dauer mit einer geänderten Staatsbürgerschaft zu einer neuen Heimat.

Die Vereinigten Staaten von Amerika und Australien waren zwei der Länder, in denen es damals noch keine Einwanderungsbeschränkungen gab. Die meisten Flüchtlinge, die nach 1848 den europäischen Kontinent verließen, wanderten in die USA aus. Ein oft beschworenes Motto der Auswanderer war: Ubi libertas, ibi patria‚ Wo die Freiheit ist, dort ist mein Vaterland‘.“

Forty Eighters [de.wikipedia.org]

Destin Faroda:

Forty-Eighters nannte man in den USA die deutschen Einwanderer, die vor Repressionen aus Deutschland infolge ihrer Beteiligung an den Märzrevolutionen flohen. Die USA waren das beliebteste Auswanderungsland, gefolgt von Australien, die beide keine Einwanderungsbeschränkungen kannten. Motto der Auswanderer: Ubi libertas, ibi patria = Wo die Freiheit ist, dort ist mein Vaterland

USA: Viele Forty-Eighters setzten ihre politische Tätigkeit in den USA fort, indem sie für die Abschaffung der Sklaverei eintraten und daher den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Abraham Lincoln unterstützten. Auch im Amerikanischen Bürgerkrieg waren die Forty-Eighters aktiv. Die meisten schlossen sich den Unionstruppen an, es gab aber auch einige, die für den Süden zur Waffe griffen.

Australien: Forty-Eighters in Australien konzentrierten sich vor allem auf den Weinbau und die Gründung lutherischer Kirchen.

Quelle: Forty Eighters [de.wikipedia.org]